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07.09.1984 - 

Blitzumfrage der COMPUTERWOCHE ergab schwaches Bild:

Speditions-DV ist noch nicht in Fahrt

MÜNCHEN - Eine langsame Gangart legt die sonst so sehr um Schnelligkeit bemühte Speditionsbranche ein, wenn es um DV-Lösungen in ihrem Gewerbe geht. Sieht man einmal von den Großunternehmen ab, so glauben die Spediteure ohne branchenspezifischen Computereinsatz besser fahren zu können. Dies belegt zumindest eine Blitzumfrage der COMPUTERWOCHE bei einschlägigen Münchner Unternehmen.

"Nach drei Monaten habe ich meinen Computer wieder rausgeschmissen", erklärt der Geschäftsführer der AK Internationale Speditions GmbH, Rolf Birn, der pro Monat über 100 Lastzüge in den Iran und Irak, nach Saudi Arabien, Jordanien und Syrien schickt. "Im internationalen Transportgeschehen nimmt es einfach zu viel Zeit in Anspruch, wenn man bei jedem Transport die wechselnden Daten immer wieder neu eingeben muß." Erläuternd fügt er hinzu: "Bei uns geht nichts nach festen Tarifen, sondern die Preise müssen jedesmal neu ausgehandelt werden."

Leider habe auch er selber den Computer nicht zu bedienen vermocht, beziehungsweise es sei über Spielchen wie "Schiffeversenken" und "Mondlandung" nicht hinaus gekommen. Ähnlich wie Birn äußerte sich der Inhaber der internationalen Möbelspedition "Rote Radler", Horst Schneider. Seine erste Reaktion auf unsere Anfrage. "Nein, haben wir nicht. So was brauchen wir nicht."

Bei ihm würde sich eine DV-Anlage nicht rentieren, weil man das vorhandene Auftragsvolumen schneller manuell erledigen könne. "Das ist etwas anderes bei Stückgutspediteuren, die Tausende von Kunden haben und ihre Packerl mal hier hin und mal dahin transportieren, aber wir fahren mit unseren 17 Lastkraftwagen ja hauptsächlich komplette Ladungen," führt er weiter aus.

Auch das Unternehmen Schindlauer will von der elektronischen Datenverarbeitung im eigenen Hause nichts wissen. Und das, obwohl es ganz bedeutende Kontingente von Computern befördert. Die kategorische Begründung dieser Spedition lautet: "Bei uns lohnt sich das nicht. Wir sind auf ein paar Kunden spezialisiert und da wird jeder Transport anders berechnet.

Die Meinung dieser drei Spediteure steht für viele. Immer wieder bekommt man als Antwort "es rentiert sich nicht", "wir sind zu klein" und "mit der Hand geht es schneller" zu hören. Für die ablehnende Haltung der kleineren Spediteure sind aus der Sicht von Branchenkennern vor allen Dingen drei Gründe ausschlaggebend: Einmal fehle es bisher an ausgereifter Branchensoftware für Individuallösungen, andererseits bestünde in den Betrieben eine gefühlsmäßige Abneigung beziehungsweise bewußte Ignoranz gegenüber einschlägigen DV-Lösungen. Und drittens verhindere der ausgeprägte Konkurrenzkampf unter den Spediteuren, daß die Anwender ihre Erfahrungen miteinander austauschen. Dazu der Leiter der Abteilung Organisation und Betriebswirtschaft bei der auf DV-Anwendungen bei Speditionen spezialisierten Datapoint: "Die Kerle, die wirklich etwas topfittes haben, wollen nicht darüber reden, weil sie durch die hohe Verfügbarkeit ihrer Systeme enorme Wettbewerbsvorteile haben."

Den DV-Rückstand erklären sich Fachleute aber auch damit, daß kleinere Betriebe von Herstellern oft übers Ohr gehauen worden seien und sie nicht die Möglichkeit zur Schulung ihrer Mitarbeiter hätten. Schließlich und endlich wird als Grund noch eine Tatsache ins Feld geführt: Die auf dem Markt befindliche Software würde meistens nicht auf den in einigen Unternehmen bereits installierten Computern für die Buchhaltung und Lohnabrechnung laufen. Aus dieser Not eine Tugend machte die von der COMPUTERWOCHE befragte Münchner Spedition Südkraft, die für ihren Rechner von Honeywell Bull selbst ein Softwarepaket entwickelte.

Expertisen, die sich mit der DV-Szene im Speditionsgewerbe beschäftigen, sind rar gesät. Beim Bundesverband für Spedition und Lagerei in Bonn gibt es nur eine einschlägige Untersuchung und die stammt aus dem Jahr 1982. Dieser Erhebung zufolge arbeiten von insgesamt 4600 befragten Betrieben 600 mit EDV, wovon zwei Drittel wiederum auch über speditionelle Anwendungen verfügen. Hinsichtlich der Zufriedenheit ergibt sich dabei das folgende und wohl etwas geschönte Bild: 49,2 Prozent der Unternehmen sind mit ihren DV-Installationen zufrieden, 27,2 Prozent zum Teil und 2,6 Prozent nicht zufrieden.

Das sicherlich interessantere Ergebnis brachte eine Analyse, die eine für den Speditionsverband arbeitende Unternehmensberatung durchführte. Demzufolge werfen Speditionsbetriebe, die mit Computereinsatz arbeiten, eine geringere Rendite ab, als solche ohne DV-Anlagen.

Stefanie Schopenhauer, CW-Mitarbeiter