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27.03.1975 - 

Vom Magnetkonto zur Magnetplatte

Speicher für MDT

MÜNCHEN - Die Computer hielten einst bei den Riesenkonzernen und Großverwaltungen ihre Marktpremiere. Die Forschungsarbeiten für optische Massenspeicher und Blasenspeicher scheinen sich abermals auf die Bedürfnisse in Riesensystemen zu richten. Aber eine Entwicklung, in der die mittelständischen Betriebe jahrelang auf Systeme mit ähnlichen Leistungsmerkmalen zu den bei ihnen tragbaren Kosten warten müssen, braucht sich nicht zu wiederholen. Heute werden sie durch eine Vielzahl von Fachunternehmen beliefert und betreut, die sich auf ihre Aufgaben spezialisiert haben. Und die jüngsten Computer-Kreationen zeigen deutlich, wie sich die Verhältnisse inzwischen umgekehrt haben: Gerade die wichtigsten Konzepte, die gegenwärtig in der Groß-EDV Furore machen, sind bei den kleinsten EDV-Anlagen und den Computern der mittleren Datentechnik schon längst alltäglich Typisch ist hierfür das Konzept der Mikroprogrammierung, also einem Bindeglied zwischen Hardware und Software, das schon seit Jahren bei den Mini- und MDT-Computern flexible Systeme und effektive Speicherausnutzung fördert.

Auch die optische Datenspeicherung könnte durchaus zuerst für kleine Rechner realisiert werden. Bei ihnen mögen zwar riesige Speicherkapazitäten uninteressant sein, um so mehr aber Kostensenkungen im Kurs stehen. Schon bei den Laborversuchen betragen die Kosten pro Speichersatz nur 0,02 Pfennige. In einer weitgespannten Produktion würde das Preisniveau zweifellos noch niedriger liegen.

Auch für die Anwender kleinerer Datenverarbeitungsanlagen müssen diese Speichermöglichkeiten noch als ferne Zukunft gelten. Wesentlich näher steht ihnen das Für und Wider um den populärsten Datenspeicher der mittleren Datentechnik, die Magnetkontokarte

Seit mehreren Jahren halten Magnetbandkassetten und Magnetplatten in die mittlere Datentechnik Einzug, seit Herbst vorletzten Jahres auch die "FIoppy Disks". Trotz dieser Innovationen beherrschen die Magnetkontencomputer noch immer das Feld, und die Marktführer aus der Fachindustrie sehen sie auch in den nächsten Jahren als Mittelpunkt der von ihnen eingeführten Systeme an. Immerhin gehören seit Jahren zwischen 50 und 70 Prozent aller installierten MDT-Einheiten zu diesem Computertyp und sprechen für die Magnetkontenverarbeitung viele praxisnahe Motive.

Als Alternative sind bisher nur die kleinen Magnetplattenspeicher und die neuen Einschübe mit Folienplatten angesehen worden. Magnetbandkassetten - Einrichtungen gelten eher als willkommene Ergänzung und losen allenfalls Lochstreifen-Peripherie ab Sie dienen als Zusatzspeicher für Programme, für die Datenauswertung im hausexternen Service und zur Datensicherung. Platteneinheiten und Floppy Disks wirken hingegen unmittelbar auf Verarbeitungsabläufe ein. Unbestreitbar ist es, daß sie die Fortschreibung von personen- und sachbezogenen Stammdaten automatisieren und vor allem die bei den Magnetkonten erforderlichen manuellen Vor- und Nacharbeiten vermeiden (Heraussuchen, Vorsortieren und Abstellen der Konten). Für die Systemauswahl müssen aber auch viele andere Gesichtspunkte geprüft und bewertet werden. Die Systementscheidung richtet sich letztlich nicht nach einigen Vorteilen, sondern nach der Übereinstimmung zwischen Anforderungen und Eigenschaften, denen die höchste Priorität zukommt.

Datensysteme, die lediglich vom Abbau einiger manueller Belastungen her geplant werden, zäumen sozusagen das Pferd beim Schwanz auf. Sie betonen ein Detail und lassen die viel wichtigere Auseinandersetzung mit dem Prinzip vermissen.

Trotz aller höherentwickelten Systeme sind Magnetkontencomputer auch heute noch das typische Arbeitsinstrument von Unternehmen, die in der direkten und kontenbezogenen Datenverarbeitung das optimale Prinzip finden. Sie brauchen für ihre Organisation oder Kundenbetreuung die von Konten gebotene, fortlaufende und vollständige Datenchronik. Magnetkonten-Sammlungen sind aus dieser Sicht nichts anderes als Datenbanken.

Magnetplatten sind auch im Wirtschaftlichkeitsbereich der mittleren Datentechnik längst wegen der Möglichkeit geschätzt, auf beachtliche Datenbestände direkt und unter Regie eines Programms zugreifen zu können. Aber sie lassen hier die in den Datenbanken der EDV typischen Eigenschaften vermissen. Statt einer Auskunftsbereitschaft im Echtzeitbetrieb geht es um Programm- und Organisationsvorteile. Die Speicher führen einer Datenverarbeitung den letztgültigen Informationsstand aus einer Geschäftsabwicklung zu; die Chronik der Abwicklungen wird ignoriert.

Wie sehr die Magnetkonten ins Gerede gekommen sind, geht aus einem Industriepapier hervor, das die Magnetkonteneigenschaften auflistet und unter anderem folgende Pluspunkte nennt: Magnetkontenkarten vereinigen die Vorteile der konventionellen Kontokarte mit denjenigen der maschinell lesbaren Datenträger. Sie bieten dadurch eine optisch lesbare Bestandsfortschreibung, Informationen über die aktuellen Bestände und jederzeit Übersicht über die chronologische Entwicklung. Die Magnetkonten sind die preiswertesten externen Datenspeicher und Informationsträger. Sie sind mitarbeiterfreundlich, beschleunigen den Arbeitsablauf, sichern die Daten und lösen eine Vielzahl automatischer Funktionen aus. Durch diese Karten wird ein hoher Integrationsgrad innerhalb der einzelnen Arbeitsgebiete erreicht. Erweiterungen des Computers sind nicht wegen wachsender Datenmengen erforderlich, denn die Kontendatei ist unbegrenzt ausbaufähig.

Je kräftiger indessen der Dateiausbau wächst, desto belastender dürfte zweifellos auch der manuelle Arbeitsaufwand zunehmen. Vor allem aus diesem Grunde werden es viele Unternehmen nicht mit der Wertschätzung der Magnetkonten bewenden lassen. Sie können die genannten Eigenschaften weiterhin nutzen und sich zugleich mehr Automatik zugänglich machen, indem die Magnetkontenverarbeitung durch die Datenspeicherung auf Magnetplatten oder Floppy Disks ergänzt wird. Solche Doppellösungen dürften etwa in der Auftragsabwicklung hohe Rationalisierungseffekte erschließen. Auch zeigen sie, daß ein Datenspeicher mit Tradition nicht schon deswegen an Bedeutung verliert, weil es jüngere Techniken gibt.

H. F. W. Schramm ist freier EDV-Journalist.