Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

14.01.2000 - 

Speicher-Management/Ein Standard für heterogene Umgebungen ist noch nicht in Sicht

Speicher- und System-Management - zwei verschiedene Welten?

von Jürgen Schelbert* Die Zahl der Server, und damit auch die der Speicherkomponenten in einem Unternehmen, wächst ständig. Meist arbeiten unterschiedliche Betriebssysteme auf den Rechnern. In aller Regel besitzt jede Plattform ihren eigenen dezentralen Speicher. Oft verfügen diese Komponenten über separate, auf die jeweilige Systemplattform beschränkte Administrationswerkzeuge. Von einer gemeinsamen plattformübergreifenden Speicherverwaltung wagen nur die wenigsten DV-Verantwortlichen zu träumen.

Eine systemübergreifende Lösung des Problems bietet die Einbindung der Speicherkomponenten in ein Storage Area Network. Hier lassen sich zumindest die verschiedenen Speicherplattformen auf Datenpfadebene zusammenführen. Für ein über die Grenzen der Plattformen reichendes Management stehen aber momentan nur System-Management-Tools zur Verfügung. Für eine gemeinsame Speicherverwaltung heterogener Systeme gibt es noch keinen Standard. Doch zeichnen sich bereits erste Tendenzen ab, die in Richtung eines einheitlichen Standards zielen.

In den meisten Unternehmen arbeiten verteilte, heterogene Unix- und Windows-NT-Server. Diese heterogenen Plattformen in der Firmen-DV erschweren die Verwaltung der Speichersysteme. Die verteilten Systeme besitzen meist eigene Festplatten und Bandstationen oder -bibliotheken, was zu sehr hohen Verwaltungskosten führt. Die Systemadministratoren müssen lernen, mit unterschiedlichen Management-Werkzeugen umzugehen, die darüber hinaus meist nur jeweils an einer lokalen Konsole zu bedienen sind. Für die zentrale Überwachung der Server und Applikationen sind heute System-Management-Programme installiert. Die bekanntesten sind "Openview" von Hewlett-Packard, "Tivoli" von der gleichnamigen IBM-Tochter oder Computer Associates "Unicenter". Leider bezieht die System-Management-Software normalerweise nicht die angeschlossene Speicherperipherie mit ein.

Storage-Management und System-Management waren bislang zwei voneinander getrennte Applikationen. Während die Speicher-Management-Software der Verwaltung, Sicherung oder Archivierung von Daten diente, wurden mit der System-Management-Software die Hardwarekomponenten im firmeneigenen Netz überwacht. Mittlerweile bieten jedoch immer mehr Speicherapplikationen eine Anbindung an System-Management-Tools. So werden etwa fehlgeschlagene Backups oder Restores an die System-Management-Konsole gemeldet. Von hier aus startet dann der Administrator die Speicherverwaltung, um das Problem zu analysieren und zu beheben.

Das Simple-Network-Management-Protokoll (SNMP) bietet ein standardisiertes Netzwerkprotokoll, das den Informationsfluss zwischen Geräten oder Applikationen auf der einen Seite und den System-Management-Tools auf der anderen definiert und kommuniziert. Die beiden Grundfunktionen von SNMP sind die so genannten Gets und Traps. Während sich Get als eine Instruktion der System-Management-Applikation zum Anfordern von Informationen definiert, senden die zu überwachenden Geräte oder Anwendungen Traps über Fehler oder Ereignisse automatisch an den Administrator. SNMP ist jedoch ein sehr einfaches Protokoll, das sich lediglich dafür eignet, Statusinformationen zum System zu übertragen.

Die Management-Information-Base (MIB) spezifiziert die Art der Informationen, die jedes Gerät oder jede Applikation im Netz zur Verfügung stellt. MIBs sind meist individuell zu konfigurieren. Damit bleibt es dem Anwender überlassen, welche Fehler oder Ereignisse an die System-Management-Konsole gemeldet werden sollen.

Einige Storage-Management-Applikationen verfügen nur über anwendungsspezifische MIBs. Die verwaltete Hardware wird oft nicht mit berücksichtigt. Dies ist immer dann der Fall, wenn die Speicherhardware nicht an das Local Area Network (LAN), sondern über SCSI- oder Fiber-Channel-Verbindungen direkt an die Server angeschlossen ist. Bestes Beispiel dafür sind Backup- oder Tape-Management-Applikationen. Raid-Administrations-Software greift dagegen tiefer in die Hardwareebene ein, so dass diese Verwaltungswerkzeuge auch hardwarespezifische Meldungen an die System-Management-Konsole senden.

Einige Hersteller wie zum Beispiel Storagetek bieten seit längerem eine einheitliche Verwaltungssoftware für Plattensubsysteme an. Dabei ist eine zentrale Administration aller über das LAN oder das Wide Area Network (WAN) angeschlossenen Subsysteme möglich. Außerdem bieten diese Applikationen Anwendern die Möglichkeit, die Speicherverwaltung an die gängigen System-Management-Werkzeuge anzubinden. Per Symbol werden Ereignisse und Probleme auf der Management-Konsole angezeigt. Mittels Mausklick kann der Administrator die Verwaltungssoftware auf der Management-Konsole starten und Aktionen wie die Konfiguration des Speichers oder Fehlerbehebung durchführen. Die Verwaltungssoftware dient jedoch nicht nur dazu, Plattensubsysteme zu überwachen, sondern auch um diese einzurichten. Raid-Stufen, Plattengruppen oder Cachegrößen lassen sich damit zentral für alle am Netz hängenden Disk-Systeme einstellen.

Die Kontrolle von Bandbibliotheken ist zur Zeit nicht mit Applikationssoftware zu erreichen. Anders als bei Plattensubsystemen, die meist mit ihrer eigenen herstellerspezifischen Management-Software geliefert werden, gibt es bei Backup-, oder Tape-Management-Systemen keine direkten Hardwarezugriffe. Somit ist die Kombination von Soft- und Hardware unterschiedlicher Hersteller möglich. Allerdings liefern diese Applikationen lediglich Status- und Fehlermeldungen der Applikation selbst.

Um dieses Problem zu beheben, muss eine Schnittstelle zwischen den Bandbibliotheken und dem System-Management eingeschaltet werden. Ein Interface zwischen den Bibliotheken und den System-Management-Softwareprodukten bildet beispielsweise der "Horizon Library Monitor" von Storagetek. Mit Hilfe dieser Applikation lassen sich die angeschlossenen Bandbibliotheken samt ihren Laufwerken und den Kassettenausgabestationen als Icons auf der System-Management-Konsole darstellen.

Ein Ereignis zeigt die Software durch eine Farbänderung des entsprechenden Icons an. Mit einem Mausklick auf das Icon lässt sich der Administrator verschiedene Meldungen anzeigen, auf die er mit den entsprechenden Aktionen reagieren kann. Der Horizon Library Monitor zeigt beispielsweise Informationen über geöffnete Türen, Library-Fehler, Laufwerkstatus oder Laufwerkfehler an. Je nach Brisanz der angezeigten Information wechselt die Icon-Farbe von Grün auf Gelb, Orange oder Rot, so dass auf einen Blick zu erkennen ist, wie wichtig die Meldung ist.

Die Firma Sun Microsystems arbeitet momentan mit anderen Herstellern von Speicherprodukten an einem neuen Standard für das Speicher-Management. "Jiro" (vormals StoreX) soll eine Universalplattform für das Management von Speichern, Servern, Applikationen und anderen Geräten liefern, die in Netzen zusammenhängen. Laut Hersteller soll das Produkt eine unabhängige Plattform für Speicher-Management und -überwachung sowie für die Konfiguration heterogener Hard- und Softwarekomponenten bieten. Geplant ist, die Systeme verschiedener Anbieter in Form einer zusammenhängenden und einfach zu verwaltenden Einheit zusammenarbeiten zu lassen. Da Jiro auf der Java-Technologie basiert, soll auch die Management-Konsole plattformunabhängig arbeiten können.

Problem bei Jiro: Andere Hersteller müssen mitspielenSun will Jiro als Entwicklungsumgebung verstanden wissen, die eine Interoperabilität verschiedener Hersteller gewährleisten soll. Damit soll es laut Hersteller wesentlich einfacher werden, heterogene Systeme in eine einheitlich administrierbare DV-Landschaft einzubinden. Weiterhin wären Plattformwechsel innerhalb des Systems unproblematischer. Dies bedeutet jedoch auch, dass die Applikationen anderer Hersteller an Jiro angepasst werden müssen, bevor der Kunde von dieser neuen Entwicklung profitieren kann. Über diese Anpassung verhandelt Sun momentan mit anderen Herstellern. Aus diesem Grund hat sich auch die bereits für vergangenes Jahr angekündigte Einführung von Jiro auf das Jahr 2000 verschoben.

Fazit: Ein kombiniertes Speicher- und System-Management ist nur eingeschränkt möglich. Bei der Vielfalt der in den Unternehmen vorhandenen Server-Plattformen sind die entsprechenden Management-Applikationen eine notwendige Anschaffung für jeden Systemadministrator. Ist jedoch die an die Server angeschlossene Peripherie nicht in der Lage, solche Softwarewerkzeuge zu unterstützen, sind die Vorteile verschwindend gering. Deshalb müssen die Anwender darauf achten, dass alle eingesetzten Hard- und Softwarekomponenten die System-Management-Produkte voll unterstützen. Bis sich einheitliche Standards durchsetzen, kann ein kombiniertes Storage- und System-Management nur mit Einschränkungen durchgeführt werden.

Angeklickt

Um die dezentralen Speicher heterogen zusammengesetzter DV-Umgebungen zu verwalten, bringt jede Plattform meist ihre eigenen Werkzeuge mit. Von systemübergreifenden Standards ist die Branche noch weit entfernt. Und wenn sich auch noch Teile der Speicherperipherie dem Zugriff ganz entziehen, verliert die beste Management-Applikation ihre Vorteile. Doch vereinzelt werden bereits die ersten Fäden geknüpft, um eine einheitliche Verwaltung auf die Beine zu stellen.

*Jürgen Schelbert ist Marketing-Manager der Multi Platform Business Group für die Region Zentraleuropa bei Storagetek.