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10.01.1997 - 

Speichersysteme und -Management/

Speicherkapazität ist weiterhin sehr gefragt

10.01.1997

Von Carl Mühlner*

Massenspeicher waren wegen ihres hohen Preises in den Kindertagen der DV ein kostbares Gut. Nicht zuletzt deshalb stehen heute - kurz vor der Jahrtausendwende - viele Unternehmen vor dem Problem der Datumsumstellung von zwei- auf die vierstellige Jahreszahlen in ihren Systemen, denn damals ging es um jedes einzelne Byte.

Dank des Technologiefortschritts geht es heute um Giga- und Terabytes von Daten, die beispielsweise dadurch entstehen, daß unternehmensrelevante Daten in Data-Warehouses zusammengeführt und dort zur Entscheidungsunterstützung aufbereitet werden. Dabei ist es wichtig zu wissen, daß der Löwenanteil dieser sensitiven Daten trotz aller Downsizing-Trends nach wie vor auf Mainframes vorgehalten wird.

Ein Hauptgrund dafür sind hohe Sicherheitsanforderungen, die sich in verteilten Umgebungen nur schwer in ähnlicher Form wie in der zentralistischen DV realisieren lassen. Hinsichtlich Speicherung und Archivierung ist das klassische Rechenzentrum allein durch Zentralisierung, gesicherte Stromversorgung und Zugangskontrollen die sicherere Alternative, wenn von der Konsistenz und Verfügbarkeit der Daten ein oder gar mehrere Unternehmen abhängig sind.

In einer Umfrage im Auftrag der Gartner Group haben US-Unternehmen einen Anteil von 56 Prozent ihrer Daten als unternehmenskritisch angegeben. Davon wiederum sind 82 Prozent in Rechenzentren gespeichert.

75 Prozent dieser Informationen residieren auf Mainframes - und daran wird sich in absehbarer Zeit nur sukzessive etwas ändern. 1996 wurden lediglich etwa neun Prozent der Daten vom Mainframe auf andere Plattformen migriert.

Dieser gering erscheinende Anteil ist, wenn man den Markt ganzheitlich betrachtet, ein Indikator dafür, daß nur noch die bisher wenig verbreiteten fehlertoleranten Nicht-Mainframe-Systeme prozentual hohe Zuwachsraten im Massenspeichermarkt erreichen können. Diese Speichersubsysteme werden allerdings aus Sicherheitsgründen ebenfalls räumlich in Rechenzentren und nicht auf Abteilungsebene zu erwarten sein.

Die befragten Unternehmen wollen auch weiterhin den Ausbau der Speichersysteme der etablierten Mainframes betreiben - Stichwort: Investitionsschutz. Bei insgesamt sinkenden IT-Budgets ist das eine logische Folge. In neue Hardware investieren professionelle Anwender daher etwas verhalten.

Neue Verschiebungen im Anbieterlager

Nach einer Umfrage der Gartner Group bewegte sich die Wachstumsrate im Gigabyte-Bereich 1996 bei Mainframes um 22 Prozent. 1997 werden rund 25 Prozent erwartet. Im Gegensatz dazu rangierte dieser Wert 1995 nur bei 20 Prozent. Wichtig ist dabei die Erkenntnis, daß immer weniger in den Ersatz älterer Plattentechnologie investiert wird.

Welche Bedeutung den Massenspeichern sowohl im Mainframe- als auch im Client-Server-Geschäft zukommt, läßt sich auch daran ablesen, daß IBM als Nummer zwei unter den Plattenanbietern im Host-Geschäft in diesem Jahr die Distribution von Plattensubsystemen des Konkurrenten Storage Technology (Rang drei) übernommen hat. Dieses Agreement versetzt IBM in die Lage, den eigenen Marktanteil von 21 Prozent mit dem von Storagetek (18 Prozent) zusammenzuführen. Durch die gemeinsamen Aktivitäten im Plattengeschäft ist für IBM mit einer deutlichen Kostenreduktion mit der Möglichkeit zu Preissenkungen zu rechnen. Sie wird ihren Teil dazu beitragen, in einem kostenempfindlichen Markt weitere Anteile zu gewinnen.

Die Gartner Group prognostizierte noch Mitte 1996 - vor Abschluß der Vereinbarung mit Storagetek - einen geringen Verlust von IBM-Marktanteilen gegenüber Storagetek. Das nunmehr gemeinsame Auftreten wird 1997 aber mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem Gewinn von Marktanteilen in Höhe von drei bis fünf Prozent führen.

Die Umsetzung in die Praxis wird über den Erfolg der Vereinbarung zwischen den beiden Herstellern entscheiden. Dazu gehören ein fließender Übergang und die marktgerechte Positionierung der Produkte, die schon Storagetek in den vergangenen Jahren bisweilen größere Schwierigkeiten bereitet hat.

Im Mainframe-Markt erwarten Experten, daß die Steigerungsrate bei den Speicherinvestitionen gegenüber dem Vorjahr leicht zurückgehen wird, nämlich von 13 auf elf Prozent. Aufgrund insgesamt sinkender Preise pro Megabyte sind die prognostizierten Zuwächse bei der Speicherkapazität trotz limitierter Budgets dennoch realistisch. Ausgehend von den USA wird ein Preis von 1,18 Dollar pro Megabyte bei zentraler Speicherung erwartet. Bei verteilten Speichersystemen rechnet man mit rund 1,46 Dollar pro Megabyte.

Im Markt der "kleineren" Systeme sind dagegen ganz andere Investitionszuwächse zu erwarten. Der Grund liegt auf der Hand: Client-Server-Systeme der zweiten Generation mit ihrer stärkeren Lastverteilung auf die Server-Seite bringen einen steigenden Massenspeicherbedarf mit sich.

Man rechnet für die Plattenkapazität der immer leistungsfähigeren Server-Systeme mit einem Anstieg des Investitionsvolumens von 40 Prozent für das abgelaufene Jahr 1996. Im Vergleich dazu ergab 1995 nur einen Zuwachs von 28 Prozent in diesem Marktsegment.

Ein weiterer Grund für das rasante Wachstum wurde anfangs erwähnt: Viele neue Applikationen wie Data-Warehouse, Decision Support, Internet-Dienste und der wachsende Multimedia-Markt basieren nicht auf Mainframe-Umgebungen. Vielmehr werden die dort vorhandenen operativen Daten auf andere spezialisierte Systeme heruntergeladen und weiterverarbeitet, um die Performance der Großsysteme nicht zu verschlechtern.

Davon profitieren besonders Hersteller wie EMC, DEC, IBM und Data General. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Preise deutlich unter den Plattensystemen für Mainframes rangieren. Die Analysten der Gartner Group sehen die Aussichten für EMC insgesamt positiv, weil es hier sehr interessante Verbindungen zu Hewlett-Packard und NCR gibt. In einer Befragung wurden Anwender nach ihrer Zufriedenheit mit Plattensubsystemen befragt. Das Ergebnis zeigt eine positive Bewertung von EMC-Systemen und -Service auf.

Ein weiteres wesentliches Speicher- oder Archivierungsmedium sind Tape-Juke-Boxen mit Robotersystemen, die unbeaufsichtigt riesige Datenvolumina verwalten. In größeren Unternehmen mit eigenen Rechenzentren haben diese mit mehr als 60 Prozent einen sehr hohen Grad an Akzeptanz erreicht. Durchschnittlich sind dort zwischen fünf und zehn Bandroboter im Einsatz.

Die Marktaussichten für weitere Bibliotheken sind auch in den kommenden Jahren unverändert gut. Dies trifft natürlich für die offenen Systeme ebenfalls zu, deren Daten gleichfalls langfristig archiviert werden müssen.

Annähernd 20 Prozent der bereits vorhandenen 18-Spur-Systeme wurden 1996 auf 36 Spuren erweitert. Dieses Aufrüstungsvolumen bedeutet eine Verdreifachung gegenüber 1995. Bei den Neuinvestitionen stellt sich der Markt ähnlich dar, auch hier ein Anstieg von mehr als 200 Prozent.

Die Zahlen bestätigen die enorm wachsenden Datenbestände in den Unternehmen, die nicht nur abgelegt, sondern in ständigem Zugriff gehalten werden müssen, um beispielsweise - Stichwort Data-Warehousing - Auswertungen oder Planungen aus ihnen ableiten zu können.

Marktführer unter den Anbietern von Bandrobotern ist Storage Technology mit seiner "Timber- line". Bedingt dadurch konnte das Unternehmen auch zum führenden Anbieter von Bandlaufwerken avancieren.

Das Wachstum der Datenmengen wird auch in den kommenden Jahren anhalten und damit weitere neue Technologien hervorbringen beziehungsweise die Marktanteile zwischen den bereits vorhandenen Medien weiter verschieben. Für eine langfristige Archivierung werden die optischen Speichermedien auch künftig mit Sicherheit an Boden gewinnen und hier den bekannten Bandarchiven den Rang ablaufen.

Dieser Trend hat jedoch erst begonnen und kann daher besonders im traditionellen Mainframe-Bereich den klassischen Medien noch nicht das Wasser reichen. Ihre geringere Anfälligkeit für Betriebsstörungen und Datenverluste sowie ihre platzsparende Archivierung wird aber mit hoher Wahrscheinlichkeit den Siegeszug einleiten, zumal auch die Mediumkosten in den vergangenen zwei Jahren enorm gesunken sind.

Angeklickt

Wenn es um die Speicherung der so wichtigen Daten geht, haben Anwender sich nicht von sonstigen auf Dezentralisierung hinauslaufenden Trends in die Irre führen lassen. Die sicherste Lösung ist immer noch eine zentrale, schon allein aus Gründen der besseren Überwachungsmöglichkeiten. Mag die Rechnerarbeit in verteilten Server-Umgebungen erfolgen, die Datenhaltung bleibt meist zentral wie in Mainframe-Zeiten. Diesen Trend fördert noch der extensive Speicherbedarf moderner Anwendungen. Sie erfordern eine hohe Nutzung der Kapazitäten - nicht zuletzt angesichts knapper Budgets. Der Preisverfall macht Neuinvestitionen möglich. Hersteller begegnen dem Marktdruck durch neue Bündnisse mit einstigen Konkurrenten.

*Carl Mühlner ist Geschäftsführer der Marktforschungsunternehmen Gartner Group und Dataquest in München und Frankfurt.