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26.07.1996 - 

Datenfestungen bieten keine absolute Sicherheit

Speichersubsysteme sind vor Ausfällen nicht gefeit

Zwei Vorfälle im US-Bundesstaat Massachusetts ließen IS- Manager in den vergangenen Wochen aufschrekken. In der zentralen Zulassungsstelle für Kraftfahrzeuge fiel ein 180-GB- Speichersubsystem des Typs "Iceberg" von Storage Technology aus und legte den Betrieb für mehrere Stunden lahm. Besucher der Behörde mußten Schlange stehen, die Polizei konnte Fahrzeugzulassungen nicht mehr überprüfen lassen. Der Hersteller konnte den Fehler vor Ort nicht lokalisieren und flog zwei Tage später ein Ersatzgerät ein.

Nur fünf Wochen später ereilte die Behörden des Staates Massachusetts erneut das Schicksal. In einem Rechenzentrum in Chelsea, an das auch die Zulassungsstelle angeschlossen ist, versagte ein "Symmetrix-5500"-Disk-Array von EMC seine Dienste - mit fatalen Folgen. Durch die Überhitzung einer Platine entstand soviel Rauch, daß die Gassensoren das Feuerschutzsystem aktivierten und der Strom für das gesamte Gebäude für sieben Stunden abgeschaltet wurde. Der Betrieb in der Zulassungsstelle mußte erneut unterbrochen werden. Erst am nächsten Tag konnte die Behörde die Tore wieder für den Parteiverkehr öffnen. EMC- Techniker tauschten die defekten Teile innerhalb weniger Stunden aus, so der Hersteller. Das Zurücksetzen des Feuerschutzsystems habe dann aber zusätzliche Verzögerungen hervorgerufen.

In beiden Fällen hatte die Zulassungsbehörde eigenen Angaben zufolge keinen Datenverlust zu beklagen - nach Ansicht von Experten ein glücklicher Zufall.

In einer offiziellen Stellungnahme der Storage-Technology-Zentrale in Louisville, Colorado, heißt es, die Probleme mit dem Iceberg- System seien ausschließlich auf eine defekte Steuereinheit zurückzuführen und hätten nichts mit den Platten-Arrays selbst zu tun. Ein Datenverlust hätte deshalb in keinem Fall eintreten können. Über die genaue Ursache konnte der Hersteller bis heute keine Angaben machen.

In der Stellungnahme verteidigt sich Storage Technology auch mit dem Hinweis, daß sämtliche Anbieter von Speichersubsystemen in den USA bereits ähnliche Probleme mit ihren Produkten gehabt hätten. Diese seien nur nicht publik geworden. Bei einem nicht näher bezeichneten EMC-Kunden sei ein gespiegeltes Speichersystem ausgefallen. In zwei anderen Fällen sei es nach dem Stillstand eines Raid-Systems auch zu einem Datenverlust gekommen. Auch die "Ramac"-Speichersubsysteme von IBM hätten bei drei Kunden ihre Dienste versagt.

Ähnliches sei dem Anbieter Hitachi Data Systems (HDS) mit seinen Geräten widerfahren. Dabei soll auch ein Kunde in Westeuropa betroffen gewesen sein. Den Angaben zufolge habe auch Amdahl mit seinen "Spectris"-Systemen Ausfälle verzeichnen müssen.

Der Geschäftsführer der EMC Computer Systems Deutschland, Werner Brockhagen, bestreitet die Vorwürfe des Konkurrenten. Es stimme nicht, daß die Zulassungsbehörde in Massachusetts oder ein anderer EMC-Kunde nach dem Ausfall eines Symmetrix-Systems Daten verloren habe. Nach den Worten von Hartmut Reichert, Marketing-Leiter bei der deutschen Storage Technology GmbH, ist es auch in den weltweit etwa 1700 installierten Iceberg-Systemen nach Störungen nie zu einem Datenverlust gekommen.

Deutsche DV-Leiter fühlen sich gut gerüstet

Deutsche DV-Verantwortliche fühlen sich nach eigenem Bekunden gut gerüstet, was die Sicherheit ihrer Speichersysteme betrifft. Zumindest auf den Datenbestand vom Vorabend können sie in der Regel zurückgreifen, falls ein Katastrophenfall im Speicherbereich eintritt. Dabei ist die Hardware-Ausstattung der Host-Anwender durchaus unterschiedlich, durchzusetzen scheinen sich aber Systeme mit Raid 5.

Dietrich Brömmert von der Soehnlein & Henkell KG in Wiesbaden beispielsweise setzt ausschließlich IBM-Gerätschaft ein. Am Host hängen zusätzlich Token-Ring-Netze mit PCs und eigenen Speichersystemen. Die vom Mainframe verarbeiteten Daten werden auf großen IBM-Platten abgelegt. Wichtige Daten werden gespiegelt. Abends wandert der Bestand auf Bänder, die brandsicher in Robotersystemen verwahrt sind.

Das Kontrollsystem des Rechners überwacht im Online-Betrieb die Festplatten und meldet Störungen schon im Vorfeld, so daß der Service rechtzeitig eingreifen und die angeschlagene Platte tauschen kann. "Diese Verfahren sind über Jahrzehnte gewachsen und deshalb ein bißchen ausgefeilter als bei den Client-Server- Systemen", beurteilt Brömmert seine Anlage.

Nur einmal kam der DV-Mann ins Schwitzen. Damals fiel die Systemplatte mit den Betriebssystem-Daten "Knall auf Fall" aus und legte die Anlage lahm. Zwar gab es dafür eine Backup-Festplatte und somit keinen Datenverlust, ein automatisches Überwechseln sieht das System aber nicht vor. IBM-Techniker mußten eingreifen und die Anlage über die Reserveeinheit neu starten.

Der gefürchtete Stillstand von DV-Anlagen kostet viel Geld, wie Untersuchungen belegen. So schätzt die amerikanische Stratus Computer Inc., daß ein typischer ungeplanter Ausfall von Direct- Access-Storage-Device-(DASD-) Speichern rund vier Stunden dauert und mit 78000 Dollar je Stunde zu Buche schlägt. Die Gartner Group errechnete gar einen Stundensatz von 96000 Dollar, und bei weltweit agierenden Unternehmen wie Banken oder Airlines mit internationalen Flugreservierungssystemen könne der Schaden in die Millionen gehen - pro Stunde Ausfallzeit wohlgemerkt.

Anfällig für Störungen sind dabei nicht nur die Speichersysteme. Im Client-Server- und Mainframe-Bereich gibt es eine Vielzahl von kritischen Stellen - die sogenannten Single points of failure. "Das kann sogar eine fehlerhafte Anwendung sein, die Daten verfälscht oder zerstört", berichtet Herbert Deininger, als Leiter DV-Betrieb bei der Datev zuständig für die Speichersysteme.

Seit Anfang 1995 hat der Nürnberger DV-Dienstleister der Steuerberater Ramac-Raid-5-Systeme im Einsatz und mittlerweile mehr als 50 Prozent der 2,7 TB des Gesamtdatenbestandes auf die neue Technik gebracht. Das alte Dual-Copy-Verfahren im 3390-Umfeld wird zunehmend durch die neue Technik ersetzt.

Derzeit läuft bei der Datev ein umfangreiches Projekt, um System- und Datenverfügbarkeit auch im Katastrophenfall noch weiter zu verbessern.