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17.04.1992 - 

OS2-WELT

Spekulationen ohne rechtes Wissen über Hardwarebasen

*Susanne Müller-Zantop ist Herausgeberin des PC-Newsletters "TidBits", ihr gehört die Beratungsfirma MZ Projekte in München.

OS/2 wird gerade fünf Jahre alt. Die Bewertung dieses Betriebssystems schwankte von Beginn an zwischen Extremen. Im Frühjahr 1989 prognostizierte Microsoft noch, daß "spätestens in drei Jahren weltweit ebenso viele Rechner mit OS/2 ausgerüstet sein werden wie mit MS-DOS". Ein Jahr später schon hieß es in der Fachpresse, daß "der Traum von OS/2 als DOS-Killer ausgeträumt" sei.

OS/2 hat heute einen Marktanteil bei PCs, der demjenigen der Macintosh-Rechner entspricht. Der Anteil ist größer als der von Unix auf den entsprechenden Intel-Plattformen. DOS hält unverändert seine Position bei zirka 80 Prozent des Marktes.

Sämtliche Marktprognosen ändern sich ständig in ganz erheblichem. Ausmaß, deshalb sind auch die hier aufgeführten Prognosen nur von begrenztem Wert. Die Wahrheit ist ganz einfach: Niemand weiß, was zwischen 1992 und 1995 im Sektor Betriebssysteme tatsächlich passieren wird. Wenn dies aber das Dilemma vom OS/2 ist, dann teilen alle anderen das gleiche Schicksal: Windows NT ("New Technology") von Microsoft genauso wie die Unix-Derivate Solaris 2.0 von Sun, SCO Open Desktop, Nextstep 3.0 und IBMs AIX 3.0.

Eines ist klar: Die Betriebssystem-Welt stellt sich heute im Gegensatz zur Situation im Jahr 1995 vergleichsweise einfach und überschaubar dar. In zirka drei bis vier Jahren sind einige der gegenseitigen Lizenzvereinbarungen zwischen IBM und Microsoft ausgelaufen. Es wird zwei neue wichtige Prozessorgenerationen geben (DECs Alpha und IBM/Apples Power-PC) welche die Anforderungen an

die Betriebssysteme für den Rest der Dekade bestimmen dürfen. Ein guter Teil der Betriebssystem-Diskussion heute wird in Vorwegnahme dieser Ereignisse geführt - jedoch ohne genug über die neuen Hardwarebasen zu wissen.

So wurde kürzlich die Diskussion um OS/2 wieder angefacht, als Spekulationen aufkamen, ob das Betriebssystem-Projekt "Taligent" von IBM und Apple der Nachfolger von OS/2 werden würde. Man stellt also die Frage, ob OS/2 nicht etwa eine Totgeburt sei - kaum auf dem Markt, schon wieder verschwunden .

Unzählige Artikel zu "Pro und Kontra"

Niemand, selbst die IBM nicht, wird bestreiten, daß innerhalb der kurzen OS/2-Geschichte einige schwerwiegenden Pannen passiert sind. Wie viele Chancen hat ein Hersteller im Markt? Wenn es danach ginge, könnte all das OS/2 nicht stoppen. Überlegen Sie, wie viele Pannen Unix innerhalb der letzten 25 Jahre passiert sind und wie viele Chancen Unix bekommen hat - unzählige.

Über die Produkt- oder Marketing-Qualität von OS/2 kann man lange streiten. In den Jahren seit 1987 wurden unzählige Zeitungsartikel "Pro und kontra" geschrieben - mehr als bei jedem anderen Programm. Unabhängig davon muß jedoch auch der kritische Betrachter dem OS/2-Betriebssystem einiges zugute halten:

- Durch OS/2 wurde jedem klar, daß das LAN-Betriebssystem, die Datenbank und die Kommunikationsfunktionen heute nicht mehr getrennt vom Betriebssystem betrachtet werden dürfen. Was die IBM mit der OS/2-Extended-Edition vorgeführt hat, haben Firmen wie Novell mit Digital Research oder Microsoft mit seinen strategischen Kooperationen übernommen. Die gegenwärtige Windows-Strategie von Microsoft kann als die konsequente Weiterführung dieses Gedankens betrachtet werden. So hat heute jeder Intel-PC-Besitzer ein durch diesen Gedanken verbessertes Betriebssystem.

- Erst mit OS/2 wurde entschieden, daß der grafischen Benutzeroberfläche die Zukunft gehört. Frei nach dem Motto

"Wenn sogar die IBM auf grafische Oberflächen setzt" - wurden die Jahre zwischen 1987 und 1991 dazu genutzt, die wichtigsten PC-Anwendungen auf Grafik umzustellen. Beachtenswert ist daran auch, daß die Oberflächen, für die die meisten Anwendungen entwickelt wurden, fast identisch aussehen (nämlich DOS/Windows, Motif und OS/2 Presentation Manager).

Diese enorme Vereinheitlichung ist das wesentliche Verdienst dieser Zeitspanne und geht zu einem großen Teil auf die IBM-Definitionen für den gemeinsamen Benutzerzugriff innerhalb ihrer SAA-Architektur zurück.

- Erst durch die Beschäftigung mit OS/2 wurde jedem Interessierten klar, daß er Anspruch hat auf ein modernes Betriebssystem. Das heißt: volle Ausnutzung der aktuellen Prozessorarchitektur, echtes beziehungsweise "pre-emptive" Multitasking, moderne Sicherheitsfunktionen, ein neuartiges Dateisystem, das die Datentypen und -volumina der nächsten Jahre adäquat unterstützt sowie hochqualitative Entwicklungswerkzeuge Diese Diskussion wäre nie entstanden, hätte es nicht die Kontroverse zwischen OS/2 Presentation Manager und DOS/Windows gegeben. Darin wurden die Sinne der Benutzer für die Unterschiede geschärft und der Stellenwert des Betriebssystems einem jeden ins Bewußtsein gerückt. Dies wird zwar von vielen bemängelt - doch es hat niemandem geschadet zu wissen, wie ein Betriebssystem funktioniert. Eines Tages wird man über unsere Diskussion so lächeln, wie wir heute über die Automobildiskussionen in den 30er Jahren lächeln. Der Punkt ist, daß wir die Zeit dazwischen nicht einfach überspringen können.

Deshalb ist es sinnvoll, sich mit OS/2 zu beschäftigen. Wachsende Absatzzahlen in Deutschland, Österreich und der Schweiz sprechen für sich. Von einem Dilemma zu sprechen wäre fehl am Platz.