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06.08.2010

Spekulationen über Angriff auf Netzneutralität durch Google und Verizon

FRANKFURT (Dow Jones)--Eine angeblich bevorstehende Vereinbarung zwischen dem US-Internetkonzern Google und dem Telekommunikationsunternehmen Verizon hat Spekulationen über die Abschaffung der Netzneutralität im Internet ausgelöst. Die Netzneutralität stellt sicher, dass Zugangsanbieter Datenpakete unverändert und gleichberechtigt übertragen - unabhängig davon, woher diese stammen. Zeitungsberichte, die am Donnerstag in den USA erschienen sind, legen allerdings den Verdacht nahe, dass es damit bald vorbei sein könnte.

FRANKFURT (Dow Jones)--Eine angeblich bevorstehende Vereinbarung zwischen dem US-Internetkonzern Google und dem Telekommunikationsunternehmen Verizon hat Spekulationen über die Abschaffung der Netzneutralität im Internet ausgelöst. Die Netzneutralität stellt sicher, dass Zugangsanbieter Datenpakete unverändert und gleichberechtigt übertragen - unabhängig davon, woher diese stammen. Zeitungsberichte, die am Donnerstag in den USA erschienen sind, legen allerdings den Verdacht nahe, dass es damit bald vorbei sein könnte.

Die "New York Times" etwa berichtete aus Kreisen von einer Vereinbarung zwischen dem Google und Verizon, wonach Anbieter von Webseiten sich bei Internetdienstleistern das Recht erkaufen können sollen, dass ihre Inhalte bevorzugt, also schneller, an die User übertragen werden. Letztlich würde eine solche Übereinkunft wohl zu einem Klassensystem im Internet führen. Auf der einen Seite stünden dann User, die bereit sind, für die schnelle Übertragung von bestimmten Inhalten mehr zu bezahlen. Auf der anderen Seite stünde der Rest, der noch dazu mit geringeren Übertragungsgeschwindigkeiten klar kommen müsste.

Allerdings dementierten die beiden Unternehmen den Bericht prompt. Der Artikel sei "falsch und missverstehe grundsätzlich die Absicht des Konzerns", schrieb Verizon in einer ersten Reaktion. "Unser Ziel ist ein Regelwerk, das Offenheit und Verantwortlichkeit unter Einbeziehung der Federal Communications Commission (FCC), der Zulassungsbehörde für Kommunikationsgeräte in den USA, genauso gewährt wie Investitionen und Innovationen", heißt es in der Mitteilung weiter. Dies als Geschäftsvereinbarung zwischen den beiden Konzernen auszulegen, sei "inkorrekt".

Auch Google wies den Bericht zurück. "Wir stehen weiter für ein offenes Internet ein", sagte Unternehmenssprecherin Mistique Cano. "Die New York Times liegt einfach falsch. Wir haben mit Verizon keine Gespräche darüber geführt, für die Datenübertragung von Google- oder YouTube-Inhalten zu bezahlen."

Die Zeitung indes steht voll hinter ihrem Artikel. Google verteidige sich in ihrer Stellungnahme gegen etwas, von dem in dem Bericht gar nicht die Rede sei, sagte eine Sprecherin der "New York Times". Der Artikel basiere auf Informationen von Personen, die von den Gesprächen wissen, fügte sie hinzu. Unterdessen schreibt auch das "Wall Street Journal", beide Unternehmen könnten schon bald eine Vereinbarung verkünden.

Diskussionen über die Netzneutralität sind nicht neu. Breitbandanbieter plädieren seit Längerem dafür, ihre Netze so verwalten zu können, dass alle Kunden das "bestmögliche Erlebnis" haben. Dazu könne eine langsamere Übertragung beispielsweise von E-mails gehören, um die schnelle Verbindung etwa von Telefongesprächen zu gewährleisten.

Die Befürworter der Netzneutralität kämpfen indes für ihr Dogma. Zu ihnen hat lange Zeit auch Google gehört, die mit ihrer Videoplattform YouTube jedoch für riesige Datentransfers im Internet sorgt und an einer schnellen Übertragung der Inhalte interessiert ist.

Verfechter der Netzneutralität finden sich dageben in der FCC. Die Behörde befindet sich seit sechs Wochen mit einer Lobbygruppe in Gesprächen über einen möglichen Kompromiss bei der Netzneutralität. Die FCC hat die Gespräche nun jedoch abgebrochen. Für Behördenchef Julius Genachowski ist jede Vereinbarung, die nicht "die Freiheit und Offenheit des Internets für Privatpersonen und Unternehmen sicherstellt" inakzeptabel, wie er am Donnerstagvormittag vor Reportern sagte. Der Ansicht ist auch die Organisation Free Press, die für freie Medien in den USA eintritt. Deren Präsident, Josh Silver, geißelt das kolportierte Vorhaben von Google und Verizon. "Es ist das Ende des Internets, wie wir es kennen."

Webseiten: www.google.com www.verizon.com www.nytimes.com www.wsj.com www.freepress.net -Von Jörn Ebberg, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 29725 104, unternehmen.de@dowjones.com (Scott Morrison und John Letzing haben zu diesem Artikel beigetragen.) DJG/ebb/jhe

Copyright (c) 2010 Dow Jones & Company, Inc.