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15.01.1999 - 

Spekulationen über bevorstehenden Kauf

Spekulationen über bevorstehenden Kauf Lucent wirbt um IP-Spezialisten Ascend

MÜNCHEN (CW) - Lucent Technologies ist auf Brautschau. Nachdem der TK-Konzern kurzfristig die Softwarefirma Kenan Systems schluckte, zeichnet sich jetzt der ganz große Wurf ab. Gerüchten zufolge steht die Übernahme des Datenspezialisten Ascend Communications durch Lucent unmittelbar bevor.

Die Spatzen pfeifen es schon länger von den Dächern. Lucent Technologies hat großes Interesse an Ascend Communications, der nach Cisco Systems, 3Com und Bay Networks viertgrößten Networking- Company weltweit. Branchenkennern zufolge ist in Kürze mit der Bekanntgabe des Deals zu rechnen. Dafür spricht auch, daß beide Unternehmen jede Stellungnahme zu den Spekulationen kategorisch ablehnen.

Kommt es zu der Übernahme, würde Lucent in die Fußstapfen von Nortel treten. Der kanadische TK-Konzern hatte vergangenes Jahr durch die neun Milliarden Dollar teure Akquisition des IP- Spezialisten Bay Networks Schlagzeilen gemacht. Der Deal paßt zu einem Markttrend, den Experten seit längerem beobachten: die Verschmelzung von Sprache und Daten auf Basis von IP-Netzen (IP = Internet Protocol). Damit werden künftig getrennte Netze für die Sprach- und Datenkommunikation sowie Nebenstellenanlagen überflüssig. Für die Produzenten von TK-Equipment heißt das, ihr traditionelles Geschäft bricht weg. Wollen sie am Markt bestehen, müssen sie ihre leitungsvermittelnde Technologie rasch mit dem paketorientierten IP-Verfahren kombinieren.

Neben Nortel, das Bay Networks kaufte, reagierte auch die Siemens AG. Der Münchner Konzern kündigte Ende 1998 die Gründung eines Joint-ventures zusammen mit 3Com an, das die Entwicklung und den Vertrieb entsprechender IP-basierter Vermittlungstechnik vorsieht.

Lucent Technologies, das 1996 durch die Abspaltung von AT&T als börsennotiertes Unternehmen entstand und sich zur Nummer eins der TK-Hersteller mauserte, steht also unter Zugzwang. Beobachter erwarten bereits seit Oktober letzten Jahres eine spektakuläre Kaufmeldung des Branchenriesen aus Murray Hill, New Jersey. Zu diesem Zeitpunkt lief nämlich ein von den Kartellbehörden nach der Trennung von AT&T verhängtes Übernahmeverbot aus.

Klappt das Geschäft, müßte Lucent, dessen Marktwert gegenwärtig auf rund 155 Milliarden Dollar veranschlagt wird, rund 16 Milliarden Dollar für Ascend berappen. Diese Summe ist der Datenspezialist aus dem kalifornischen Alameda derzeit laut Börsennotierung wert. Damit würde ein Unternehmen entstehen, das vom Umsatzvolumen her vor Nortel, aber auch weit vor Cisco Systems, dem Primus der Networking-Branche, rangiert.

Mit der Übernahme könnte Lucent damit dem Erzrivalen Cisco ein Schnippchen schlagen. Zwischen beiden Konzernen hatte es Gespräche über eine strategische Kooperation gegeben, die jedoch scheiterten. Durch die Fusion mit Ascend käme Lucent in Besitz einer neuartigen Switching-Technologie, die gewaltige Datenmengen über Telefonnetze transportieren kann. Analysten zufolge ist Cisco vor Mitte des Jahres nicht in der Lage, Geräte mit entsprechender Leistungsstärke zu liefern.

Vor dem erwarteten Merger zwischen Lucent und Ascend scheinen sich beide Unternehmen für die Ehe jedenfalls noch fit zu machen. Lucent gab die Übernahme von Kenan Systems für 1,5 Milliarden Dollar bekannt und sichert sich damit Know-how im Bereich Billing- und Customer-Care-Software. Ascend wiederum, das im August 1998 Stratus wegen dessen Erfahrung mit Signaling-System-7-Switches kaufte, wird sich von drei nicht TK-orientierten Unternehmenseinheiten trennen. Eine Investorengruppe übernimmt für rund 100 Millionen Dollar die Stratus Enterprise Computer Division. Die weiteren Töchter S2 und TCAM sollen Ende Januar abgestoßen werden.