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03.09.1993

Spekulationen um Novell-Produkte im Herbst Diskussion um ATM beherrscht Geschehen auf der Interop 9

SAN FRANZISKO (pg) - Enterprise Networking ist in. Diesen Trend bewies der Run der IS-Manager auf die Interop 93 im kalifornischen San Franzisko. Im Mittelpunkt der Messe, die an sensationellen Neuheiten eher arm war, standen vor allem die Themen Internetworking mit Schwerpunkt Hubs sowie das Uebertragungsverfahren Asynchronous Transfer Mode (ATM). Ueberraschend zurueckhaltend gab sich hingegen Novell auf der Show des kuenftigen Messepartners Interop Inc. Die Netzwerk- und Unix- Company machte in erster Linie durch Spekulationen von sich reden.

Weniger engagiert als von vielen Beobachtern erwartet, praesentierte sich die Novell Inc. auf der Interop 93. Dies ueberraschte vor allem deshalb, weil das Unternehmen aus Provo im US-Bundesstaat Utah ab 1994 mit der Interop Inc. in puncto Messe gemeinsame Sache macht. Novell hat naemlich die Rechte an dem Namen "Networld" ab 1994 an die Interop Inc. vergeben und wird dieses Jahr in Dallas letztmals mit dem bisherigen Veranstalter Blenheim in den Messering steigen.

Die Spekulationen auf der Interop, die rund 60 000 Besucher zaehlte, drehten sich im Falle Novell jedoch hauptsaechlich um Produkte, mit deren Ankuendigung moeglicherweise auf der Networld in Dallas im Herbst 1993 zu rechnen ist. So erwarten Insider zum Beispiel fuer den Herbst ein Upgrade von Netware 3.11, das mehr Sicherheit, eine bessere Menuefuehrung fuer DOS-Anwender sowie einen schnelleren Packet Burst enthalten soll. Das neue Produkt "Netware 3.12" waere nach fast zweijaehriger Pause die erste Weiterentwicklung von Netware 3.x.

Ebenfalls zum Herbst, so verlautete aus Novell-Kreisen, beabsichtigt die Novell-Tochter Univel, ein Release von Unixware auf den Markt zu bringen, das das Betriebssystem enger mit Netware 4.x verbindet und ausserdem TCP/IP-Support sowie Symmetric Multiprocessing realisiert. Im einzelnen ist eine Version der Unixware Personal Edition und des Unixware Application Server geplant, die auf Management-, Directory- sowie Sicherheitsservices von Netware 4.0 zugreifen koennen. Gegenwaertig ist Unixware nur zu Netware 3.11 kompatibel.

Hinter vorgehaltener Hand kuendigte Novell ferner fuer den Oktober das Produkt "Netware IP" an, das Netware-Servern ermoeglicht, als IP-Knoten zu fungieren. Die Software soll die bislang noetigen IPX- I-Translations hinfaellig machen und Anwendern sowohl die Nutzung des IP- als auch des IPX-Stacks erlauben.

Weitere Spekulationen rankten sich auf der Interop um den "Netware Requester for Windows", der momentan in der Betaversion laeuft. Das Novell-Produkt wird von Usern sehnlichst erwartet, da ohne die Software Windows-NT-Clients nicht auf Files in Netware- Servern zugreifen koennen. Von Seiten Novells wurden jedoch keine Angaben ueber einen Zeitpunkt der Auslieferung gemacht. Dadurch erhielt die Diskussion um eine absichtliche Verzoegerung neue Nahrung: Novell wird vorgeworfen, auf Kosten der Anwender gegen das Produkt Windows NT des Konkurrenten Microsoft zu operieren.

Definitiv gab Novell in San Franzisko dagegen zwei Kooperationen bekannt. Mit Cisco Systems vereinbarte das Unternehmen, kuenftig die Interoperabilitaet zwischen Novells Software-basiertem Multiprotocol Router und den Routern von Cisco zu gewaehrleisten. Das Abkommen sieht die Zertifizierung der von Cisco implementierten Protokolle IPX und IPXWAN durch Novell sowie im Gegenzug den Support des Netware Link Services Protocol (NLSP) von Novell durch Cisco vor.

Noch weitreichender erscheint die zweite auf der Interop verlautbarte Kooperation von Novell mit Synoptics. Sie sieht nicht nur die Integration von Netware-Applikationen sowie Management- und Routing-Software von Novell in die System-3000-Hubs von Synoptics durch Hardwaremodule vor, sondern sieht darueber hinaus auch noch die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen im Bereich von ATM vor.

Das Uebertragungsverfahren ATM, das den Transfer von Daten, Sprache, Video und Bildern bei sehr hohen Geschwindigkeiten realisiert und seit rund einem Jahr als Standard der Zukunft gehandelt wird, dominierte jedenfalls diese Interop. Einen Vorgeschmack darauf, wie umkaempft dieser Markt sein wird, gab die Messe, auf der sich zwei rivalisierende ATM-Gruppen bildeten. Auf der einen Seite Marktfuehrer Fore Systems mit 3Com, Cabletron, GTE, Newbridge Networks und anderen im Gefolge, die in einem gemeinsamen Messenetz ATM praesentierten; auf der anderen Seite Synoptics, Network Equipment Technologies, Hewlett-Packard und IBM, die zwar kein ATM-Netz installiert hatten, aber eigene Loesungen vorfuehrten.

Trotz der ATM-Euphorie wurde auf der Interop aber deutlich, dass viele Produkte nicht kompatibel sind, wozu unter anderem die noch nicht abgeschlossene Standardisierung beitraegt. Mit einem Durchbruch von ATM auf dem Markt ist nach Ansicht der meisten Messebeobachter deshalb vorerst auch nicht zu rechnen. Auffaellig war in San Franzisko das Engagement Big Blues bezueglich dieses Normungsverfahrens. Amerikanische Analysten glauben ohnedies, dass kleine Anbieter wie Fore Systems ueber kurz oder lang von den grossen Herstellern geschluckt werden, weil das Geschaeft mit ATM zu attraktiv sein wird. Tendenzen in diese Richtung wurden durch erste Konzentrationsprozesse deutlich: so besiegelten zum Beispiel 3Com und Fore Systems sowie Xyplex und Newbridge Networks Entwicklungskooperationen.

Neben dem ATM-Engagement machte IBM auf der Interop ferner durch ein Agreement mit dem frueheren Erzrivalen DEC von sich reden, das die Schaffung einer Version von IBMs auf AIX basierender Management-Plattform Netview/6000 fuer die Alpha-Systeme von DEC vorsieht, die das Betriebssystem OSF/1 betreiben.

DEC seinerseits reihte sich auf der Ausstellung in die lange Liste von Produzenten ein, die neue Internetworking-Komponenten, insbesondere Hubs, vorstellten. Das Unternehmen aus Maynard praesentierte auf der Interop die neue Serie "Dechub 900", deren Loesungen Networking-Services sowie lokale und remote Connectivity im Rahmen von Ethernet, Token Ring, FDDI und ATM versprechen.

3Com wartete in San Franzisko mit Neuerungen fuer seinen Linkbuilder MSH auf. Kuenftig wird dieser Hub mit dem Netbuilder- II-Multiprotocol-Bridge-Router sowie neuen Ethernet- und Token- Ring-Modulen fuer Bridging und Routing ausgestattet. Ausserdem kuendigte 3Com eine FDDI-Karte fuer den 3GH Switching Hub und den Linkbuilder FDDI Workgroup Hub an.

Interessant duerfte schliesslich auch noch das Announcement der Standard Microsystems Corporation (SMC) sein, ein High-speed- Serial-I/O-Modul zur Verbindung von Hubs ueber schnelle WANs auf den Markt zu bringen. Das Single-Port-Modul "Hiom" soll die Verbindung von LANs ueber oeffentliche Netze bei hoher Uebertragungsrate realisieren. Ausserdem wird SMC in Verbindung mit dem Produkt kuenftig in seinen Hubs IPX unterstuetzen.