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17.01.1986 - 

Nach Beilegung der internen Konflikte in der Führungsspitze:

Sperry hält am kommerziellen DV-Geschäft fest

BLUE BELL/SULZBACH - Mit der Berufung des DV-Bosses Joseph Kroger zum Präsidenten der Sperry Corp. scheint der interne Machtkampf um den künftigen Kurs des Unternehmens fürs erste beendet: Das Aufrücken Krogers unterstreicht nämlich nachdrücklich, daß der Mainframe-Veteran nicht gewillt ist, sich sang- und klanglos aus dem kommerziellen DV-Business zu verabschieden.

Die personelle und damit auch die firmenpolitische Konsolidierung war allerdings dringend erforderlich, um nach den geplatzten Fusionsgesprächen mit ITT und Burroughs das angekratzte Image der Nummer sieben auf dem DV-Weltmarkt wiederaufzupolieren und der allgemeinen Verunsicherung der Sperry-Kunden entschieden entgegenzutreten. Die Strategie, wie sie sich sowohl in den Staaten als auch hierzulande darstellt, umfaßt mehrere Komponenten: Zum einen die Erweiterung der 1100-Rechnerfamilie nach oben und unten, zum anderen die Orientierung an existierenden und sich abzeichnenden Industriestandards sowie drittens der Zukauf von Know-how über OEM-Deals.

Was Vereinbarungen auf OEM-Basis anbelangt, so sind hier offensichtlich die Japaner die bevorzugten Partner der Manager in Blue Bell. Erst vor kurzem wurde bekannt, daß Sperry im Peripheriebereich insbesondere bei 3380-Double-Density-Platten, künftig auf Produkte von Hitachi zurückgreifen wird. Das gleiche Unternehmen wird von dem US-Mainframer auch als potentieller Lieferant von Basistechnologien für das neue Großrechnermodell umworben, was allerdings offiziell dementiert wird. Vielmehr heißt es, beide Seiten prüften die Möglichkeit einer technologischen Zusammenarbeit, unter anderem auch auf dem Halbleitersektor...

Für 1988 neues 1100-Topmodell geplant

Sollte es tatsächlich zu einer Vereinbarung mit Hitachi kommen, so steht das der Zielsetzung entgegen, wonach Sperry in seinem Kerngeschäft, dem 1100-Bereich, ausschließlich eigene Entwicklungen vorantreiben will. Andererseits hat man sich selber, um die etablierte Kundenbasis mit mehr Performance bei der Stange zu halten, unter Termin- und Zeitdruck gesetzt: Das neue Topmodell, mit vier Prozessoren und einer maximalen Leistung von 140 Mips konzipiert, soll 1987 angekündigt und ein Jahr später ausgeliefert werden. Hierfür ist jedoch - insbesondere nach der Trilogy-Pleite bei der Wafer-Scale-Integration - eine neue Basistechnologie erforderlich. Zwar betonen die Manager der deutschen Sperry-Tochter in Sulzbach man betreibe Parallelentwicklungen im eigenen Halbleiterwerk in Eden, Minnesota, doch halten sich in den USA hartnäckig Gerüchte, daß man in Blue Bell zu lange auf die Trilogy-Entwicklungen gesetzt und die eigenen FuE-Anstrengungen vernachlässigt habe.

Tatsächlich aus eigener Entwicklung ist dagegen das neue Modell der OS-Reihe im unteren Bereich mit dem Codenamen "Swift", das im August dieses Jahres zur Auslieferung kommen soll. Von der Leistung her entspricht diese Maschine mit rund 18 Mips dem 1100/71-Rechner, die Kosten liegen zwischen 700 000 und 800 000 Mark.

Alle weiteren Produkte, die der Mainframer derzeit anbietet, kommen von anderen Lieferanten: der mit "dem Industriestandard kompatible" Sperry PC ist von Mitsubishi, die Unix-V-Rechner der 5000- und 7000-Serie stammen von NCR, Computer Consoles und Arete Systems. Da der Mikro- und der Minibereich für Sperry notwendig ist, um erfolgreich neue Kunden akquirieren zu können, betätigt man sich hier als "systems integrator" und sorgt für eine durchgängige Systemoberfläche. Ganz auf der Linie der vielpropagierten "Orientierung an Industriestandards" liegt auch die Unterstützung von SNA und OSI im Netzwerkbereich. Dies, so ist aus Sulzbach zu hören, bedeute allerdings nicht, daß man über kurz oder lang zum reinen PCM werde und auch noch MVS anbieten wolle. Mit Hitachi als neuem Partner muß diese Maxime vermutlich jedoch nicht für alle Zeiten gelten.

Da es schließlich im Büro- und Telekommunikationssektor ebenfalls

Terrain gutzumachen gilt, erfolgt auch hier die Ausrichtung an internationalen oder Industriestandards. Die Sperry-Manager räumen ein, daß

sich beispielsweise ihr Bürosystem "Sperrylink" zwar in 1100-Umgebungen plazieren ließ, jedoch in puncto Einbindung in die Welt der IBM-Hosts erhebliche Mängel aufwies, was wiederum dem Neukundengeschäft nicht gerade förderlich war. Sperry hat daraus die Konsequenz gezogen und bietet zur diesjährigen Hannover-Messe mit "SperryOffice" ein völlig neues Bürosystem an, das zwar dieselbe Benutzeroberfläche wie das Vorgängermodell hat, ansonsten jedoch auf Unix-Maschinen basiert.

Mindestens eine Telecomkooperation in Europa

In Sachen Telecom und digitale Nebenstellenanlagen, wo Sperry wie andere US-Hersteller auch bisher die Kooperation mit einem sachkundigen Partner versäumt hat, bemüht man sich nun besonders stark, um eben dies nachzuholen. Auf die Frage, mit wem man denn Gespräche führe, hält sich die deutsche Sperry-Tochter noch bedeckt. Immerhin scheint festzustellen, daß es nicht nur eine Vereinbarung weltweit geben wird, sondern nach der Kooperation mit Toshiba in Japan eine weitere m den USA "und mindestens eine vielleicht auch zwei in Europa". Auszuschließen sei auch nicht, daß das Unternehmen, das nach dem Verkauf der New-Holland-Landmaschinen an Ford über genügend Bares verfügt, sich seinerseits finanziell engagiere.