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30.05.1986 - 

US-Trustbehörde gibt grünes Licht; Blumenthal ist zu allem entschlossen:

Sperry zu Burroughs - notfalls mit Gewalt

30.05.1986

MÜNCHEN (ujf) - Nur kurz währte die Phase der Gesprächsbereitschaft bei Sperry: Als Burroughs-Chef Michael Blumenthal vorübergehend seine Offerte an die Aktionäre auf 75 Dollar erhöhte, stiegen Sperrys Topmanager, President Joseph Kroger und Chairman Gerald Probst, empört aus den Fusionsverhandlungen aus. Doch da es kaum eine juristische Handhabe gegen das Übernahmeansinnen gibt, scheint die Zwangsehe für Sperry nun unabwendbar geworden zu sein.

Noch am 14. Mai - zehn Tage nach dem ersten öffentlichen Vorstoß von Burroughs-Chairman Blumenthal - hatten die Sperry-Bosse versucht, dem unerwünschten Partner die Suppe mit einem Gegenangebot zu versalzen. Der Übernahmekandidat wandte sich an seine eigenen Aktionäre und bot ihnen pro Anteilsschein 80 Dollar, vorausgesetzt, daß Sperrys Hausbank, die First Boston Corp., die Finanzierung der Aktion tatsächlich mit einem Zwei-Milliarden-Kredit deckt und Burroughs seine Offerte nicht zurückzieht.

Auf diese Weise wollte Sperry den Angreifer an den Verhandlungstisch zwingen - was zunächst auch gelang: Wenn Burroughs 80 Dollar biete, werde der Widerstand aufgegeben, stellten Kroger und sein Chairman in Aussicht. Doch dies hätte den Kaufpreis für die avisierten Aktien immerhin um 330 Millionen Dollar nach oben getrieben. Dieser Betrag war Blumenthal zu hoch. Aber er wollte den Versuch, Sperry unter seine Kontrolle zu bringen, nicht zum zweiten Mal platzen lassen.

Erst in zwei Jahren kann Burroughs alles kontrollieren

Für 70 Dollar waren die Aktionäre nicht zum Verkauf bereit, lag doch der Kurs dank eifriger Spekulationstätigkeit an der New Yorker Börse inzwischen bei über 73 Dollar. Aber wenn er 75 böte, meinte der Burroughs-Manager, würden die Anleger es sich schon überlegen. Blumenthals offensichtliche Bereitschaft zum "hostile takeover", also zur Übernahme gegen den Willen der Geschäftsleitung, ließ Sperry-Chairman Probst die Verhandlungen für gescheitert erklären. Immerhin war Sperrys 80-Dollar-Angebot mit etlichen Bedingungen verknüpft und daher nicht so aussichtsreich. Mittlerweile ist übrigens die Frist abgelaufen, binnen derer 75 Dollar gezahlt werden sollten.

Das gewichtigste Handicap: Das Burroughs-Angebot bezieht sich auf mindestens 33 Millionen Aktien Sperrys Rückkauf-Offerte aber nur auf 29,5 Millionen, nämlich den Rest, den Burroughs erst nach und nach im Aktientausch übernehmen will. Somit würde Burroughs trotz allem Mehrheitsaktionär der New Yorker; allerdings, so der englische Branchendienst Computergram, könne die Company erst in zwei Jahren den Vorstand des Akquisitionsopfers unter ihre Kontrolle bringen.

Während Sperry zumindest versucht, die "nicht im Interesse unserer Kunden und Aktionäre liegende" Aktion zu verhindern, ist bei den Anwendern Unruhe aufgekommen. Schon die letztjährigen Übernahmegerüchte haben sich nicht gerade positiv auf die Identifikation der Anwender mit "ihrem" DV-Lieferanten ausgewirkt. Ein großer Anwender im norddeutschen Raum, der sich als langjährigen Sperry-Kunden bezeichnet, gab im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE zu verstehen, er habe schon seit einiger Zeit ein Konzept in der Schublade, "wer dann möglicherweise eine entstehende Lücke ausfüllen könnte", wenn er auch momentan noch abwarten wolle. Keinen Zweifel ließ dieser DV-Chef jedenfalls daran, daß seine Firma gegebenenfalls auf Siemens oder IBM zurückgreifen würde.

Die Bausparkasse BHW ist bereits ins blaue Lager übergelaufen. Die Entscheidung, bei künftigen Investitionen Sperry nicht mehr zu berücksichtigen, steht indes nicht mit der derzeitigen Situation in Zusammenhang; sie fiel schon während früherer Sperry-Übernahmeverhandlungen. Ein großer Mineralölkonzern hat ebenfalls seine Abkehr von Sperry schon vollzogen.

In den USA sind die Ansichten durchaus geteilt: Synergie-Effekte werden zwar durchweg ausgeschlossen, doch daß nur eine Fusion zweier Großer dem Markt noch Impulse geben könne, gilt ebenfalls als richtig. Schon werden aber Warnungen laut, die Verunsicherung der Anwender könne das Gegenteil des erwünschten Effekts haben: Durch die Elefantenhochzeit entstehe ein bis über beide Ohren verschuldeter Moloch, unfähig zur Entwicklung und Finanzierung von Innovationen.

Daher sei nicht auszuschließen, daß die Anwender IBM geradezu in die Arme getrieben würden. Zudem paßten die Unternehmenskulturen nicht zusammen. Um wirklich einen homogenen "Sperroughs"-Konzern zu schaffen, müsse Blumenthal also einen Großteil des Sperry-Managements auswechseln. Eher als der IBM könne die dann zweitgrößte Computerfirma der Welt jedoch DEC schaden, meinen Skeptiker.

Die deutsche Burroughs-Niederlassung habe inzwischen begonnen, Beruhigungsbriefe an Sperry-Anwender zu schreiben, namentlich im Hochschulbereich, berichtet der Marketingdirektor der Sulzbacher Sperry GmbH, Detlev Prewe. Er könne sich nicht vorstellen, wie Burroughs' hiesige Mannschaft mit Sperrys Kundenbasis fertig werden wolle, mache sein Unternehmen in Deutschland doch etwa 14mal soviel Umsatz wie die Burroughs-Filiale in Eschborn. Deren jährliche Einnahmen veranschlagen Insider auf unter 50 Millionen Mark. Die Vermutung, daß Blumenthal dem Hause Sperry eine deutliche Personalkürzung verordnen werde, so er denn mit seinem Angebot Erfolg haben sollte, wollte Prewe nicht bestätigen. Ihm sei kein Fall bekannt, in dem sich ein Mitarbeiter seiner Firma Sorgen um seinen Arbeitsplatz mache.

Geschäftsführer Walter Haemmerle und Pressesprecher Günter Nollert waren zu diesem Thema nicht zu sprechen. Sie seien dienstlich verreist, hieß es im Unternehmen. Hans J. Schüttlöffel, als Burroughs Deutschland-Geschäftsführer Chef einer der kleinsten Auslandstöchter, konnte sich auch nicht der Frage stellen, welche Lösung ihm in puncto Fusion der deutschen Ableger vorschwebt. Er steckte nach offiziellem Statement bis Redaktionsschluß in "wichtigen Kundengesprächen".