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16.02.1979

Spezialisten: Nur noch Statisten?

Bei IBMs neuen 4300-Rechnern, Nachfolger für die 370-Systeme der kleinen und mittleren Größenklasse, bestimmt die Konfiguration die Software und die Software die Konfiguration: Der Anwender hat praktisch keine Eingriffsmöglichkeiten mehr. Dies kann durchaus ein Vorteil sein: "Entscheidend ist doch nur, was herauskommt und wie diese neuen Rechner so einzusetzen sind, daß optimale Ergebnisse erzielt werden können", meint Frank Langer, Leiter des Rechenzentrums der Robert Bosch GmbH. Manfred Schirra, verantwortlich für die EDV-Produktion beim HADAD Rechenzentrum in Hannover, sieht indes die Gefahr, "einmal als Roboter monotone Arbeit verrichten zu müssen".

Jürgen Freutel

Leiter des Rechenzentrums Hamburg-Münchener Ersatzkasse, Hamburg

Ja! Schon heute sind solche Produkte auf dem Markt, die man einsetzt und damit sogar die gewünschten Ergebnisse erzielt, wenn man sich an die vorgegebenen Formalismen hält.

Ob man diese Produkte "versteht" und auf Grund dieses Verständnisses Modifikation vornehmen kann, hängt auch mit der Komplexität des jeweiligen Produkts zusammen. Dem Benutzer kommt es vielmehr darauf an, betriebssichere und schnelle Geräte bzw. Programme benutzen zu können (die wirtschaftliche Seite sei hier nur am Rande erwähnt); die "intern" verwendeten Techniken sind für ihn im Prinzip uninteressant. Detailkenntnisse sind aber Voraussetzung für das "Verstehen" der Produkte von heute und denen der Zukunft.

Ein "Verstehen" beim Anwender ist schon heute und sicherlich erst recht in der Zukunft das Wissen um die Formalismen des Produkts (bei der Hardware das Wissen um die technischen Voraussetzungen zum Betrieb des Gerätes), damit die gewünschten Ergebnisse erreicht werden können. Eingriffe in Geräte oder gar in bestehende Schaltkreise der Hardware sind ausgeschlossen; bei der Software werden immer häufiger keine Quellenprogramme mehr zur Verfügung gestellt (Teile des früheren Betriebssystems sind in die Mkroprogramme der Systeme intregriert und damit jedem externen Zugriff entzogen worden), so daß auch hier Änderungen des Anwenders nur sehr schwer - wenn nicht sogar unmöglich - sind.

Verstehen werden wir die zukünftigen Produkte nicht, beurteilen können wir ausschließlich die Leistung.

Frank Langer

Leiter des Rechenzentrums, Robert Bosch GmbH, Stuttgart

Ich bin der Ansicht, daß es bereits heute nicht mehr erforderlich ist, die Zusammensetzung der Hardware bis ins letzte Detail zu kennen. Viel wichtiger ist, die Systeme so einzusetzen, daß sie zum geforderten Resultat führen. Was in einem Rechner vor sich geht, interessiert mich nur dann, wenn Zeitverhalten oder Leistung davon abhängen. Ich selbst würde es zum Beispiel ablehnen -, selbst wenn die Möglichkeit bestünde - zum Beispiel einen Mikrocode selbst zu ändern. Diese Angelegenheit wäre mir zu heikel, da die Auswirkungen nicht hinreichend bekannt sind.

Angenommen, der IMS-Call wäre im Mikrocode untergebracht und nicht als Makroauflöser, wo man nachsehen kann. Auch dann müssen Unterlagen zur Verfügung stehen, aus denen hervorgeht, welche Eingabeparameter ich liefern muß und was letzten Endes von der Mikrocode-aufgelösten Instruktion zurückkommt. In wieviel Schritten dies nun realisiert ist, muß dem Anwender nicht bekannt sein.

Der heute erforderliche Aufwand für das Know-how-Update entsteht nicht mehr durch die Hardware, sondern im Bereich der Systemsoftware. Muß ein Generierungsmakro

geändert werden, so überlasse ich diese Aufgabe dem Systemprogrammierer. Wenn sich aber Änderungen im IMS ergeben, muß ich darüber informiert sein und wissen, was dadurch auf mich zukommt.

Anders sehe ich die Situation beim Einsatz autonomer Subsysteme wie zum Beispiel dem Laserdrucker. Hier laufen Teile der Funktionen in der Hardware des Systems ab. Hier muß man tiefer "hineinsteigen", denn um die Funktionen und Einsatzmöglichkeiten zu kennen, ist es erforderlich zu wissen, was "intern" in diesem System vor sich geht.

Auch in Zukunft sollte ein EDV-Chef weiter bestrebt sein, in etwa einen Überblick zu behalten. Er sollte zumindest wissen, welche generellen Neuerungen eingeführt wurden.

Systemvergleiche zum Beispiel lassen sich auch heute nicht mehr mit den vom Hersteller bekanntgegebenen Leistungsdaten durchführen. Vernünftig erscheint mir ein Bentchmark-Test, der aber zu aufwendig ist, wenn man eine neu angekündigte Maschine richtig einstufen will. Hier sehe ich immer noch den Erfahrungsaustausch mit Kollegen als wichtigstes Auswahlkriterium an - und das wird in Zukunft sicher auch so bleiben.

Manfred Schirra

Produktions- und AV-Leiter, HADAD-Rechenzentrum Hannover

AIs AV- und Produktionsleiter bei Firma HADAD - Kooperationszentrum Hannover habe ich mich mit diesem Thema noch nie eingehend beschäftigt. Der Trend geht aber dahin - das beste Beispiel dafür ist für mich das IBM-System /38.

"Der hohe Komfort des Systems erleichtert Ihnen die Nutzung der Computerleistung für Ihre Ausgaben", so ein IBM-Slogan. Das System /38 soll für die Programmierung entscheidende Verbesserungen bringen: Zunächst einmal muß vieles Oberhaupt nicht mehr programmiert werden, denn es ist bereits Teil der Systemsoftware oder integraler Bestandteil der Maschine.

Zudem können sich Benutzer mit vielen Fragen und Wünschen direkt an das System wenden, ohne einen Programmierer einschalten zu müssen, weil die Bedienerführung und

Umgangssprache des Systems so hoch entwickelt sind, daß die Benutzung deutlich einfacher wird.

Ich glaube, wer das System /38 kennt oder sich mit den entsprechenden Unterlagen beschäftigt hat, wird mit mir einer Meinung sein, daß dies nur der Anfang einer neuen Computergeneration ist, die für mich noch einige Fragen offenläßt:

Ist der Anwender, der zwar dieses System einsetzt, noch in der Lage, die Hard- und Software-Einrichtungen zu verstehen?

Wird der Programmierer der Zukunft so aussehen, daß er die ihm zur Verfügung stehende Zeit nicht nur für die Aufgaben der Anwendungsprogrammierung nutzt, sondern vielmehr dazu, um die Verfahrensweise eines solchen Systems zu verstehen.

Oder ist es nicht mehr notwendig, daß die Anwender Logik und Konzept verstehen? Ein schwacher Trost, wenn der DV-Mann zukünftig nur noch die Funktion eines Roboters innehat. Ich kann nur hoffen und wünschen, daß die oben aufgeführten Fragen wirklich nur Spekulation bleiben. Ich glaube, daß sich kein DV-Mitarbeiter als Roboter oder Marionette abstempeln läßt.

Gefahr zu laufen, eines Tages monotone Arbeit verrichten zu müssen, weil ich das System nicht mehr verstehen kann, wäre für mich das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Ich glaube, mit dieser Meinung nicht allein dazustehen, sondern hoffe, daß viele meiner Kollegen mit mir in dieser Richtung solidarisch sind.