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03.04.1981 - 

Im CDC-Rechenzentrum errechnet:

Spezialität: Netzpläne mit 6000 Knoten

Die Fritz Werner Industrie-Ausrüstungen GmbH in Geisenheim wickelt große Projekte mit Hilfe der computergestützten Netzplantechnik ab. Die bisher gesammelten Erfahrungen zeigen, daß bei vom Rechner erstellten Netzplänen mit geringeren Sicherheitsrisiken kalkuliert werden kann. Die Konsequenzen und Abhängigkeiten von Störfaktoren während der gesamten Dauer eines Vorhabens lassen sich exakter erkennen und versetzen das Unternehmen in die Lage, besser darauf zu reagieren. Das Unternehmen Werner läßt ihre Netzpläne im Control-Data-Rechenzentrum in Frankfurt mit Hilfe des von Dornier entwickelten PPS-Softwarepaketes aufstellen.

Die erste Version des Projekt-Planungs- und Steuerungs-Systems wurde 1968 freigegeben, eine zweite im Zeitteil verbesserte 1972, beide für die Stapelverarbeitung. PPS kann unter anderem im Großanlagenbau für die Planung, Steuerung und Überwachung der Termine, Kosten und Kapazitäten eingesetzt werden und basiert auf folgender Konzeption:

Ein Projekt wird in Teilarbeiten zerlegt, und die komplexen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Tätigkeiten werden definiert. Sind die Vorgänge und die zwischen ihnen bestehenden teilweise komplizierten Abhängigkeiten erfaßt, gegebenenfalls in grafischer Form skizziert, ergibt sich in der Regel ein netzartiges Gebilde mit sogenannten Vorgangsknoten. Aus der Dauer der einzelnen Vorgänge und der Art der zwischen ihnen definierten Abhängigkeiten lassen sich unter anderem die zeitliche Lage der einzelnen Vorgänge, daraus resultierende Pufferzeiten und die Gesamtdauer des Projektes bestimmen.

Die drei Parameter Zeit, Kosten und Kapazität werden im PPS-System entsprechend den tatsächlichen Anforderungen an die Projektplanung und Überwachung behandelt. Die in ihrer Systematik dem Verwendungszweck anpaßbaren Planungsinstrumente sind der Projektstrukturplan, der Netzplan (Vorgangsknotennetz) und der Meilensteinplan (Ereignisknotennetz). Bei einem üblichen Planungsablauf gehen die drei Pläne zeitlich nacheinandergestellt logisch auseinander hervor.

Das zentrale Element

Die Planung beginnt mit der Entwicklung des Projektstrukturplanes. In ihm wird das betreffende Projekt zunächst definiert und sukzessiv in kleinere Teilaufgaben bis hinunter zum Arbeitspaket zerlegt. Der Projektstrukturplan ist hierarchisch aufgebaut und bildet den Rahmen, innerhalb dessen sich Planung, Überwachung und Steuerung eines Projektes vollziehen. Darüber hinaus ermöglicht er die eindeutige Zuordnung von Verantwortungsbereichen sowie die zeitliche und kostenmäßige Übersicht über größere Projektabschnitte. Der äußere Aufbau kann je nach Art und Umfang des Projektes beziehungsweise der Organisationsstruktur des Unternehmens erzeugnis- oder funktionsorientiert sein.

Der Netzplan baut auf dem Projektstrukturplan auf. In ihm sind sämtliche Vorgänge des Projektes und ihre Abhängigkeiten untereinander erfaßt. Der Netzplan ist das zentrale Element des Systems und beschreibt den zeitlichen Ablauf des Projektes beziehungsweise der Teilaufgaben und Arbeitspakete. Er bildet die Grundlage für die Berechnung der Projektdauer, der frühestmöglichen und spätestzulässigen Zeitpunkte für Beginn und Ende der Teilprozesse sowie der Pufferzeiten. Der Netzplan enthält in übersehbarer Form die Beschreibung der Teilprozesse, deren Dauer und Anordnungsbeziehungen, zeigt die Übergänge von einem Verantwortungsbereich zum anderen, erlaubt insbesondere im Hinblick auf die Projektdauer kritische Arbeiten zu identifizieren und bildet die Grundlage für Kosten- und Kapazitätsplanung. Die Elemente des Netzplanes sind:

- Vorgänge, also definierte, zeitverbrauchende Teilprozesse eines Projektes, die im Netzplan durch Rechtecke dargestellt werden. Sie sind die Träger sämtlicher für die Planung und Überwachung wichtiger Daten. Bei der Erstellung aller PPS-Berichte wird auf diese Daten zurückgegriffen.

- Verbindungen, die Anordnungsbeziehungen, also unmittelbare logische Zusammenhänge zwischen Vorgangspaaren repräsentieren. Im Netzplan wird die Verbindung mit einem Pfeil dargestellt, der zwischen den beiden Vorgängen läuft und auf den abhängigen Vorgang gerichtet ist.

Der Anfang und das Ende eines Vorgangs sind im PPS-System Ereignisse. Im Gegensatz zu den Vorgängen verbrauchen sie keine Zeit. Besonders wichtige Ereignisse in einem Netzplan werden als Meilensteine deklariert. Alle Meilensteine eines Netzplanes werden entsprechend der vom Netzplan aufgezeigten Abhängigkeiten zu einem Meilensteinplan zusammengefaßt. Er dient in seinen bis zu fünf Verdichtungsebenen der komprimierten Berichterstattung an die übergeordneten Instanzen der Projektplanung und Kontrolle.

Innerhalb seines weltweiten Rechnerverbundes mit über 100 Rechenzentren bietet Control Data für seine Großcomputer Cyber 170 eine Reihe von Anwendungssoftwarepaketen. Der in den letzten Jahren stark gestiegene Bedarf nach computerunterstützter Netzplantechnik veranlaßte CDC, sich auch für dieses Gebiet nach einem geeigneten Softwareprodukt umzusehen. PPS wurde von seiner grundsätzlichen Struktur her als geeignet angesehen. Control Data reichert jedoch das System um eine Reihe Features für die Dialogverarbeitung und den Time-Sharingbetrieb an, um den Anwendern zusätzliche auf den heutigen Möglichkeiten der DV basierende Funktionen bieten zu können.

Diese Zusatzprogramme lassen sich in Vorlaufprogramme, Funktionserweiterungen und Nachlaufprogramme unterteilen. Bisher sind rund 20 spezielle CDC-Features (PRE + POST Prozessoren) verfügbar. Sie betreffen unter anderem die grafische Ausgabe von Netzplänen und Balkenplänen auf dem Drucker oder Plotter. Procedurefiles, die auch für komplexe Abläufe die Steuerung der Jobkontrolle durch nur eine einzige parameterergänzte Karte gestatten, ersparen es dem Anwender, tiefer in das Rechner-Steuerungssystem einzusteigen. Ein weiteres CDC-Zusatzprogramm erlaubt die formatfreie, spaltenungebundene Eingabe von Daten und vereinfacht dadurch die Handhabung des PPS-Systems.

Ein CDC-Prozessor für den Time-Sharingbetrieb erfragt im Dialog vom Anwender bestimmte Daten, baut darauf seine Jobkontrolle auf, erwartet die PPS-Eingabedaten auf einer formatfreien Datei und initialisiert automatisch die Batch-Verarbeitung des Systems. Durch Prechecks ist sichergestellt, daß nach Korrektur der von einem Prüfprogramm ermittelten Fehler der erste PPS-Lauf eines Netzplanes formalfehlerfrei ist. Ein Loop-Check überprüft dort, wo PPS selbst Schleifen nicht analysieren und/oder lokalisieren kann, eine Netzstruktur auf unzulässige strukturelle Rückverweisungen. Das geschieht dank eines sehr effektiven Algorithmus mit bis zum Faktor 10 weniger Rechenzeit.

Eine weitere CDC-Option erlaubt die Berücksichtigung eines eingegebenen Stichtages, indem dieser in die Berechnung eingeht. Das erleichtert während der Projektführungsphase die Aktualisierung von NetzpIänen für besonders große Projekte. Im übrigen können auf einer Cyber l70 bis zu 18 000 Aktivitäten effektiv und schnell im Kernspeicher gerechnet werden. Ein CDC-Nachlaufprogramm ermöglicht die Ermittlung des Projektfortschritts durch Soll-Kurven nach frühestem und spätestem Anfangstermin, den Vergleich Soll-/Ist mit eingefrorenen oder an eine veränderte Terminsituation anpaßbaren Sollkurven. Ein weiteres Feature transformiert die relativen Daten einer Netzberechnung in einen beliebig vorgegebenen Kalender. Fest installiert ist der islamische Kalender.

Ein Reportgenerator ermöglicht die individuelle kostengünstige Berichterstattung durch Zugriff auf einen PPS-Datenspeicher und Vorgabe von Aufbau und Inhalt eines Listenbildes. Es werden so kundenspezifische Auswertungen machbar, während das originäre PPS hier relativ starr ist.

Die Eingabe zum Standart-PPS besteht aus Datenkarten mit der Vorgangsbeschreibung (Nummer und Text), der Vorgangsdauer, der Verknüpfungsart zweier Vorgänge (Ende-Start, Ende-Ende, Start-Start, Start-Ende), den Daten für Abstandsbeziehungen zwischen zwei Vorgängen (positive und negative Überlappung), organisatorischen Angaben sowie Daten für Kosten- und Einsatzmittel. Als Auswertungen können (auch in englischer Sprache) einschließlich der CDC-Features angefordert werden: Kontrollisten, Terminlisten, Balkendiagramme, Meilensteinberichte, Teilaufgabenberichte/Balkendiagramme, Kostensummenkurven, periodischer Mengenverbrauch, Netto-/Bruttokostenlisten, Lage des Kostenanfalls, Einsatzmittelbedarfslisten und -diagramme, Plotten des erstellten Netzplanes.

Die Fritz Werner Industrieausrüstungen GmbH ist spezialisiert auf die Planung und Errichtung von vollständischen Industrieanlagen im In- und Ausland. Sie hat in den letzten fünf Jahren komplette Fertigungsanlagen im West von über 2,5 Milliarden Mark betriebsfähig übergeben, darunter waren Projekte, die Netzpläne mit über 6000 Knoten erforderten.

Aufgrund immer komplexerer Projekte sah sich das Unternehmen vor einigen Jahren nach einer EDV-Lösung für die Netzpläne um. Es wurden verschiedene Softwaresysteme (auch für Inhouse-Lösungen) untersucht. Schließlich entschied man sich für eine Zusammenarbeit mit Control Data. Udo Ruff, Leiter der EDV-Koordination über die Gründe: "Im CDC-Rechenzentrum können wir über einen Großrechner verfügen, so daß trotz des temporär großen EDV-Bedarfs keine Kapazitäts-Restriktionen bestehen. PPS ist eine komfortable Software , besonders für Projektierungen im Anlagenbau. Durch die CDC-Features läßt sich eine große Anzahl von Vorgängen detailliert aufgegliedert darstellen." Aus dem großen Angebot an Auswertungen mit PPS schätzt man in Auswertungen mit PPS schätzt man in Geisenheim, das in der Nähe von Rüdesheim am Rhein liegt, besonders die geplotteten Netz- und Balkenpläne.

Das Unternehmen Werner erstellt bei einem neuen Projekt zuerst ein manuelles Grundkonzept und erfaßt dann die Knotendaten auf Lochkarten. Beabsichtigt ist, sie mit Hilfe einer Nixdorf 620/15 auf Magnetplatten zu erfassen. Tests mit Logikprüfung erfolgen auf einer ebenfalls unternehmenseigenen 7.722 von Siemens, beziehungsweise bei größeren Netzplänen im CDC-Rechenzentrum. Gerechnet und geplottet werden die Netzpläne auf der Cyber 170 in Frankfurt.