Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

19.11.1998 - 

Initiative der Baden-Württembergischen Wertpapierbörse

Spezifisches Handelssegment soll Startups zur Börsenreife trimmen

STUTTGART (CW) - Mit der Plazierung erster Unternehmen startete vergangene Woche die Baden-Württembergische Wertpapierbörse in Stuttgart ihren "Marktplatz für Wagniskapital". Damit wird erstmals in der deutschen Börsenlandschaft Startup-Firmen eine Plattform geboten, um mit Anlegern im Rahmen einer Art Testbörse in Kontakt zu treten.

Die Baden-Württembergische Wertpapierbörse zeigt sich innovativ. "Auch junge Wachstumsfirmen können jetzt auf dem Ak- tienmarkt Chancen- beziehungsweise Risikokapital akquirieren", erklärte Rüdiger Braun, Geschäftsführer der Tochterfirma SBS Wagniskapital GmbH, vor der Presse. Von der Möglichkeit zur Kapitalgewinnung sollen vor allem regional operierende Unternehmen profitieren, die ansonsten keine Chance hätten, passende Investoren zu finden.

Darüber hinaus steht jedoch das neue Handelssegment auch Startups außerhalb Baden-Württembergs offen. Adressiert werden mit der Initiative institutionelle wie private Anleger. Diese können Aktien, die im Stuttgarter Telefonhandel verkauft werden, bei diversen Banken per Zeichnungsschein ordern. Um keinen Flop zu landen, werden - wie in der Risikokapitalbranche üblich - Geschäftsidee, Management und Wachstumsprognosen der kapitalsuchenden Newcomer von der SBS genau durchleuchtet. Über 90 Prozent der Kandidaten fallen laut Braun von vornherein durch den Rost der strengen Auswahlkriterien.

Es soll kein zweiter Neuer Markt etabliert werden

Trotzdem ist das neue Angebot, eine Art Vorstufe zur regulären Börse, mit gewisser Vorsicht zu genießen. "Wir sprechen gezielt risikobewußte Anleger an", betonte Braun. Gleichzeitig solle der Marktplatz vor allem Firmen dienen, die sich neben dem erwähnten Lokalkolorit noch durch andere Faktoren von den etwa am Neuen Markt gelisteten High-Tech-Unternehmen unterscheiden: einer deutlich geringeren (Umsatz-)Größe. Startups, die diesen Namen auch verdienen also. Auch in anderer Hinsicht will man im Schwabenland dem Frankfurter Beispiel nicht folgen. SBS-Geschäftsführer Braun wünscht sich, daß keine "Zocker", die den Neuen Markt im ersten Halbjahr 1998 in Verruf zu bringen drohten, "den Weg nach Stuttgart finden".

Um die Aktivitäten der Newcomer, die quasi zur Börsenreife getrimmt werden sollen, möglichst transparent zu machen, erscheinen im Internet regelmäßige Quartalsberichte. Zu den drei Debütanten auf dem neuen Stuttgarter Börsenparkett gehört unter anderem die in Teningen bei Freiburg ansässige Bau-CD GmbH. An der Softwareschmiede, die eine Datenbanklösung für die Bauwirtschaft herstellt, können potentielle Investoren als stille Teilhaber ab 20000 Mark einsteigen. Die beiden anderen "Börsenneulinge" sind nicht in der IT-Branche tätig. Insgesamt ist der SBS-Chef mit der ersten Resonanz seiner Initiative bei potentiellen Investoren mehr als zufrieden. Man habe bereits zwei bis drei weitere Kandidaten im Visier, die spätestens im Frühjahr für den Marktplatz für Wagniskapital in Frage kämen. Mit ihrem Projekt wollen die Stuttgarter umsetzen, was Politiker fordern und Banker überfordert. "Die Börse geht das Risiko ein, das auch was schiefgehen kann", ist sich Braun bewußt.