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29.11.2007

Spielregeln konsequent umsetzen

Die Bahn investiert stark in die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter, erwartet von ihnen aber eine hohe Veränderungsbereitschaft, wie IT-Manager Detlef Exner im Gespräch mit CW-Redakteur Hans Königes erläutert.

CW: Sie verlagern Aufgaben nach Indien und stellen gleichzeitig neue Mitarbeiter ein. Wie passt das zusammen?

DB Systel ...

entstand in diesem Jahr aus dem Zusammenschluss der Bahn-Töchter DB Systems und DB Telematik mit Sitz in Frankfurt am Main. Neben Kunden im Verbund der Deutschen Bahn arbeitet das Unternehmen mit Mobilfunk- und Festnetz-Carriern, DSL-Providern und Kabelnetzbetreibern zusammen und sieht sich als einen führenden Anbieter von IT- und TK-Services. Die Bahn-Tochter beschäftigt 5100 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 837 Millionen Euro. Das Unternehmen verwaltet ein Datennetz mit über 100 000 IP-Anschlüssen (DSL bis Glasfaser) und 55 000 Office-Arbeitsplätzen. Zur TK-Infrastruktur gehören 2500 Installationen und 120 000 Teilnehmer im TK-Netz.

Detlef Exner ...

ist Geschäftsführer der DB Systel. Der 45-jährige Diplommathematiker und Versicherungskaufmann begann seine berufliche Laufbahn 1990 bei der ROKD GmbH in Bielefeld. Er arbeitete in verschiedenen Positionen in der Softwareentwicklung, der Datenbankadministration und dem IT-Betrieb. Später leitete er die T-Systems-Niederlassung Mitte (Bielefeld, Darmstadt) und dann in Personalunion auch die Niederlassung Süd (Bamberg). Von 2002 bis 2007 verantwortete Exner als Geschäftsführer den Bereich Operations der DB Systems. Bei der DB Systel ist er nun zuständig für die IT-Systeme.

EXNER: Dies passt sehr gut zusammen, weil es sich um unterschiedliche, aber ergänzende Anforderungen handelt. Unsere Mitarbeiter, auch die, die wir neu einstellen, sind in vielen Fällen Spezialisten für technische und fachliche Architekturen. Mit diesen Mitarbeitern entwickeln wir einerseits unsere Kernkompetenzen weiter und definieren andererseits die Anforderungen und Aufgabenstellungen an unsere Offshore-Lieferanten. Offshore ist für uns die Möglichkeit, auf bestimmten Technologiefeldern schnell und kostengünstig produzieren zu lassen. Ziel hierbei ist eine kurzfristige und flexible Anpassung der Kapazitäten. Dadurch kommt es bei einem Auftragsrückgang nicht zu einer Gefährdung von Arbeitsplätzen, und bei Erhöhungen des Auftragsvolumens arbeiten wir mit Subunternehmern in eingespielten Prozessen zusammen.

CW: Sind bestimmte Arbeiten in Deutschland nicht mehr rentabel? Und wenn ja, welche und warum?

EXNER: Ähnlich wie in anderen Industriezweigen hat es in der Softwareentwicklung in den letzten Jahren einen Trend zu standardisierten Verfahren und industrieller Fertigung, so genannten Software-Factorys, gegeben. Auf Basis standardisierter IT-Konzepte können Codierungsarbeiten in hoher Qualität und preisgünstig hergestellt werden. Der Preisvorteil wird natürlich umso größer, je geringer die Personalkosten der Dienstleister sind, daher kommen dafür die typischen Offshore-Unternehmen insbesondere in Asien und Osteuropa in Frage. Wir haben uns für Partner aus Indien und Manila entschieden. Unsere Erfahrungen in der Zusammenarbeit sind bislang durchweg positiv.

CW: Welche Aussichten haben in diesem Zusammenhang Anwendungsentwickler zukünftig bei der DB Systel?

EXNER: Anwendungsentwickler haben bei uns unverändert gute Perspektiven. Denn wir werden weiterhin Softwareentwicklung als eine unserer Kernkompetenzen im Haus vorantreiben. Daher schaffen wir derzeit neue Arbeitsplätze. Wir suchen über 100 neue Mitarbeiter vom Berufsanfänger bis hin zu absoluten Topleuten aus den Bereichen Entwicklung, Beratung und Projekt-Management. Ich bin darüber hinaus davon überzeugt, dass unsere Mitarbeiter die Sourcing-Strategie als Chance verstehen, neue Kompetenzen zu entwickeln und Erfahrungen im Rahmen einer Internationalisierung zu sammeln.

CW: Welche neuen Tätigkeiten kommen dazu?

EXNER: Gerade in der Zusammenarbeit mit einem Offshore-Dienstleister kommt es darauf an, die Vorgaben verständlich und eindeutig zu formulieren. Hierfür haben sich die weltweit übliche Notationsform UML und der Prozessstandard CMMI durchgesetzt. Beides spielt in unserem Unternehmen eine wichtige Rolle, um die Anforderungen unserer Kunden exakt zu beschreiben und klare technische Architekturvorgaben zu machen. Dafür bilden wir unsere Mitarbeiter gezielt aus. In der Zusammenarbeit mit einem Offshore-Partner gibt es natürlich auch neue Anforderungen an das Projekt-Management und alle beteiligten Mitarbeiter. Hierfür haben wir spezielle Weiterbildungsprogramme, zum Beispiel für interkulturelle Zusammenarbeit, aufgestellt.

CW: Wie läuft die Arbeit mit den Partnern in Indien und Manila ab?

EXNER: Unsere Partner besitzen in Deutschland Niederlassungen. Die Mitarbeiter dieser Dependancen sind Ansprechpartner sowohl für uns als auch für ihre Offshore-Kollegen. Mit Hilfe dieser so genannten Onsite-Komponente möchten wir einem überhöhten Kommunikationsaufwand entgegenwirken. Auch lassen sich kulturell bedingte Missverständnisse sowie Probleme, die beispielsweise durch die Zeitdifferenz auftreten könnten, vermeiden.

CW: Welche Anforderungen stellen Sie an die Mitarbeiter, die an der Schnittstelle von DB Systel und einem Offshore-Dienstleister arbeiten?

EXNER: Uns ist es sehr wichtig, dass die Projektleiter, die wir in den internationalen Projekten einsetzen, Spaß an einer solchen Herausforderung haben. Für die Zusammenarbeit mit den Dienstleistern gibt es in unserem Unternehmen klar definierte Prozesse und Vereinbarungen. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter diese Spielregeln konsequent umsetzen. Und nicht zuletzt ist es für solche Projekte unerlässlich, sich mit den Offshore- Kollegen auf Englisch verständigen zu können. Auch hier bieten wir unseren Mitarbeitern ein breites Weiterbildungsangebot an.

CW: Welches Profil benötigen künftige Mitarbeiter, um wettbewerbsfähig zu bleiben? Welche Fähigkeiten, welches Können ist Ihnen angesichts des großen Veränderungsdrucks besonders wichtig?

EXNER: Wir wollen uns mittelfristig zu einem der führenden ICT-Dienstleister entwickeln. Erster Schritt war die Integration von DB Systems und DB Telematik zur DB Systel GmbH. Damit vereinen wir IT-, TK- und Infrastruktur-Know-how unter einem Dach und können dem Kunden alles aus einer Hand bieten. Zudem entwickelt sich die Bahn mit großen Schritten zu einem globalen Dienstleister. Mit der Integration von Schenker und Bax wurde ein erster Schritt unternommen, und die Weichen stehen weiterhin klar auf Wachstum und dies auch in neuen Märkten. Vor diesem Hintergrund des Zusammenwachsens von IT und TK ist die Veränderungsbereitschaft eine der wesentlichen Eigenschaften, die wir von unseren Mitarbeitern erwarten. Die Welt der IT hat sich in den letzten zehn Jahren massiv weiterentwickelt, und ich bin sicher, dass sich dieser Trend mit noch wachsender Geschwindigkeit fortsetzen wird. Wir unterstützen unsere Mitarbeiter dabei durch gezielte Weiterbildungsmaßnahmen.