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02.05.1997 - 

Leserbrief

Spielt der R/3-Preis keine Rolle?

Macht es sich SAP-Chef Plattner vielleicht doch zu einfach, wenn er Schwierigkeiten seiner erfolgsverwöhnten Gesellschaft beim Eindringen in das Marktsegment des Mittelstands - also Unternehmen zwischen 50 und 500 Mitarbeitern - kurzerhand zum großen Teil auf Verunglimpfungen durch Mitbewerber und sonstige Neider zurückführt, "die nicht wollen, daß wir in diesem Sektor Fuß fassen"?

Was sind das für ungewohnte Töne aus dem Walldorfer Software-Olymp? Ist das Management des größten deutschen Software-Unternehmens gar neidisch, weil mittelständische Unternehmen bei der Software-Auswahl auf eine ganze Palette bewährter und leistungsstarker Anbieter zurückgreifen können und davon auch Gebrauch machen?

Wo drückt den SAP-Guru wirklich der Schuh, wenn er in dem CW-Interview gleich zweimal mit Nachdruck darauf hinweist, daß die von seiner Firma angebotene R/3-Software im unteren Marktsegment preisgünstiger sei als fast alle Konkurrenzprodukte? SAP habe im Low-end-Bereich kein Preis-, sondern ausschließlich ein Image-Problem. Warum ist der SAP-Vordenker plötzlich auf der Preisseite der unteren Software-Ebene so sensibel geworden? Bisher war man es nicht gewohnt, daß im SAP-Umfeld vorrangig über Preise diskutiert wurde.

Als neutralem IT-Beratungsunternehmen, das überwiegend mittelständische Betriebe zu seinen Kunden zählt, fällt es uns schwer, das SAP-Lob der eigenen Niedrigpreise im Low-end-Segment nachzuvollziehen. Unsere Kunden erwarten von einem Beratereinsatz bei der Software-Evaluation eine objektive und transparente Angebotsgegenüberstellung. In diese müssen alle wesentlichen Kostenkomponenten einbezogen werden:

-die Software-Lizenzkosten,

-Kosten für zusätzliche Hardware und Tools,

-Kosten der Geschäftsprozeßoptimierung und des Software-Projekt-Managements,

-Customizing-, Schulungs- und Einführungskosten sowie

-personelle Systembetreuungskosten und laufende Software-Wartungsgebühren.

Maßgeblich sind selbstverständlich die voraussichtlichen Gesamtkosten eines Angebots. Zu den Kriterien für die Software-Auswahl zählen natürlich auch qualitative Faktoren wie zum Beispiel Firmensicherheit, Zukunftsorientierung und die Qualifikation der Softwareberater.

Auf dem Mittelstandsmarkt steht der SAP auch heute noch eine Reihe ansehnlicher Mitbewerber gegenüber. Zu ihnen gehören je nach dem Bedarf des Anwenderunternehmens beispielsweise die Firmen Abas, BOG, Command, DCW, GSC, Infor, PSI und SIB, um nur einige Namen aufzuzählen. Auch diese Software-Anbieter haben die technische Entwicklung nicht verschlafen. Sie bieten überwiegend ebenso wie SAP offene Softwaresysteme mit breiter Funktionalität, grafischer Benutzeroberfläche, Workflow-Möglichkeiten, einer Jahr-2000-Absicherung, Branchenspezialitäten und einem komfortablen Customizing an.

Entgegen der SAP-Meinung in dem CW-Interview spielt für Mittelständler der Gesamtpreis für eine neue Softwarelösung auf der Grundlage einer fundierten Produktbewertung eine entscheidende Rolle! Preisvergleiche und harte Preisverhandlungen gehören zum Alltag einer mittelständischen Paketauswahl. Das können die Walldorfer doch nicht einfach auf die Ebene einer Reputationsverunglimpfung im Low-end-Bereich schieben. Auch andere Mütter haben schöne Kinder... Als Softwareberater jedenfalls freuen wir uns über den noch intakten Wettbewerb im Mittelstandslager. Die SAP ist für uns bei einer Software-Auswahl ein ganz normaler Anbieter, nicht mehr und nicht weniger. Machen wir da etwas falsch?

Dr. Bruno Grupp, Unternehmensberatung und IT-Training, Mainz