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18.02.1977 - 

Und noch mal: Software-Tools

Spielzeug für Dreiarmige?

Schelte gabÆs für die Väter von software-technologischen Werkzeugen in letzter Zeit nachgerade genug. Nahezu ausschließlich jedoch aus einer ganz bestimmten Ecke: von den Vätern software-technologischer Werkzeuge (nicht für die eigenen, wohlgemerkt). Das geht bisweilen bis aufs Messer. Um eine Feststellung kommt man jedoch nicht herum: Anwenderstimmen sind selten. Daß Schweigen bekanntlich auch als Zustimmung gewertet werden kann, hilft hier nicht weiter - zu divergierend die von den "Software-Päpsten" vertretenen Standpunkte. Ist Aggressivität nicht gefragt?

Der Software-Misere auf den Grund zu gehen versucht auch Dr. Klaus Börning im folgenden Beitrag, in dem er besonders auf die Schwächen der "höheren" Programmiersprachen abhebt. de

Ihrer berechtigten Kritik an der heutigen Software-Situation (CW Nr. 5 vom 28. 1. 1976), nämlich - fehlende Definitionen über Funktionsstandards,

- nicht festgelegte Produktionsspezifikationen,

- Zweifel an Behauptungen, der Anwender wüßte nicht, was er wolle, stimmen wir uneingeschränkt zu.

Da die Kommunikationskluft zwischen dem Anwender und "seinem" System seit Jahren existiert und bislang offensichtlich nicht beseitigt werden konnte, ist es langsam erlaubt, die Basis einmal stärker auszuleuchten, von welcher aus die Software-Streitkräfte laufend starten.

Die Computerei hat ihre Wurzel unbestritten im technischen Bereich: Einige Herren waren es dort besonders leid, stets dieselben Algorithmen manuell durchzurechnen. Die Programmierung im Maschinen-Code war aber auch kein Zuckerschlecken und von dem Moment an ziemlich ausgeschlossen, wo der elitäre Kreis der Maschinen-Code-Programmierer durch verstärkte Anwendung gesprengt wurde: Die Geburtsstunde der "höheren" Programmiersprache hatte geschlagen - für Problemlösungen im technisch-mathematischen Bereich. Für Probleme, die charakterisiert sind durch kompliziertere Algorithmen und geringes Datenvolumen.

Die Kaufleute erkannten sehr schnell die Segnungen der Computerei und übernahmen die Hardware-Ausstattung und die Software-Technologie fast 1:1. Dies geschah in den 50er Jahren.

Und nun vergleichen wir einmal die Programmiertechniken (erster Assembler, SPS-1401, Easy-/Autocoder, Cobol, Basic, Fortran, Algol) der 50er Jahre mit denen von 1977. Wer kann ernsthaft behaupten, daß unsere kaufmännischen Programmiersprachen außer einigen syntaktischen Erleichterungen in den gut 20 Jahren eine grundlegende Veränderung erfahren haben?

Hier liegt wohl das Hauptübel der "Software-Misere": Wir benutzen eine synthetische Sprache (und jede Programmiersprache ist eine solche), die von ihrem Ursprung her (für technische Problemlösungen bestimmt) milde formuliert nicht optimal ist und deren Übersetzer strukturell zumindest umständlich sind - so umständlich, daß der Input von einem kommerziellen Anwender (EDV-Laien) nicht verstanden wird. Der Anwender im technischen Bereich hat dagegen erwiesenermaßen überhaupt keine Schwierigkeiten mit der Input-Formulierung und Ergebnis-Überprüfung - er kann mit dem Computer in einer für ihn natürlichen Sprache "reden". Im Gegensatz dazu sind die Programmierwerkzeuge für die "Kaufleute" wohl eher für "Dreiarmige" bestimmt. Erklärlich: Sie sind das logische Ergebnis von formal wie strukturell nicht optimalen Sprachen. Die "Prozentrechner" hätten gewiß Besseres verdient; sie sind schließlich nicht dümmer und unerfahrener als ihre Kollegen von der "technischen Fakultät".

* Dr. Klaus Börning ist Geschäftsführer der I/O Software-Service GmbH, Kreiensen/Harz.