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18.04.1995

Spitzentechnologien allein reichen nicht aus

Dr. Michael Schwarzer, Vorsitzender des Praesidialarbeitskreises Industriepolitik und stellvertretender Vorsitzender des Fachverbandes Kommunikationstechnik im ZVEI

Deutschland verfuegt mit rund 1,5 Millionen Kilometern ueber das dichteste Glasfasernetz der Welt. Die Digitalisierung des gesamten Telekommunikationsnetzes soll bis 1997 abgeschlossen sein. Die Zahl der ISDN-Anschluesse waechst mit hohen zweistelligen Raten. Fuer kommunikationsintensive Unternehmen gehoeren die damit verfuegbaren integrierten Uebermittlungsmoeglichkeiten fuer Daten, Sprache und Bilder mittlerweile zur Standardausstattung.

Im privaten Bereich stossen Datex-J, aber auch ISDN auf rasch zunehmendes Interesse. Bis 1996 sollen 1,2 Millionen Haushalte ueber eine direkte Glasfaser-Auffahrt auf den Informations-Highway verfuegen. Neue Dienste wie zum Beispiel kostenlose Servicenummern erleben ein rasantes Wachstum. Knapp zwei Drittel aller Haushalte sind an Breitbandkabelnetze anschliessbar; mit dem Telefonnetz als vorlaeufigem Rueckkanal bildet dies optimale Voraussetzungen fuer den Einstieg in kommunikationsorientierte Multimedia-Dienste.

Mit Hochdruck arbeitet die deutsche Telekommunikationsindustrie an neuen Technologien, die etwa die Uebertragung von Fernsehbildern oder grossen Datenmengen auf normalen Telefonleitungen ermoeglichen. Auch bei der asynchronen Uebertragung und Vermittlung grosser Datenmengen mit der sogenannten ATM-Technologie verfuegt Deutschland ueber exzellente technische Voraussetzungen.

Doch Spitzentechnologien allein sind nicht ausreichend, um auf dem Weg in die Informationsgesellschaft erfolgreich zu sein. Konkrete Anwendungsprojekte muessen den Nutzern konkrete Vorteile verdeutlichen.

Die deutsche informations- und kommunikationstechnische Industrie engagiert sich schon heute aktiv in solchen Projekten. So wird der Informationsverbund Bonn-Berlin bereits 1998 die multimediale Zusammenarbeit von Mitarbeitern der Regierung ermoeglichen, die 600 Kilometer voneinander entfernt sitzen. Hier wird die gleichzeitige Verfuegbarkeit von Bildern, Daten und Sprache ebenso realisiert wie Videokonferenzen oder die gemeinsame Vorgangsbearbeitung an unterschiedlichen Standorten.

Schon jetzt ist allerdings eines erkennbar: Um zu einer breiten Nutzung innovativer Konzepte wie Telearbeit, Fernlernen oder Telematik in Klein- und Mittelunternehmen zu kommen, brauchen wir eine signifikante Reduktion der Datenuebertragungskosten. Diese Kostensenkung muss einhergehen mit einer weiteren Steigerung der Qualitaet und der Leistungsfaehigkeit sowie einer raschen Weiterentwicklung des Angebotes an Telekommunikationsdiensten. Wir brauchen mehr Wettbewerb auch in der Telekommunikation. Am Ende des Deregulierungsprozesses sollte eine Konkurrenz stehen, die allen Beteiligten gleiche Erfolgschancen bietet.

Grundsaetzlich bewegt sich die Politik sowohl auf europaeischer als auch auf nationaler Ebene in die richtige Richtung. So hat die EU mit ihrer juengsten Entscheidung, alternative Netze schon vor dem 1. Januar 1998 fuer die Uebertragung von Daten, Bildern und Multimedia-Diensten zu oeffnen, eine Forderung des Zenralverbandes der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. (ZVEI) vom November 1994 aufgegriffen.

Auch das Eckpunktepapier des Bundesministers fuer Post und Telekommunikation weist in die richtige Richtung. Besonders wichtig sind folgende Vorgaben:

1. Die Zahl der Lizenzen wird nicht beschraenkt.

2. Die Zusammenschaltung von im Wettbewerb stehenden Netzen sollte auf der Basis kommerzieller Vereinbarungen zwischen Unternehmen erfolgen. International genormte Schnittstellen und Protokolle muessen die technischen Voraussetzungen fuer die Zusammenschaltung bilden.

3. Die flaechendeckend anzubietenden Universaldienste sollten eng definiert werden.

4. Angesichts der notwendigen Kostensenkungen und der erforderlichen Investitionen besteht kein Raum fuer Wegeabgaben an die Kommunen. Wer auf diese Weise Haushaltsloecher stopfen will, behindert den notwendigen Strukturwandel.

Die IuK-Industrie unterstuetzt den politischen Liberalisierungs- und Harmonisierungsprozess durch die moeglichst rasche Entwicklung international einheitlicher Standards. Der digitale Mobilfunkstandard GSM, Digitales Video Broadcasting (DVB) und Digitales Audio Broadcasting (DAB) oder die schnurlose Telefonie mit dem DECT-Standard sind wichtige Beitraege der deutschen und europaeischen Industrie zur technischen Entwicklung der Informations- und Kommunikationsgesellschaft. Die weltweite Verbreitung dieser Standards belegt die Leistungsfaehigkeit unserer Industrie. Diese Erfolge tragen wesentlich zur Sicherung und Erhaltung des Standortes Deutschland bei. Noch einmal: Wir fordern und unterstuetzen den fairen und ausgewogenen Wettbewerb in der Telekommunikation.