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24.05.1985 - 

Hörende Computer gibt es bereits für weniger als 10 000 Mark, aber:

Spracherkennungs-Anwendungen noch dünn gesät

MÜNCHEN - Computer, die hören können, machen bisher beim Anwender noch wenig von sich reden. Ein wesentlicher Grund für diese "Funkstille": Nutzer von Spracherkennungssystemen hüllen sich zumeist in Schweigen, da entsprechende Projekte angeblich noch in der Pilotphase stecken. Hinzu kommt, daß man die existierenden Installationen an fünf Fingern abzählen kann.

Nicht auf taube Ohren gestoßen im Hinblick auf die elektronische Spracherkennung ist die Fachwelt bei dem Unternehmen Ford, das derartige Systeme in einem Kölner Ersatzteillager einsetzt. Über die von der Computergesellschaft Konstanz (CGK) entwickelten hörenden Computer können die Ford-Lagerarbeiter alle Versanddaten von Bestellungen mündlich eingeben (die COMPUTERWOCHE berichtete).

Vom "Hörensagen" sind derartige Anwendungen auch von anderen Automobilkonzernen wie Daimler-Benz, VW und BMW bekannt. Hier sollen die Spracherkennungsanwendungen allerdings noch völlig in den Kinderschuhen stecken.

Neben der CGK beschäftigen sich unter anderem das Fraunhofer-lnstitut in Stuttgart und das Münchner Unternehmen Speech Design mit DV-Lösungen zur Spracherkennung. Gerhard Rigoll, technisch-wissenschaftlicher Assistent bei der Stuttgarter Forschungsstätte, meint in diesem Zusammenhang: "Wir haben so etwas mal für VW gemacht, wissen aber nicht, wieviel man da erzählen darf."

Während man sich im Bereich der Spracherkennung selbst noch in der Phase der Grundlagenforschung befinde, sei das Fraunhofer-Institut im (...)blick auf die elektronische sprachausgabe schon wesentlich weiter. So arbeite man im Rahmen des sogenannten DECtalk-Projektes zusammen mit Digital Equipment aus München an der deutschen Version des bereits bestehenden, aber nur Englisch sprechenden Produktes. Ein paar Brocken "Deutsch" habe der Computer inzwischen jedoch schon aufgeschnappt; die ersten Worte in der Landessprache seien auf der Hannover-Messe erklungen.

Als klassische Anwendungsgebiete für die elektronische Spracherkennung nennt Rigoll, der zur Zeit seine Doktorarbeit über dieses Thema schreibt, die Bereiche Fertigung, Warenverteilung, Qualitätssicherung, Konstruktion und Büroarbeit. So könnten hörende Computer als Kommandosysteme fungieren, beispielsweise zur Steuerung von flexiblen Fertigungsanlagen und Robotern. Und auch bei CAD-, Textverarbeitungs- und Management-lnformations-Systemen sei man in der Lage, mit Hilfe der Spracheingabe die bisher üblichen Formen des Dateninputs abzulösen.

Als weiteres Anwendungsfeld bringt der Geschäftsführer der Firma Speech Design, Kasimir Arciszewski, die Mikroskopie auf dem klinischen Sektor ins Gespräch. So hätten Augen- und Neurochirurgen bei ersten Pilotversuchen in der Universitätsklinik Hannover und dem Kanton-Spital Zürich gute Erfahrungen mit Kommandosystemen für die Steuerung von Mikroskopen, auf die sie bei ihren Operationen angewiesen seien, gemacht. Das Unternehmen Zeiss aus Oberkochem habe daraufhin beschlossen, Mikroskope mit Sprachsteuerung in Serie zu produzieren, wobei Speech Design als OEM-Lieferant auftrete.

Auch aus der Sicht von Arciszewski sind die hörenden Computer noch dünn gesät, besonders im Bereich der kleinen, dezentralen Anwendungen für geschlossene Benutzergruppen. "Das ist in Deutschland alles erst ein halbes oder dreiviertel Jahr alt." Heute stünden aber bereits Geräte auf Platinen- und Geräteebene für einen Preis von unter 10 000 Mark zur Verfügung.

Das Nonplusultra ist für Arciszewski bei der elektronischen Spracherkennung noch lange nicht erreicht. Science-fiction müsse zunächst ein Gerät bleiben, das beliebig viele Wörter erkennt und gleichzeitig sprecherunabhängig ist. Im gleichen Atemzug räumt er allerdings ein, daß bei vielen Anwendungen das Leistungsmerkmal "großer Wortschatz" gar nicht so ausschlaggebend sei. Hinzu käme, daß sich der Mensch ja normalerweise auch nur eine bestimmte Anzahl von Kommandos merken könne. "Wenn man zum Beispiel einen CAD-Arbeitsplatz hat, dann tippt man ja auch nicht beliebig in der Gegend herum, sondern das Ding kennt eine bestimmte Anzahl von Kommandos, weil die Anwendungssoftware eben so geschrieben ist." Als Anwender eines sprachgesteuerten Konstruktionssystems nannte der Geschäftsführer von Speech Design die Firma Dr. Heusch & Bösefeld in Aachen.

Einigkeit besteht unter den Fachleuten darüber, daß bei den bundesdeutschen Anwendern mehr sprechende als hörende Computer anzutreffen sind. In diesem Zusammenhang werden Bestell- und Auskunftssysteme, die Datenbankabfrage per Telefon und Haltestellenansagegeräte für die "verschleißfreie" Ankündigung der nächsten Bus- und Zugstation genannt.

Sprachcomputer eignen sich aber auch für die Auftragserfassung. Dazu nochmals Arciszewski: "Das ist eine besonders interessante Anwendung, weil man hier einen Außendienst ohne Computer datenmäßig an eine Zentrale koppeln kann." Praktiziert wird diese Form der Auftragserfassung schon seit rund vier Jahren bei dem Großversandhaus Quelle aus Fürth.