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09.01.1987 - 

Universitäten Stuttgart und Tübingen mit neuem Schwerpunkt:

Sprachverarbeitung wird stärker forciert

STUTTGART (pi) - Als neuer Forschungsschwerpunkt entsteht an den Universitäten Stuttgart und Tübingen der Bereich "Maschinelle Sprachverarbeitung". Der badenwürttembergische Minister für Wissenschaft und Kunst stellt die Aktivitäten jetzt in der schwäbischen Landeshauptstadt vor.

Derzeit laufen bereits eine Reihe von Projekten an den beiden Universitäten, die von den Linguisten Professor Dr. Christian Rohrer, Stuttgart, und Professor Dr. Franz Günthner, Tübingen, mit insgesamt 30 Mitarbeitern betreut werden. Im Zuge des neuen Schwerpunktes sollen weitere Spezialisten für die Bereiche Computerlinguistik, formale Logik und Sprachphilosophie sowie für experimentielle Phonetik hinzukommen.

Zudem ist beabsichtigt, bestehende Kooperationen mit Elektrotechnikern, Anglisten, Linguisten, Informatikern, mit der Industrie und anderen Forschungseinrichtungen, beispielsweise der Fraunhofer Gesellschaft weiter zu vertiefen und auszubauen. Neben bereits bestehenden Zentren für die Sprachverarbeitungsforschung in Saarbrücken und Hamburg und dem vom Bundesforschungsministerium geplanten Center of Excellence sollen die Stuttgarter und Tübinger Aktivitäten zum vierten Zentrum dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland werden.

Nach Angaben der Projektverantwortlichen belaufen sich die Ausgaben für Übersetzungen derzeit pro Jahr auf 45 Milliarden Mark. Die jährliche Zuwachsrate dieses Marktes wird mit 15 Prozent angegeben. Dem Sprachdienst der EG-Kommission gehören allein 1100 Personen an und rund 50 Prozent der Beamten des EG-Parlaments sind mit Übersetzungen beschäftigt. Durch die Erweiterung der europäischen Gemeinschaft gibt es momentan 72 Sprachpaare.

Ein weiteres Projekt befaßt sich mit der Entwicklung von Zugriffsmöglichkeiten auf Datenbanken in natürlicher Sprache. Hier arbeiten die Stuttgarter Wissenschaftler im Auftrag der Europäischen Gemeinschaft im Esprit-Programm daran, Beschreibungsverfahren zu entwickeln, die es auch ungeübten Benutzern erlauben sollen, eine Datenbank in ihrer jeweiligen Muttersprache abzufragen.

Der Stuttgarter Professor Rohrer warnt allerdings vor allzu optimistischen Erwartungen: "Es sind außerordentlich komplexe Forschungen notwendig, um syntaktische und semantische Strukturen der verschiedensten Sprachen zu beschreiben und das jeweils notwendige Fachwissen zu repräsentieren." Gleichzeitig betont der Wissenschaftler, daß vor allem in den USA und in Japan große Anstrengungen unternommen würden, um die maschinelle Sprachverarbeitung zu fördern. Forschungsinstitute mit bis zu 70 Mitarbeitern seien in diesen Ländern keine Seltenheit.

Auch in Frankreich und Großbritannien gibt es inzwischen Forschungseinrichtungen für dieses Gebiet. Zu einer Reihe dieser Institute unterhalten die Stuttgarter und Tübinger Wissenschaftler seit Jahren enge Kontakte, insbesondere zu der amerikanischen Stanford University, der Universität Kyoto sowie zu den europäischen Universitäten Edinburgh, Marseille und Amsterdam.