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11.02.1994

Spreadsheets im Vergleich VBA verwandelt Standard-Excel in eine Individualanwendung Von Michael Horsch*

Die juengsten Fassungen der drei grossen Tabellenkalkulationen Lotus 1-2-3, Quattro Pro und Excel unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Standardfunktionalitaet kaum noch. Lediglich im Bereich der Entwicklungs-Tools und zusaetzlicher Auswertemoeglichkeiten warten die Updates, die derzeit in kurzen Abstaenden auch auf den deutschen Markt kommen, mit mehr oder weniger leistungsfaehigen Features auf.

Einen zeitlichen Vorsprung gegenueber der Konkurrenz koennen die Spreadsheet-Updates kaum fuer sich verbuchen: Waehrend Version 4 von Lotus 1-2-3 fuer Windows seit einigen Wochen verfuegbar ist, gibt es Borlands Quattro Pro 5.0 fuer Windows inzwischen als englische Endversion, und Excel 5.0 von Microsoft steht in Deutschland unmittelbar vor der Markteinfuehrung. Von der Funktionalitaet her sind die Programme fast gleichwertig: Alle verfuegen ueber eine Vielzahl von Funktionen fuer Finanzmathematik und technisch- wissenschaftliche Anwendungen sowie ueber dreidimensionale Arbeitsblaetter, mit denen sich komplexe Berechnungen uebersichtlich aufteilen lassen.

Aus dieser Sicht ist bei den drei Konkurrenten in den meisten Anwendungsfaellen keine Einschraenkung zu erwarten. Unterschiede zeigen sich erst bei einer neuen Technik zur Auswertung und Strukturierung von Tabellendaten. Dabei koennen Datenspalten und - zeilen durch einfaches Verschieben der Reihen umgeordnet werden, so dass sich je nach Struktur voellig neue Ansichten und Analysemoeglichkeiten ergeben. Der Sinn solcher Techniken liegt in erster Linie in der Reduzierung und Zusammenfassung umfangreicher Datenstrukturen und ist mit Kreuztabellen nahe verwandt, aber deutlich leistungsfaehiger.

Lotus hat dieses Verfahren zwar in der Tabellenkalkulation Improv realisiert, in 1-2-3 allerdings bislang nicht uebernommen. Quattro Pro nutzt die Technik, indem die Auswertung ueber ein externes Programm, das sogenannte Data Modelling Desktop, geschieht. Bei Excel wird die Neuerung als Pivot-Tabelle bezeichnet, die innerhalb einer Arbeitsmappe als zusaetzliche Tabelle aufgebaut ist. Die Umstellung auf diese Tabellenarten verlangt jedoch eine geraume Eingewoehnungszeit und ist keinesfalls fuer den Einsteiger oder einfachen Anwender geeignet. Spreadsheet-Profis, die ihr Programm zur Analyse umfangreicher Daten verwenden, duerften aber von diesen neuen Moeglichkeiten einigermassen begeistert sein.

Wichtiger als solche kreuztabellenaehnlichen Strukturen sind aber die Zugriffsmoeglichkeiten auf Datenbanken. Und hier hat sich mittlerweile einiges getan. Jede Tabellenkalkulation erlaubt, interne Datenbanken, die in einem eigenen Arbeitsblatt gespeichert sind, komfortabel abzufragen. Der Zugriff auf externe Datenbanken wird in Lotus 1-2-3 ueber den sogenannten Datalens-Treiber ermoeglicht, der auch die Verbindung zu Oracle-Systemen herstellt. Quattro Pro und Excel verwenden fuer diesen Zweck die externen Programme Data Desktop und MS Query, die zwar noch etwas komfortabler sind, aber dafuer als eigenes Programm bedient werden muessen.

Von entscheidender Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch die Abfragemoeglichkeit von SQL-Datenbanken: Alle drei Spreadsheets stellen ueber entsprechende Funktionen beziehungsweise eigene Programm-Module eine Verbindung zu einem SQL-Server her.

Auch im Bereich der jeweiligen grafischen Darstellungsoptionen stehen sich die Konkurrenten in nichts nach. Sie verfuegen ueber Diagrammtypen, die sich zur Auswertung von Zahlenmaterial recht gut eignen. Soll jedoch professionell praesentiert werden, so kommt der Anwender nicht um die einschlaegigen Softwareprodukte mit ihrer Vielzahl an grafischen Gestaltungsmoeglichkeiten herum.

Mit OLE 2.0, der Technologie zur dokumentenorientierten Arbeitsweise, geht Microsoft im Vergleich zur Konkurrenz einen Schritt weiter, was die Datenintegration und die Vereinfachung der Bedienablaeufe angeht: Befindet sich der Anwender gerade in einem Winword-6.0-Dokument, das ein Excel-Diagramm enthaelt, so schaltet er durch einfaches Doppelklicken auf das Diagramm zu Excel 5.0 um. Das Besondere daran ist, dass sich nur die Menuezeilen und Symbolleisten aendern, waehrend das Dokument in seiner Struktur erhalten bleibt. Der Vorteil fuer den Anwender ist die einheitliche Bedienoberflaeche, so dass lange Umgewoehnungsprozesse entfallen.

In die gleiche Richtung zielt VBA (Visual Basic for Applications), eine Programmiersprache fuer Microsoft-Applikationen. Die Entwicklungsumgebung wurde im neuen Excel bereits integriert und soll den Weg kuenftiger Standardsoftware im Unternehmensalltag aufzeigen: Tabellenkalkulationen wie Excel sind durch geschickte Programmierung mit VBA voellig umstrukturierbar, so dass fuer den Anwender in der Regel nur noch die Funktionen uebrigbleiben, die er auch wirklich benoetigt.

Durch die Implementierung neuer Funktionen und Bedienablaeufe wird aus Excel zum Beispiel eine Kostenkalkulation, eine Reisekostenabrechnung oder ein Analysewerkzeug fuer Produktprozesskosten. Prinzipiell ist dies zwar auch mit Lotus 1-2- 3 und Quattro Pro moeglich, allerdings setzen beide noch auf die konventionelle Makroprogrammierung. Das leistungsfaehigere VBA erlaubt dagegen ein wesentlich strukturierteres Arbeiten und aehnelt eher einer klassischen Programmiersprache.

Diese Vorteile sollen jedoch nicht darueber hinwegtaeuschen, dass VBA keine leichte Kost ist. In den USA werden demnaechst zwei Buecher mit einem Umfang von 1100 Seiten veroeffentlicht, die sich ausschliesslich mit der Programmierung von Excel unter VBA beschaeftigen. Die Kostenkalkulation fuer die Beschaffung und Anpassung einer neuen Tabellenkalkulation sollte daher die Aufwendungen fuer mindestens einen Programmierer beruecksichtigen, der sich fast ausschliesslich mit VBA beschaeftigt.