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23.08.1991

Sprechblasen und PR-Sprüche

Man weiß nicht, was man an den Siemensianern mehr bewundern soll: die weltmännische Überheblichkeit, mit der sie in der Chip-Kooperation mit Big Blue europäische High-Tech-Interessen aufs Spiel setzen, oder die coole Art, Kritik in Sachen Siemens-Nixdorf-Informationssysteme (SNI) als Quengelei von Kleingeistern abzutun. Doch Ironie beiseite: Sosehr dem "SPIEGEL" in seiner Aussage zuzustimmen ist, die SNI habe mit "gewaltigen Problemen zu kämpfen" - es stimmt einfach nicht, daß Siemens "die Übernahme der Computerfirma Nixdorf allzu naiv angegangen" ist und "die Schwierigkeiten der Vereinigung erheblich unterschätzt" hat, wie das Magazin weiter ausführt (siehe "Für Sie gelesen", Seite 8). Nein, naiv sind Kaske & Co. und der SNI-Chef Hans-Dieter Wiedig keineswegs, nur glauben sie, es sich erlauben zu können, Journalisten und Marktbeobachter - indirekt damit auch die Anwender - mit Vorstandssprechblasen und PR-Sprüchen abzuspeisen. Traurig, aber (teil)wahr: Das funktioniert sogar.

Aber wie lange noch? Erfreulicherweise sind einige EG-Kommissare dabei, Fakten zusammenzustellen und Tacheles zu reden. In einer Mitteilung der Kommission der Europäischen Gemeinschaften mit dem Titel "Die europäische Elektronik- und Informationsindustrie: Situation, Chancen und Risiken, Aktionsvorschläge" heißt es: "Die Lage im Bereich der Informatik ist prekär. Nach einem eindeutigen Aufschwung zwischen 1984 und 1987 hat die Gemeinschaftsindustrie in Europa erneut an Boden verloren. Auf dem europäischen Markt ist der Anteil von IBM größer als die Anteile von Siemens/Nixdorf, Bull, Olivetti und Philips zusammen." Unter dem Punkt "Aktionen" wird als Forderung aufgeführt: "Herstellung fairer Wettbewerbsbedingungen auf den internationalen Märkten." Den Ausverkauf, von SNI etwa, an IBM oder Fujitsu werden die EG-Kommissare doch nicht gemeint haben? Sicher weiß die Siemens-Spitze mehr. Man würde zu gern Mäuschen spielen.

Und das schrieb der Kolumnist in der CW vom 19. Januar 1990, kurz nach der Bekanntgabe des "Sienix-Deals": "Der Schein trügt, mit der Verbindung von Siemens-DI und Nixdorf entstände ein europäischer DV-Gigant. ... Die Zusammenlegung allein bedeutet noch gar nichts. Wo ist denn das klare Konzept? Von wem kommen die Impulse? Vor allem: Wie kann das Vertrauen der Kunden gewonnen werden? ... Lauter offene Fragen. Und ein Siemens-Management, das vorerst keine Antworten gibt. Die Verrenkungen bei der Ankündigung lassen nichts Gutes erwarten." Soweit das Zitat. Schadenfreude ist nicht dabei, wenn wir aus aktuellem Anlaß auf unsere Fragen zurückkommen. Und eine weitere hinzufügen: Sind die SNI-Weichen bereits in Richtung Armonk und/oder Tokio gestellt? Keine Sprechblasen, bitte!