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19.02.1988

Sprung in die Top-Etage ist schwer, aber:Zukunft des DV-Chefs hängt vom Aufstieg ab

DV-Leiter müssen rechtzeitig den Wandel von der Datentechnik hin zur Informationsverarbeitung erkennen. Bislang allerdings haben nur wenige von ihnen den Sprung ins Top-Management geschafft. Werner Kugler, Managementberatung für Datenverarbeitungs-, Informations- und Kommunikationssysteme in Schorndorf, beschreibt die Gründe und gibt Anregungen. wie sich der traditionelle DV-Chef weiterentwickeln kann.

Auch in einem so fortschrittsorientierten Bereich wie der modernen Datenverarbeitungs- und Informationstechnik sind konservative Auffassungen und Meinungsbilder oft schwer den aktuellen Bedürfnissen anzupassen. Einen Schwerpunkt bildet dabei ein Großteil der in der Praxis "gereiften" DV/Org.-Leiter. In einem Bereich, der durch und vom ständigen Wandel (Fortschritt) lebt, sind sie eine Insel der Beharrlichkeit ihrer Meinungen und Auffassungen. Sie erwarten zwar von denjenigen, denen sie ihre Dienste erbringen, sich allen Neuerungen zu fügen, sind aber nicht bereit, dies in ihrem eigenen "Machtbereich" und bei sich selbst zu akzeptieren.

DV-Leiter, die sich immer noch als "Chef-Programmierer" oder als bester Operator des Rechenzentrums sehen, haben die Zeichen der Zeit (Wandel zum IS-Manager) nicht erkannt. Sie verbauen sich ihre eigene Karriere und gefährden die zukunftsgerechte Weiterentwicklung des Bereichs "Informationssysteme" ihres Unternehmens. Zu großes Fachwissen, oft aus falscher Angst vor dem Können der Mitarbeiter angeeignet, verhindert den Blick auf die eigentlichen Aufgaben.

Die Fixierung auf eine rein fachbezogene Weiterbildung macht es unmöglich, im Rahmen der unternehmerischen Zielsetzungen tätig zu werden und den Anforderungen eines "Managers" gerecht zu werden. Die sträfliche Vernachlässigung der Ausbildung in modernen Verfahrens- und Führungstechniken und das Desinteresse an allen Vorgängen, die nicht unmittelbar die Datenverarbeitung betreffen, entsprechen nicht im geringsten den Anforderungen, die an einen qualifizierten IS-Manager gestellt werden.

Die oft historisch bedingte starke Bindung an den Lieferanten des zentralen Rechners ist ein weiterer Hemmschuh für die zeitgerechte Führung des Geschäftsbereichs Informationssysteme. Dadurch werden Möglichkeiten der Leistungssteigerung und der Kostensenkung vernachlässigt. Außerdem kann durch den Einsatz moderner Soft- und Hardware das leidliche Personalproblem behoben werden. Es ist unbedingt erforderlich, durch permanente Beobachtung des DV-technischen Marktes und bedarfsorientierten Einsatz zeitgemäßer Soft- und Hardware, auch wenn sie nicht vom "Hauslieferanten" angeboten wird, den Leistungsstand der Datenverarbeitung zu verbessern. Es sollte langsam jedem DV-Verantwortlichen klar werden, daß er von seinem Unternehmen bezahlt wird und nicht, wie es manchmal den Eindruck macht, vom Mainframe-Anbieter.

Viele DV-Leiter jammern ständig über zu viele Anforderungen der Anwender (Kunden). Der berühmte "Anwendungsstau" zwingt sie und ihre Mitarbeiter, permanent Überstunden zu "leisten". Diese Aussagen sind nur das Eingeständnis eigener Unfähigkeit. Entweder werden die Möglichkeiten, welche das Angebot des aktuellen Marktes bietet, nicht genutzt, oder die Bedürfnisse der Datenverarbeitung gegenüber der Geschäftsleitung nicht ausreichend dargestellt und vertreten. Wenn sich der DV-Verantwortliche nicht zu sehr um das Fachliche kümmern sondern mehr das gesamte Unternehmen sehen würde, könnten viele Bedürfnisse der Anwender rechtzeitig erkannt und im Rahmen der Unternehmensplanung mit minimalem Aufwand realisiert werden. Die sehr aufwendigen "Schnellschüsse" entfielen, und es wäre möglich, die gesamte "Manpower" der EDV (ohne Überstunden) für eine sowohl anwendergerechte als auch in das Gesamtkonzept des Unternehmens passende Entwicklung und Durchführung einzusetzen.

Wenn allerdings die Geschäftsleitung den Anforderungen, die an einen guten IS-Manager gestellt werden müssen, selbst nicht entspricht, wäre es besser, das Unternehmen zu wechseln.

- Unternehmerisches Denken und Handeln wird für den Verantwortlichen des Geschäftsbereichs Informationssysteme immer mehr von Bedeutung.

- Hohe fachliche Qualifikation ist nicht so wichtig wie eine gute Kenntnis des Marktes und der Unternehmensziele.

- Gezielter Einsatz und Führung von Mitarbeitern sind effizienter als gute System- und Programmierkenntnisse.

- Kostenbewußtes Agieren bei Beschaffung und Angebot sind wichtiger als ein gutes Verhältnis zum Lieferanten des Host-Systems.

- Die Optimierung des eigenen Bereichs ist unternehmensdienlicher als die Optimierung einzelner Anwendungen.

All diese Leitsätze nützen nichts, wenn die Geschäftsleitung noch falsche Vorstellungen von den Aufgaben und dem Funktionsumfang eines IS-Managers hat. Stellenangebote folgender Art bestätigen leider oft diese Annahme:

Der Mitarbeiter sollte "mehrjährige Praxis" in den Programmiersprachen X, Y und Z haben, die Systeme A und B "beherrschen" und die Systemkomponenten 1, 2, 3, 4, 5 und 6 sollten ihm auch "geläufig" sein.

Ein Studium der Betriebswirtschaft oder "ähnliches" setzen wir als "selbstverständlich" voraus. "Gute Englisch-Kenntnisse" sind aufgabenbezogen unbedingt erforderlich.

Am besten würde zu unserem "jungen, dynamischen EDV-Team" ein Mitarbeiter von rund 30 Jahren passen. Er kann bisher auch in der "zweiten Reihe" tätig gewesen sein.

Diese Formulierungen sind nicht einmal überspitzt. Abgesehen von der immer wiederkehrenden Diskrepanz zwischen Ausbildung, Praxis und Alter ist die Anhäufung der Forderung von produkt(hersteller)-spezifischen Fachkenntnissen sehr oft gegeben. Warum man keinem eigenen Mitarbeiter des "jungen, dynamischen Teams" die Chance des Aufstiegs gibt, wenn der Bewerber aus der "zweiten Reihe" kommen kann - darauf kann sich jeder seinen eigenen Reim machen. Welches, und ob überhaupt ein Studium für den DV-Verantwortlichen erforderlich ist, scheint oft unklar zu sein. Bei kleinen Unternehmen hat man oft den Eindruck, der Firmeninhaber will nun endlich seinen ersten "Studierten" einstellen, bei vielen Großunternehmen muß es unbedingt ein Akademiker sein. Wichtiger sind jedoch, in einem Bereich, der durch permanente Neuerungen ständiges Lernen erforderlich macht, geistige Beweglichkeit und Aufgeschlossenheit.

Allen derzeitigen DV-Leitern und, wenn sie es zukünftig sein wollen, kommenden IS-Managern ist zu empfehlen, ihre Situation unter Einbeziehung der Gegebenheiten ihres Unternehmens zu analysieren. Danach sollten sie, entweder mit Einverständnis der Geschäftsleitung ihres Unternehmens oder konsequenterweise bei einem anderen Unternehmen, aktiv an die Realisierung ihrer Vorstellungen des Aufgabenbereichs und Funktionsumfangs eines IS-Managers gehen. Wenn sie jedoch der Meinung sind, alles könne so weiterlaufen wie in "guten, alten DV-Zeiten", sollten sie sich vorsorglich die Adresse des örtlichen Arbeitsamts besorgen.

Die geringe Zahl der DV-Leiter, die den Sprung ins "Top-Management" schaffen, ist ein klarer Beweis für zu große Spezialisierung. Der Mangel, über den eigenen Bereich hinauszusehen, disqualifiziert den sogenannten "traditionellen" DV-Leiter für höhere Aufgaben. Obwohl der DV-Leiter im Normalfall der am besten bezahlte Abteilungsleiter ist, hat er, im Gegensatz zu diesen Kollegen, kaum Aussichten, in die Geschäftsleitung aufzusteigen. Daß er, weil seine Abteilung für alle anderen Abteilungen tätig ist, den besten Überblick über das Unternehmen haben könnte, würde ihn um so mehr für "höhere" Aufgaben empfehlen. Die Diskrepanz zwischen gegebenen Möglichkeiten und Voraussetzungen und dem, was bisher meistens daraus gemacht wurde, sollte jeden erkennen lassen, so schnell wie möglich die entsprechenden Schritte zu unternehmen.

Jedes Unternehmen ist gut beraten, seinen DV-Leiter, falls er dies rechtzeitig genug erkennt und anstrebt, dabei voll zu unterstützen. Der Wandel der DV-Abteilung zum Geschäftsbereich Informationssysteme ist aufgrund der alle Unternehmensbereiche umfassenden DV-technischen Möglichkeiten zwingend erforderlich.