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Börsengang soll weitere Expansion finanzieren

SSA Global fordert die ERP-Szene heraus

27.02.2004
FRANKFURT/M. (CW) - Das US-amerikanische Softwarehaus SSA Global Technologies wurde hierzulande erst bekannt durch den Kauf des niederländischen ERP-Spezialisten Baan. Glaubt man dem Anspruch der Company, dürfen sich die Anbieter von Unternehmenssoftware warm anziehen. CEO Michael Greenough kündigt jedenfalls an, weiter am Übernahmekarussell drehen zu wollen.

Auf den ersten Blick wirkt er wie ein Marketier, der alle einschlägigen Klischees bedient. "Wenn wir an der Börse sind, können wir uns auch eine Company wie Siebel leisten. Und wir werden sie uns genau anschauen", gibt Greenough lapidar zu Protokoll. Doch der Chef von SSA Global Technologies weiß offenbar, was er will: "Unsere Strategie ist einfach. Wir kaufen, wo es finanziell und vom Geschäftszweck her Sinn gibt, Markanteile hinzu und adressieren mit unserem Portfolio die Kundenbedürfnisse im Markt."

Im Juni vergangenen Jahres hatte SSA Global Technologies mit dieser Vorgehensweise erstmals auch in Europa für Aufsehen gesorgt, als der britische Mischkonzern Invensys seine niederländische Softwaretochter Baan für 135 Millionen Dollar an die beiden Investment-Gesellschaften Cerberus Capital Management und General Atlantic Partners (GAP) verkaufte. Cerberus und GAP halten rund 70 Prozent an SSA Global Technologies und hatten seinerzeit angekündigt, das Unternehmen mit Baan zu einem schlagkräftigen Softwarekonzern zu verschmelzen. Architekt des Ganzen war jedoch Greenough, der als CEO, Chairman und President eine selbst für US-amerikanische Verhältnisse ungewohnte Machtfülle bei der in Chicago ansässigen Company besitzt.

Schon einen Monat nach seinem Amtsantritt im Mai 2001 hatte Greenough mit dem Geld und dem Segen der beiden kurz vor ihm eingestiegenen SSA-Global-Gesellschafter den US-amerikanischen ERP-Spezialisten Max International gekauft. Es folgten sechs weitere Übernahmen im ERP- und E-Procurement-Umfeld, darunter neben Baan auch die E-Business-Sparte Interbiz von Computer Associates (CA). Binnen zweieinhalb Jahren schaffte es der neue SSA-Global-Frontmann, den Umsatz auf rund 650 Millionen Dollar zu verdoppeln (und profitabel zu sein), nachdem die 1981 unter dem Namen Systems Software Associates (SSA) gegründete Company aufgrund mehrerer Verlustquartale in Folge und zu hoher Entwicklungskosten für eine neue Softwaregeneration im Frühjahr 2001 noch am Rande der Zahlungsunfähigkeit gestanden hatte.

Im Weltmarkt ein Wörtchen mitreden

Sein bis dato größter Coup, das gibt Greenough zu, war der Kauf von Baan, der dem Unternehmen quasi die höheren Weihen im ERP-Geschäft verleihen soll. Mit den rund 4000 Kunden der Niederländer steigerte SSA Global seine weltweite Zahl an Installationen auf über 16 000; vor allem in Europa erhoffen sich die US-Amerikaner dadurch ein deutlich besseres Standing und vor allem einen höheren Bekanntheitsgrad. "Wir hätten vermutlich 40 Jahre benötigt, um diesen Sprung durch rein organisches Wachstum zu schaffen", hebt der SSA-Global-Chef noch einmal die Vorzüge seiner Einkaufspolitik hervor. Auch Jim Shephard, Analyst und Senior Vice President des Marktforschungsunternehmens AMR Research, bescheinigt Greenough ein glückliches Händchen, indem er feststellt: "SSA gehört heute zu den weltweit größten und profitabelsten ERP-Anbietern."

Zumindest die Zahlen für das erste Fiskalquartal 2004 (Ende: 31. Oktober 2003) scheinen dies zu untermauern. Mit 141,9 Millionen Dollar konnte SSA Global Technologies in der Berichtsperiode den konsolidierten Umsatz gegenüber dem Vergleichsquartal des Vorjahres über 140 Prozent steigern, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) erhöhte sich im Vorjahresvergleich um mehr als 80 Prozent auf 22,4 Millionen Dollar. Mit Angaben zum zweiten Quartal, des Ende Januar abgeschlossen wurde, hält sich Greenough bedeckt. Die Ebita-Marge sei "stabil" geblieben, grundsätzlich kalkuliere man bei dieser Kennziffer mit einem Wert von zirka 20 Prozent, lässt sich der SSA-Global-Chef jedoch entlocken. Auch die Umsatzplanung für das laufende Jahr von 650 Millionen Dollar werde man wohl deutlich übertreffen und eher bei 700 Millionen Dollar landen.

Die unter Branchenkennern geäußerte Kritik, dass seine Company die Zukäufe erst verdauen müsse und sich damit die erhofften Synergieeffekte - wenn überhaupt - mit zeitlichen Verzug einstellen dürften, lässt Greenough nicht gelten. Gerade im Falle von Baan sei der Integrationsprozess "schnell und effektiv" gewesen; Baan arbeite bereits nach rund sechs Monaten wieder profitabel. Dass die Restrukturierung von Baan, die Greenough zufolge rund 70 Millionen Dollar kostete, für den einen oder anderen der verbliebenen Baan-Mitarbeiter einen spürbaren Kulturwandel bedeutete, lässt der SSA-Global-CEO nur mit der Bemerkung anklingen, dass die Niederländer erst lernen mussten, "ihre Kosten im Griff zu haben". Umso mehr darf man daher gespannt sein, ob die Turnaround-Story von Baan auf Dauer Bestand hat. Nicht umsonst galten die Niederländer bereits unter dem Dach von Invensys (und vorher) aufgrund ihrer hohen Verbindlichkeiten sowie sinkender Umsätze und Verluste als äußerst schwieriger Sanierungsfall.

Ungeachtet dessen bestätigte Greenough die bereits vor Monaten gegenüber der COMPUTERWOCHE angekündigte Produkt-Roadmap, wonach binnen der kommenden zwei bis drei Jahre alle Baan-Lösungen in die eigene ERP-Kernsuite "SSA BPCS" beziehungsweise "PRMS" integriert werden und so ein konsolidiertes Produktangebot vor allem für diskrete Fertigungsbetriebe entstehen soll.

Baan-Produkt-Roadmap bleibt bestehen

In einem ersten Schritt ist dabei bereits bis Juli vorgesehen, die Datenbanken der entsprechenden Produkte zu standardisieren. Als nächstes sei geplant, weniger komplexe Module wie etwa Buchhaltung oder Personalwesen zu vereinheitlichen. Auch das ursprünglich von Baan angekündigte Wartungsende der alten ERP-Suite "Baan IV", die noch bei rund 70 Prozent aller Baan-Anwender im Einsatz ist, habe man wieder aufgehoben.

Doch mit dem Kauf von Baan ist der Appetit Greenoughs nach Übernahmen bei weitem nicht gestillt. Ein bis zwei weitere ERP-Anbieter in vertikalen Nischen sollen, wie der SSA-Global-Chef unverblümt ankündigt, in den kommenden Monaten noch hinzukommen. Auch im Bereich Supply-Chain-Management (SCM) und Customer-Relationship-Management (CRM) werde man sich gegebenenfalls nach einer Verstärkung des Produktportfolios umschauen.

Die dazu nötige Akquisitionswährung will sich SSA Global Technologies durch den noch für dieses Jahr geplanten Börsengang beschaffen. Die Bewertung der Investmentbanken sei abgeschlossen, das Board der Company werde in den kommenden Wochen endgültig darüber entscheiden. Nach dem CRM-Spezialisten Salesforce.com und dem Suchmaschinen-Betreiber Google wäre dies die dritte große Neuemission im IT-Sektor, die dieses Jahr über die Bühne gehen könnte. (gh)