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20.04.1979 - 

EDV im Krankenhaus:

ST.- Antonius-Hospital fährt gut mit eigenem Computer

ESCHWEILER (CW) - Die Krankenhausverwaltungen müssen sich einer ständig zunehmenden Datenflut erwehren. Hinzu kommen steigende qualitative Anforderungen an die Datenauswertung. Seit dem 1. 1. 1978 sind die Kliniken gehalten - soweit noch nicht vorhanden -, doppelte kaufmännische Buchführung zu praktizieren. Seit dem 1. 1. 1979 ist das Sachanlagevermögen nach den Förderungsgrundlagen des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG-Anlagennachweis) aufzugliedern und ab 1. 1. 80 eine Kosten-/Leistungsrechnung durchzuführen. Die statistischen Landesämter und diverse andere Behörden und Institutionen des Gesundheitswesens wollen umfangreichere und besser aufgegliederte statistische Unterlagen. Immer mehr Kliniken suchen und finden die Lösung ihrer DV-Probleme in einem hauseigenen, autonom arbeitenden Computersystem. Eines dieser Krankenhäuser ist das St.-Antonius-Hospital in Eschweiler bei Aachen. Durch die eigene EDV-Anlage, einem Dialogcomputer MAI 600 aus der Basic-four-Familie, konnten der Datenfluß und die Datentransparenz wesentlich erhöht werden.

Träger des Eschweiler Krankenhauses ist die Katholische Kirchengemeinde St. Peter und Paul. Die Klinik verfügt über 477 Betten. Sie hat acht hauptamtliche Abteilungen (Allgemeine Chirurgie mit Gefäßchirurgie und Herzschrittmachertherapie; Unfallchirurgie; Handchirurgie, Plastische und Wiederherstellungschirurgie; Gynäkologie und Geburtshilfe; Urologie mit Kinder-Urologie; Anästhesie und Wiederbelebung; Innere Medizin mit Nephrologie [Dialysezentrum], Gastroenterologie und Infektionsabteilung; Radiologie und Nuklearmedizin) und eine Belegabteilung (Hals-Nasen-Ohren). Das St.-Antonius-Hospital ist Akademisches Lehrkrankenhaus der RWTH Aachen und unterhält eine eigene Krankenpflegeschule. 1978 wurden 10 945 Patienten stationär behandelt. Die durchschnittliche Verweildauer betrug 15,4 Tage. Die Krankenbetten waren mit 93,2 Prozent überdurchschnittlich ausgelastet. (Die volle Auslastung eines Krankenhauses ist vom Land Nordrhein-Westfalen mit 85 Prozent festgelegt, der Landes-Durchschnitt liegt etwas darunter.)

An die EDV tastete sich das St.-Antonius-Hospital über die Durchschreibebuchführung und drei Generationen von Buchungsautomaten heran. Nach einem Versuch der Zusammenarbeit mit einem externen Rechenzentrum entschied man sich 1977 für eine hauseigene EDV-Lösung. Verwaltungsdirektor Dipl.-Volkswirt Ludger Petersmann nennt als Grunde für diese Entscheidung den besseren Zugriff auf die Daten, die größere Flexibilität in der Problemlösung, die aktuellere Datenauswertung und die höhere Wirtschaftlichkeit, jeweils im Vergleich zu einer externen Lösung.

Bevor sich die im deutsch-belgischen Grenzgebiet gelegene Klinik zu einem

bestimmten EDV-System entschloß, schaute sie sich erst einmal gründlich auf dem Markt um, besuchte Messen und Ausstellungen sowie praktische Vorführungen. Die Hardwaredaten interessierten dabei nur am Rande. Man wollte sich "vor Ort" von der Praxisnähe und Aussagekraft bereits im praktischen Einsatz laufender Programme überzeugen. Verwaltungsdirektor Petersmann: "Viele EDV-Anbieter neigen zu einer gewissen Übertreibung hinsichtlich der Leistungsfähigkeit ihrer Computer und ihrer Anwenderprogramme." Die Angebote von etwa zehn Herstellern wurden mehr oder weniger gründlich unter die Lupe genommen. Schon in der Praxis laufende Lösungen waren dünn gesät. Im St,-Franziskus-Krankenhaus in Köln und im Stadtkrankenhaus in Offenbach am Main (im letztgenannten Fall im Verbund mit einem kommunalen Rechenzentrum) stieß man auf Lösungen, die in ihrem Grundkonzept den eigenen Vorstellungen weitgehend entsprachen. Die Hardware war jeweils von MAI, die Programme stammen von Compu Orga, einem unabhängigem Softwarehaus, das in der Krankenhaussoftware aber eng mit der MAI Deutschland GmbH zusammenarbeitet. Da Hard- und Software hier von zwei getrennten Firmen kommen, machte das St.-Antonius-Hospital den Kauf der Hardware von einer funktionierenden Problemlösung im Softwarebereich abhängig.

Am 1. 12. 1977 wurde folgende Konfiguration installiert:

- Zentraleinheit MAI 600 mit 64 KB Hauptspeicher für den Anwenderbereich;

- fünf Bildschirmarbeitsplätze (1920-Zeichen-Displays); zwei Zeilendrucker (je 150 Zeilen/Minute);

- ein Zeichendrucker (165 Zeichen/Sekunde);

- zwei Magnetplattenlaufwerke (Fest-/ Wechselplatten, Gesamtkapazität 20 MB)

Drei Bildschirmarbeitsplätze sind in der stationären und ambulanten Patientenaufnahme und je ein Terminal in der Buchhaltung und in der Leistungsabrechnung installiert.

Die Programme des St,-Antonius-Hospitals bauen auf standardisierten Grundsatzprogrammen von Compu Orga auf. Das Softwarehaus hat sich unter anderem auf die Lösung der Anwendungsprobleme von Krankenhäusern spezialisiert. 1975 wurde das Programmpaket "Krankenhaus" fertig und seither laufend ergänzt und fortentwickelt. Inzwischen konnte es rund 30mal implementiert werden (davon 17 Applikationen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe), immer in Verbindung mit MAI-Computern, die Compu-Orga-Chef Roland in der Größen- und Leistungsklasse für den Krankenhausbereich für am geeignetsten hält. Es werden Lösungen offeriert, die je nach Programmumfang und Modifizierungs- respektive Einarbeitungsaufwand (im Durchschnitt drei Mann-Wochen) zwischen 30 000 Mark und 130 000 Mark kosten. Für die Hardware sind je nach Ausbaustufe zwischen 90 000 Mark und 300 000 Mark Kaufpreis zu veranschlagen, bei Verbundkonfigurationen auch mehr. Die Systeme können auch gemietet werden, einschließlich der Software.

Das Programmpaket "Krankenhaus" von Compu Orga umfaßt die Bereiche "Stationäre Abrechnung", "Ambulante Abrechnung", "Lager/Apotheke", "Finanzbuchhaltung", "Anlagenbuchhaltung" "Lohn- und Gehalt" und "Kosten-/Leistungsrechnung". Der Anwender kann sich diejenigen Moduln auswählen, die er für seine Verwaltung braucht. Sie werden dann den betriebsindividuellen Erfordernissen angepaßt. Das St.-Antonius-Hospital übernahm alle Programmbereiche mit Ausnahme von "Lager/Apotheke". Der für Krankenhäuser in Hamburg und Berlin entwickelte Komplex "Kosten-/Leistungsrechnung" wird in naher Zukunft von dem Eschweiler Anwender eingesetzt.

Vom Datenanfall und Auswertungsumfang wichtigstes Programm ist die stationäre Leistungsabrechnung. Sie umfaßt im St.-Antonius-Hospital die Bereiche Patientenaufnahme (respektive -entlassung), Leistungsabrechnung und Statistiken. Gleich nach der Erfassung der Daten eines neuaufgenommenen Patienten werden in der erforderlichen Stückzahl "große" Etiketten (für die Krankenkassen etc.) und "kleine" (für interne Zwecke) mit den Patientendaten ausgedruckt. Sie wandern mit den Krankenpapieren mit und sind so überall verfügbar, wo sie gerade gebraucht werden. Dieses Verfahren führt zu einer wesentlichen Arbeitsvereinfachung.

Das Programm "Stationäre Leistungsabrechnung" umfaßt unter anderem folgende Auswertungen: Patientenkarte, Kostenübernahmeantrag, Tageslisten mit Zu- und Abgängen, Stationslisten, Bettenbelegungsübersicht mit Nutzungsgrad, Kostenüberwachung, automatische Fakturierung, Abgrenzung der Forderungen, Kontrolle der nicht fakturierten Patienten, Nachberechnung, Monatslisten, Verweildauer, Altersgruppen, Aufnahmebuch, Fallzahlen, amtliche Krankenhausstatistik für das statistische Landesamt (Mitternachtsstatistik mit Einzugsgebietsstatistik).

Die ambulante Leistungsabrechung läuft vergleichbar ab. Auch hier werden Etiketten mit den Patientendaten ausgedruckt. Die Finanzbuchhaltung umfaßt derzeit unter anderem die Kostenstellenrechnung als Teilkostenrechnung und den Jahresvergleich (Soll-/Istkostenvergleich mit Steigerungsrate in Prozent, Sollvorgabe gleich Vorjahreswerte). Die Lohn- und Gehaltsabrechnung enthält die üblichen Auswertungen. Die Anlagenbuchhaltung berücksichtigt die neuen Vorschriften des Krankenhausfinanzierungsgesetzes (KHG-Anlage-nachweis).

Das St,-Antonius-Hospital hat von auf seine Verhältnisse zugeschnittenen EDV-Arbeitsabläufen und von der aktuellen Datenverarbeitung des hauseigenen Computers erhebliche Vorteile. Dialogorientierte Datenverarbeitung ist zu wirtschaftlichen Kosten nur mit einer eigenen Anlage zu praktizieren. Der Eschweiner Anwender kann über seine fünf Bildschirme alle abgespeicherten Daten jederzeit abrufen. Änderungen werden sofort berücksichtigt (Prinzip der direkten Datenverarbeitung), so sind die Dateien stets auf dem aktuellsten Stand. Da bei der Datenerfassung die Zugriffsmöglichkeit auf alle Dateien besteht, können wesentlich mehr Plausibilitätsprüfungen durchgeführt werden als bei der Datenverarbeitung außer Haus. Und der Erfassungsaufwand bliebe den Kliniken trotzdem nicht erspart.

Die Verwaltung ist in der Gestaltung der Programme und der Arbeitsabläufe flexibel. Verwaltungsdirektor Petersmann: Wir erfassen die Daten und rufen die Auswertungen ab, wann auch immer wir das für notwendig erachten. Daneben können wir weitere Programme erstellen lassen, die den gesetzlichen Bestimmungen und den jeweiligen betrieblichen Notwendigkeiten entsprechen." Der Zeitraum für Statistiken und der Zeitpunkt, an dem sie vorliegen sollen, kann frei gewählt werden. So erstellt das St.-Antonius-Hospital eine Statistik der täglichen Auslastung des Hauses nach Abteilungen und Stationen. Die Daten werden für alle Arbeitsgänge nur einmalig erfaßt (integrierte Datenverarbeitung). Der Eschweiner Anwender ist auch mit der Hardware zufrieden. Die Ausfallzeiten sind gering. Wenn die Entscheidung nochmals anstünde, würde man die gleiche Lösung wieder wählen, allerdings mit einer Anlage größerer Kapazität, da das jetzige System "randvoll" ausgelastet ist. Verwaltungschef Petersmann: "Da sind wir vom Hardwareverkäufer nicht richtig beraten worden."