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09.07.1999 - 

Kongreß diskutiert Chancen und Risiken von Freiberuflern

Ständige Qualifizierung als Garant für den Erfolg

Von Ina Hönicke* Gäbe es nicht die Gesetzesnovelle zur Bekämpfung der Scheinselbständigkeit, könnten sich die DV-Freiberufler auf einer Insel der Glückseligen wähnen. Die Auftragslage ist dank des leergefegten Personalmarktes so gut wie selten zuvor. Auf dem Jahreskongreß für DV-Freiberufler in München wurde deutlich, daß die Selbständigen in der IT-Branche aber noch einiges lernen müssen, wenn sie den Sprung vom Einzelkämpfer zum Unternehmer schaffen wollen.

Den großen Stellenwert, den Freelancer mittlerweile im Markt haben, unterstrich auch der Kongreß, der sich das Motto "Wirtschaftsfaktor Freiberufler" auf die Fahnen geschrieben hatte. Nicht nur, daß sich ihre Zahl in Deutschland seit 1990 verdreifacht hat. Der geschätzte Jahresumsatz der DV-Beratung in der IuK-Branche kann sich mit zehn Milliarden Mark ebenfalls sehen lassen. Selbständige IT-Profis stehen momentan hoch im Kurs. Sowohl das vielfach noch ungelöste Jahr-2000-Problem als auch die Euro-Einführung zwingen die Unternehmen, in verstärktem Maße externe Hilfe in Anspruch zu nehmen.

"Erfolgreich und wirtschaftlich Projekte umzusetzen ist ohne DV-Freiberufler für die meisten Firmen undenkbar", kommentierte Wolf-Dietrich Lorenz, Chefredakteur des "Freiberufler Info". Für scheinheilig hält er die gesamte Diskussion um die Scheinselbständigkeit: "Man kann nicht Jagd auf sogenannte Scheinselbständige machen und gleichzeitig fordern: Mehr Unternehmer braucht das Land." Konsequenzen des Korrekturgesetzes sind ein verunsicherter Beratungsmarkt, die überstürzte Beendigung Tausender freier Mit- arbeiterverhältnisse und neue Fallstricke auf dem Weg zu einer globalen Dienstleistungsgesellschaft.

Werner Dostal, leitender wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Arbeit und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg, betrachtet die Gesetzesnovelle als ungeeignet für den IT-Markt: "Die aktuelle Bewertung neuer Arbeitsformen geht offenbar davon aus, daß Freiberufler leichtfertig sind und zur Absicherung gezwungen werden müssen." Allerdings ist der Arbeitswissenschaftler auch davon überzeugt, daß IT-Freiberufler gar nicht im Visier der Fahnder stehen. Bislang sei aus diesem Bereich noch kein Fall vor Gericht gekommen. Die Beurteilung der Rechtslage sei um so schwieriger, als es bis heute keine eindeutigen Kriterien für eine wirklich selbständige Tätigkeit gebe.

Für problematisch hält es Dostal dagegen, daß die Berufsgruppe der IT-Freiberufler mitsamt ihren Verbänden in der Öffentlichkeit bislang so wenig präsent ist: "Sie müssen den Politikern klarmachen, daß sie in einem stabilen Berufsfeld arbeiten und durchaus in der Lage sind, sich abzusichern." Das ist für Dostal aber nur die eine Seite der Medaille. Genauso wichtig ist es seiner Meinung nach, daß die im IuK-Bereich arbeitenden Profis in der Öffentlichkeit mehr für das eigene Image tun.

Nach der Imagepflege ging es noch um andere Aspekte der Selbstvermarktung. Schließlich müssen sich Freiberufler zunächst einmal bei ihren potentiellen Kunden gut verkaufen. Tips für Marketing und Vertrieb gab die Projekt-Managerin Gisela Bolbrügge. Dieser Vortrag war wohl eher für Anfänger gedacht. Ratschläge wie "Seien Sie pünktlich", "Seien Sie Business-like angezogen", "Schalten Sie während des Vorstellungsgesprächs das Handy ab" oder "Halten Sie Ihre Präsentationsmappe in Ordnung" stießen nicht bei allen Teilnehmern auf großes Interesse.

Der nächste Redner, Thorsten Rauser, Geschäftsführer der Rauser Advertainment GmbH in Reutlingen, sprach aus, was etliche im Publikum dachten: "Ich bin mir nicht sicher, ob perfekte Bewerbungsmappen heute so wichtig sind wie früher. Meines Erachtens hat sich der Freiberuflermarkt längst ins Internet verlagert. E-Mail-Adresse und eigene Homepage sind die neuen Visitenkarten."

Wie IT-Freiberufler sich und ihre Leistungen in der Cyber-Welt präsentieren oder via Internet neue Vertriebswege und Partner entdecken können, brachte Rauser den Teilnehmern in einer engagiert vorgetragenen Präsentation nahe. Eine eigene Homepage sollte dazu genutzt werden, um das Interesse des potentiellen Auftraggebers zu wecken und die Bereitschaft für neue Herausforderungen zu signalisieren. Wenn dann noch Professionalität und Vertrauenswürdigkeit glaubhaft vermittelt werden könnten, sei der Erfolg in greifbarer Nähe. Der Reutlinger Jung-Manager warnte aber vor der Do-it-yourself-Methode: Um eine professionelle und interessante Website zu erstellen, sollten Profis aus dem Software-, Screen- sowie Online-Bereich zusammenarbeiten.

Daneben stieß auch in diesem Jahr der Blick auf künftige Tätigkeitsfelder bei den Freelancern auf reges Interesse. Vor allem in der Internet-Welt eröffnen sich zahlreiche Chancen für qualifizierte Fachkräfte. Da die Bereiche Medien, TV und Informationstechnologie zunehmend zusammenwachsen und der Personalmarkt leergefegt ist, ergeben sich für IT-Freiberufler neue, interessante Tätigkeitsfelder. Besonders gefragt sind externe Profis im Netzwerkbereich. Laut einer IDC-Studie fehlen im Internet-Arbeitsmarkt bis zum Jahr 2002 allein in Deutschland fast 200 000 ausgebildete Fachkräfte. Etliche Unternehmen befürchten bereits, daß Electronic Commerce am Personalmangel scheitert. Nach Einschätzung von Lorenz geht der Trend in Richtung Servicegeschäft, Outsourcing, Call-Center und User-Support.

So gut die kurzfristigen Perspektiven für Freiberufler sind, so schwierig könnte ihre Situation langfristig werden. Untersuchungen haben ergeben, daß die Unternehmen sich bei der Vergabe von Aufträgen an freie Mitarbeiter ab 2001 mehr als bisher zurückhalten wollen. Um gegenüber den Kollegen die Nase vorn zu haben, sind lebenslanges Lernen und Zertifizierung angesagt.

Weiteres Handwerkszeug erhielten die Teilnehmer in zwei Workshops, in denen Fragen rund um die Existenzgründung zur Sprache kamen. Der Bremer Rechtsanwalt Benno Grunewald gab Tips in Sachen Kapitalbeschaffung, Fördermittel, Erstellen von Business-Plänen oder Vorbereitung auf Bankverhandlungen. Mit den mentalen Barrieren auf dem Weg zum Unternehmer setzte sich der Münchner Consultant Paul Maisberger auseinander: "Erfolgreiche Freelancer müssen sich in die Köpfe und Herzen ihrer Kunden und Partner eingraben und so die Basis für ein erfolgreiches Unternehmen legen." Sein Resümee: "Wer selbst nur Chaos im Kopf hat, kann auch nur Chaos verbreiten, aber kein Unternehmen führen. Also fangen Sie bei sich selbst an."\~*Ina Hönicke arbeitet als freiberufliche Journalistin in München.