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24.04.1998 - 

Euro-Umstellung / Umstellung oft nicht mehr zu schaffen

Stärkere Zustimmung zum Euro bringt DV-Projekten kaum Schub

Alle Analysten sind sich einig, daß die Komplexität der Euro-Konversion die Jahr-2000-Umstellung bei weitem übertrifft - sowohl in Hinblick auf den nötigen Aufwand als auch in puncto Kosten. Die Autoren der dritten europaweiten Studie zur Währungsunion "Strategic Business Systems & The Single European Currency" rechnen mit Kosten von rund 200 Milliarden Dollar für die Umstellung der IT-Systeme. Für die Jahr-2000-Konvertierung veranschlagen sie auf der Grundlage von Schätzungen der Gartner Group "nur" 150 Milliarden US-Dollar.

Neaman Bond Associates führt diese Untersuchung halbjährlich durch. Die jüngsten verfügbaren Angaben (vom Dezember 1997) resultieren aus der Befragung von 1046 verantwortlichen IT-Managern in zehn europäischen Ländern im letzten Oktober.

Das wichtigste Ergebnis: Fast alle Unternehmen geben an, über eine Euro-Strategie zu verfügen. Verglichen mit der vorherigen Studie vom März 1997 ist dies ein großer Fortschritt. Damals hatte erst ein Drittel diese Frage bejaht. In Deutschland waren es zu diesem Zeitpunkt immerhin schon fast 60 Prozent. Heute liegt hier die Rate ebenfalls bei fast 100 Prozent.

Die Währungskonversion wird jetzt als Aufgabe für das gesamte Unternehmen erkannt und deswegen dem oberen Management, insbesondere den Finanzvorständen, zugeteilt - im Gegensatz zur Jahr 2000-Problematik. Diese wird eindeutig dem IT-Management zugeordnet.

Die Existenz einer Euro-Strategie stellt aber noch lange nicht sicher, daß die Umstellungsprojekte pünktlich zum Jahresbeginn 1999 abgeschlossen sind. Das wissen auch IT-Verantwortliche und andere Manager. Sie sind sogar bis zu 20 Prozent seltener als bei der Jahr-2000-Umstellung zuversichtlich, die Euro-Ziele rechtzeitig zu erfüllen.

Das trifft schon für die Umsetzung der Euro-Strategie zu. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen befanden sich noch in der Planungsphase und untersuchten mögliche Vorgehensweisen. Mitten in der Realisierung der Euro-Strategie steckten zirka 32 Prozent.

Selbst von den 48 Prozent der Unternehmen, die angaben, ihre Euro-Anpassung bereits hinter sich zu haben, planten lediglich 18 Prozent, sich mit ihren Lieferanten und Kunden in Verbindung zu setzen. Dabei ist die Abstimmung mit beiden sehr wichtig, um zu gewährleisten, daß es keine Brüche in der Zahlungskette gibt. Also haben selbst Unternehmen mit eigentlich abgeschlossenen Euro-Anpassungsprojekten noch nicht alle Aspekte gewissenhaft berücksichtigt.

Der "European Business Survey" der Marktforschungsgruppe von Grant Thornton International, veröffentlicht Mitte März dieses Jahres, basiert auf einer Befragung von 6000 Unternehmen. Danach haben über ein Drittel der befragten europäischen Unternehmen noch keine Schritte zur Anpassung ihrer IT an den Euro eingeleitet. Für 37 Prozent von ihnen ist der Euro (noch) überhaupt kein Thema. Nur elf Prozent haben demzufolge die Anpassung vollzogen und 50 Prozent sind sich des Problems bewußt.

Bei einer genaueren Betrachtung beider Untersuchungen fällt die Diskrepanz auf zwischen fast 100 Prozent Unternehmen mit Euro-Strategie laut Neaman Bond und den 37 Prozent der European-Business-Befragung, die noch keinen Gedanken an den Euro verschwendet haben. Allerdings wurden in letzterer Firmen aus allen EU-Staaten sowie aus Malta, der Schweiz, der Türkei, Norwegen und Polen befragt, mithin auch solche, die nicht direkt von der Europäischen Währungsunion betroffen sind.

Gerade hier dürfte aber die Quote derjenigen, die den Euro als sekundär betrachten und nicht glauben, Anpassungsmaßnahmen einleiten zu müssen, sehr hoch sein. So lassen sich wohl 37 Prozent Desinteressierte erklären.

Bis auf Großbritannien und die skandinavischen Staaten betrifft die Neaman-Bond-Studie hingegen nur Euro-Beitrittsländer. Der Anteil der direkt Betroffenen ist sehr viel höher.

54 Prozent der befragten britischen Unternehmen aus dieser Studie verfügen nach eigenem Bekunden über keine Euro-Strategie. Auch die Briten glauben offensichtlich, wenig mit dem Euro zu tun haben.

Diese Annahme ist indes nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Denn jeder, der mit den Beitrittsländern Handel treibt, braucht Euro-kompatible Rechnungssysteme. Dies wird umso bedeutsamer, je enger die Wirtschaft des Landes mit dem Währungsclub verflochten ist. Die Euro-Anpassung hat weltweite Konsequenzen für das Rechnungswesen und die Datenverarbeitung. Diese Bereiche müssen jedenfalls angepaßt werden. Je nachdem, wie umfassend ein Unternehmen die Währungsumstellung angehen will, muß es lediglich das gesetzlich Geforderte bringen oder mehr.

Die Management-Beratung Diebold Deutschland hat einige Monate lang in einem bundesdeutschen Großunternehmen alle umstellungsrelevanten Aspekte analysiert und drei mögliche Euro-Strategien entwickelt.

-Das "Allernötigste": Diese kleine Lösung umfaßt nur die Überprüfung und Anpassung der von der Euro-Umstellung tangierten informationstechnischen Systeme.

-Bei der mittleren Variante ist zusätzlich Analyse, Anpassung und Optimierung der Geschäftsprozesse inbegriffen.

-Die große Lösung bettet die Umstellung außerdem noch in den europäischen Kontext ein. Im Zentrum steht dabei die Überprüfung der Unternehmensstrategie in Hinblick auf neue, veränderte europäische Marktbedingungen.

Eine zentrale Anforderung erfüllen deutsche Unternehmen laut Diebold häufig nicht: Es mangelt an der konsequenten und professionellen Umsetzung der Euro-Projekte. Diese sollten nicht nur als notwendige, schon gar nicht als lästige Aufgabe verstanden werden, sondern müßten wenigstens für eine umfassende Geschäftsprozeßoptimierung genutzt werden. Und dies sei viel zu selten der Fall.

Gleichfalls selten oder gar nicht befassen sich kleinere und mittelständische deutsche Unternehmen mit der Euro-Umstellung. Dies hat eine Umfrage des Instituts Allensbach im Auftrag der Sage KHK ergeben. Danach haben sich fast drei Viertel (74 Prozent) der Mittelstandsfirmen bisher nicht konkret mit der Umstellung befaßt. Ganze 37 Prozent der Unternehmen haben nicht mehr als erste Überlegungen angestellt, und 32 Prozent betrachten selbst das noch als "zu früh".

Auch Unternehmen, die für Buchhaltung und Auftragsabwicklung eigene Software verwenden und angeben, diese Programme bereits auf Euro-Tauglichkeit geprüft zu haben, unterschätzen anscheinend die notwendigen Änderungen. So erwarten 75 Prozent keine einschneidenden Modifikationen an ihren Buchhaltungsprogrammen. 80 Prozent der Unternehmen, die die Auftragsbearbeitung mit Hilfe von DV abwickeln, gehen von keinen nennenswerten Programmänderungen aus.

Deutsche Großunternehmen fühlen sich besonders gut gewappnet für den Euro. Eine aktuelle Studie von Cap Gemini und Gemini Consulting bei 500 führenden Managern europäischer Großunternehmen ergab, daß die neue Währung in bundesdeutschen Chefetagen sehr ernst genommen wird.

94 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, daß der Euro regelmäßig Thema bei Vorstandssitzungen sei. Und 75 Prozent der großen deutschen Firmen arbeiten demnach bereits mit einem oder mehreren Software-Anbietern für die Währungskonvertierung zusammen. Über 80 Prozent fühlen sich für den Euro gerüstet.

Allerdings könnte sich die Annahme, daß die Euro-Umstellung für die meisten deutschen Großunternehmen schon gelaufen sei, wegen ihrer Zusammenarbeit mit kleineren Unternehmen als verfrüht erweisen. Denn nach den Zahlen des European Business Report für die gesamte deutsche Wirtschaft hat Deutschland - zusammen mit Griechenland - den geringsten Anteil an Firmen, die überhaupt die Auswirkungen des Euro bedacht haben: gerade 41 Prozent. Die anderen waren sich nicht sicher, was bei der Einführung der gemeinsamen Währung passieren wird. Auch wenn tatsächlich viele Großunternehmen ihre Vorbereitungen abgeschlossen haben, sind sie mit einem engen Netz von Zulieferern und Kunden verknüpft. Diese bilden die Schwachstelle.

Studien

Es gibt lokale und internationale Studien zum Euro. Zu ersteren gehören die Erhebung von Allensbach für die Sage KHK, die Studie der Management-Beratung Diebold Deutschland und die Untersuchung von Cap Gemini. Bei den ersten beiden herrscht Skepsis vor, ob deutsche Unternehmen - insbesondere der Mittelstand - die Anpassung an den Euro fristgerecht schaffen können. Die dritte Studie schätzt die Aussichten für eine erfolgreiche und pünktliche Währungsunion bei den Großunternehmen sehr positiv ein. Die internationalen Studien wie die von Neaman Bond und der European Business Report sind alles in allem eher skeptisch hinsichtlich der pünktlichen europaweiten Euro-Einführung in den Unternehmen.

Angeklickt

Die Einführung des Euro ist eine umfassende Aufgabe, die aus betriebswirtschaftlicher Sicht 95 Prozent eines Unternehmens betrifft. Insbesondere müssen Zahlungssysteme, Buchhaltung und Lohnabrechnung auf die neue Währung umgestellt werden. Der Euro geht dabei nicht nur die elf Beitrittsländer an, sondern praktisch jeden, der ab 1. Januar 1999 mit ihnen Handel treiben will. Resümee verschiedener Marktuntersuchungen: Die Umstellungsarbeiten sind in vielen europäischen Unternehmen noch nicht weit genug fortgeschritten.

Arno Laxy ist freier Journalist in München.