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27.10.2005

Stagnation im Linux-Softwaremarkt

Ist die Luft raus aus der Entwicklung von Linux-Lösungen? Einige Zahlen sprechen von einem schwächeren Wachstum als in den vergangenen Jahren.
Nur noch in einzelnen Anwendungssegmenten steigt das Angebot an Linux-fähigen Programmen. In manchen Bereichen ist es sogar rückläufig.
Nur noch in einzelnen Anwendungssegmenten steigt das Angebot an Linux-fähigen Programmen. In manchen Bereichen ist es sogar rückläufig.

Die diesjährige Konferenzmesse Linuxworld vom 15. bis 17. November in Frankfurt am Main wird für einige Stammbesucher ein überraschendes Bild abgeben. Firmen wie IBM, Sun oder Veritas, in den vergangenen Jahren immer mit großen Ständen vertreten, werden sie diesmal regelrecht suchen müssen oder gar nicht vorfinden. Das Bild bestimmen die kleinen Präsentationen.

Mehr zum Thema

www.computerwoche.de/go/

*81414: Gartner: Die Reife von Linux-Anwen- dungen;

155757: Linuxworld, San Francisco, 2005;

*67043: Linuxworld, Frankfurt am Main, 2004;

*71351: Von Netware zum Open Enterprise Server.

Hier lesen Sie …

• in welchen Bereichen das Angebot an Linux-fähigen-Programmen stagniert;

• was mögliche Ursachen dieser Entwicklung sind;

• wo sich noch etwas tut;

• dass offenbar Linux- Varianten ganz bestimmter Programme fehlen.

Die Lösung steht im Vordergrund

Kersten Bassow, Geschäftsführer des Münchner Marktforschungsunternehmens Nomina GmbH und jahrelanger Beobachter der Open-Source-Szene, sieht eine deutliche Veränderung: "Aus der Branche hört man Stimmen: Wir schauen wieder mehr auf die Lösungen und nicht mehr auf die Betriebssysteme." Das sei auch verständlich; denn die Lösung sollte im Vordergrund stehen und erst an zweiter Stelle die Entscheidung für eine Plattform.

Bassow bemerkt: "Es passiert nicht mehr so wahnsinnig viel im Linux-Bereich." Das belegen die Zahlen, die Nomina alljährlich zur Linuxworld über das Angebot an Software für das quelloffene System veröffentlicht. In der "Isis"-Software-Datenbank sind jetzt 2492 entsprechende Programme erfasst. Das sind gerade einmal 6,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Von 2003 auf 2004 hatte Nomina noch eine Zunahme des Angebots um 28 Prozent festgestellt.

AIX und Solaris übertrumpft

Doch diese Zahlen können täuschen. Das Angebot von Linux-Lösungen bewegt sich auf einem ausgesprochen hohen Niveau. Im Jahr 2001 gab es erstmals mehr Applikationen für das quelloffene Betriebssystem als für jedes konkurrierende Unix-Derivat. Heute existieren fast 2500 Linux-fähige Programme und damit rund doppelt so viele wie für die Unix-Versionen AIX von IBM, HP-UX von Hewlett-Packard und Sun OS/Solaris von Sun, die bei jeweils knapp über 1200 Anwendungen etwa gleichauf liegen.

Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, wie sich das Linux-Angebot der knapp über 1000 Softwarehersteller verändert hat. Vor einem Jahr meldete Nomina noch zweistellige Zuwachsraten bis weit über 50 Prozent in allen Software-Marktsegmenten. Heute ist nur noch in der Kategorie der branchenübergreifenden Programme ein zweistelliges Wachstum zu erkennen, nämlich ein Plus von 13,3 Prozent auf rund 1200 Anwendungen. Eine bescheidene Zunahme gibt es bei den Systemprogrammen um 19 auf 546 Angebote. Bei den Branchen- und den technischen Programmen stagniert die Entwicklung.

Ein Blick auf die Details offenbart, dass die Zahl der Programme hauptsächlich in speziellen Anwendungsbereichen wächst. Unter den branchenübergreifenden Softwares verzeichnet das Segment Marketing, Vertrieb und Auftragsabwicklung ein Plus von 21,5 Prozent. Das Angebot für Business Intelligence und Planungssysteme hat gar um fast ein Drittel zugenommen. 16,4 Prozent mehr Anwendungen gibt es für ERP- und PPS-Systeme, Zeitwirtschaft, Instandhaltung und Qualitätssicherung. Das Portfolio an Office-Lösungen sowie für Bürokommunikation und Desktop Publishing ist um 18,5 Prozent gewachsen.

Punktet Linux auf dem Desktop?

Nomina-Chef Bassow: "Ein großes Wachstumspotenzial hat sicher noch der Desktop-Bereich, in dem Linux noch viele Punkte sammeln kann." Alle anderen Teilsegmente unter den Branchenprogrammen zeigen deutliche Anzeichen einer Angebotssättigung. Bei den großen Gewinnern des letzten Jahres, nämlich bei Electronic Commerce sowie Dokumenten-, Knowledge- und Content-Management, tut sich quasi nichts mehr. Haben die Anwender kein Interesse an den Offerten?

Stagnierend oder gar leicht rückläufig ist das Angebot an Programmen für einzelne Branchen. Nur noch für das Segment öffentliche Verwaltung, Verbände und Bildungswesen ist mit 6,7 Prozent ein leichtes Plus zu melden. Das ist ziemlich überraschend, denn vor allem Linux-interessierte Kommunen beklagen immer noch, dass etliche Anwendungen nicht für das quelloffene Betriebssystem verfügbar sind.

Tools gleichen Komplexität aus

Unter den kaum noch Zunahme verzeichnenden Systemprogrammen fällt ein Ausreißer auf: Es gibt im Vergleich zu 2004 heute 22,2 Prozent mehr Lösungen für das System-Management. Diese Nomina-Angabe ist interpretationsfähig, weil keine genaueren Angaben vorliegen: Zum einen kommt einem sofort die rasante Verbreitung von Linux-Clustern in den Sinn, die eine Zunahme der unumgänglichen Cluster-Administrations-Tools zur Folge gehabt haben könnte.

Zum anderen war in diesem Jahr auffällig, dass sich immer mehr Anbieter im Linux-Spektrum um kleine und mittelständische Unternehmen bemühen, seit größere Firmen ihre Linux-Projekte zunehmend aus eigener Kraft stemmen. Das Know-how-Defizit im Mittelstand verlangt nach Tools, welche die höhere Komplexität von Linux im Vergleich zu Windows zumindest ausgleichen.

Kaum CAD-Systeme

Insgesamt zeigen die Nomina-Zahlen, dass das Angebot Linux-fähiger Applikationen inzwischen sehr breit ist. Die gemeldeten Zuwächse deuten darauf hin, dass sich die Anbieter zunehmend auf den Mittelstand konzentrieren. Ob der dadurch aber viele Linux-Anwender hervorbringt, steht auf einem anderen Blatt. So ist das Angebot von CAD-Systemen bisher sehr bescheiden.

Früher hieß es, für Linux existierten zu wenig Applikationen. Das ist Schnee von gestern. Richtig ist, dass noch Linux-fähige Varianten einiger für große Anwendergruppen besonders relevanter Programme fehlen. Beispielsweise für die öffentliche Verwaltung oder für den Maschinen- und Anlagenbau. Wenig kann hier viel bewegen. Es besteht also kein Anlass, von einem Ende des Linux-Trends zu reden.