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20.02.1976

Stand-Alone-MIS oder Großintegration?

Mit Prof. Dr. Stucky, Lehrstuhl für Angewandte

Informatik II mit Stiftung Mittlere Datentechnik in Karlsruhe, sprach CW-Chefredakteur Dr. Gerhard Maurer.

- MDT heißt Mittlere Datentechnik und klingt sehr nach mittelständischer Wirtschaft. In der Tat wurden die Systeme ja entwickelt, um in kleineren und mittleren Unternehmen eingesetzt zu werden. Ist das auch heute noch das wesentlichste Anwendungsgebiet?

Kleine und mittlere Unternehmen bilden heute immer noch den Schwerpunkt des Einsatzes der MDT-Anlagen. Aber einmal erweitert sich das Spektrum aus technischer Sicht - ich denke hier an Externspeicher, Onlinefähigkeit, Erhöhung der Geschwindigkeit, Verbesserung der Systemsoftware und auch Erhöhung des Bedienungskomforts. Zum anderen ist festzuhalten, daß zentrale Groß-EDV in vielen Fällen zu teuer ist und oft zu starren, unbequemen Organisationsformen führt. Deswegen wird die Mittlere Datentechnik heute in zunehmenden Maße auch in Betrieben mit Groß-EDV eingesetzt, und zwar zusätzlich zur zentralen Anlage als Ergänzung für spezielle Anwendungsbereiche.

- Können Sie schätzen, wie sich - bezogen auf die laufende Produktion - die Verwendung der MDT-Systeme auf Stand-Alone-Systeme in Einzelfirmen und auf zusätzliche Anlagen in Konzernen mit Groß-EDV verteilt?

Eine Prognose ist da sehr schwierig, weil der Markt in dieser Beziehung recht unübersichtlich ist. Unter Umständen können bis zu 50 Prozent der Produktion einer speziellen MDT-Anlage in Unternehmen mit Groß-EDV eingesetzt werden.

- Was sind denn die entscheidenden Kriterien, die Großkonzerne veranlassen können, diesen bis jetzt ungewöhnlichen Weg zu gehen?

Es kann in Großkonzernen gewisse Aufgabenbereiche geben, die mit normalem Batch-Betrieb im Rechenzentrum nicht besonders gut abgearbeitet werden können, beispielsweise der Bereich der Management-Informationssysteme.

- Aber wenn sich dergleichen komplexe Systeme nicht so leicht auf Groß-Anlagen realisieren lassen, wie denn soll das auf MDT-Systemen möglich sein?

Wenn man nicht zu anspruchsvoll ist, lassen sich kleinere Systeme relativ schnell auf MDT-Anlagen realisieren.

- MDT-Anlagen sind ja eigentlich dafür prädestiniert, kleinere Datenmengen zu verarbeiten. Denken Sie an Lösungen dergestalt, daß die Massenarbeiten auf der Groß-EDV abgewickelt werden und sozusagen die zusammengefaßten, die aggregierten Daten auf MDT-Anlagen für ein Chefzahlen-System genutzt werden?

Ich glaube, für solche Lösungen wird MDT wohl auch eingesetzt. 10 Beispiele dürfte es bestimmt geben, wahrscheinlich zwischen 10 und 100 in der Bundesrepublik.

- Das wäre aber doch ein bißchen vorsintflutlich, wenn man sozusagen auf dem Groß-EDV-Drucker Daten ausgeben läßt, die dann manuell in das MDT-System zwecks MIS-Auswertungen eingegeben werden müssen?

Ich glaube, der Trend geht auch davon weg. Chancen für einen Einsatz im Konzern hat die MDT meines Erachtens künftig vor allem als intelligentes Terminal im Verbund mit einem Großrechner oder auch im Verbund mit anderen MDT-Systemen.

- Dergleichen Konzepte werden ja auch von Systemhäusern angeboten, allerdings mit Minicomputern als Hardware.

Ich glaube, wir sollten hier die Minicomputer nicht als zu unterschiedlich von der MDT ansehen. Es gab bisher durchaus größere Unterschiede, aber die werden zur Zeit verwischt. Die MDT wird sich in allen technischen Punkten den Minis annähern. Ich glaube, man sollte beide unter dem Begriff, "Small Business Computer" zusammenfassen.

- Es gibt ja das Gesetz der Kostendegression bei zunehmender Leistung. Was ja besagt, daß weitere Anwendungen auf den Großrechner relativ billig kommen, wohingegen die ersten wenigen Anwendungen auf einem System wegen des relativ hohen Overheads immer noch recht teuer sind. Gilt dieses Prinzip nicht mehr?

Wenn man MDT als Stand-Alone-Anlagen einsetzt, dann kann es durchaus billiger sein als Teleprocessing bei einer Großanlage. Wenn nämlich noch kein Teleprocessing da ist und man TP nur für ein einfaches Informationssystem anschließt, dann wächst der Overhead zunächst einmal sehr stark an, weil man ein relativ großes Programmsystem zusätzlich einbauen muß.

- Gibt es da nicht vielleicht ein Wirtschaftlichkeitskalkül, das man aufstellen könnte? Dergestalt, daß man sagt, solange für ein MIS-System nur relativ wenig Zugriffe gebraucht werden, lohnt es sich nicht, eine Dialogsoftware und dazugehörige Steuerung auf dem Großrechner zu implementieren?

Grundsätzlich wären solche Probleme formal darstellbar, und man kann sie in vielen Fällen dann auch einem mathematischen Kalkül zugänglich machen. In der Praxis lassen sich aber die Ausgangsdaten nur mühsam beschaffen: Zuverlässige Zahlen über den Informationsbedarf von Entscheidungsträgern beispielsweise sind selten erhältlich. Zum anderen ist es fast unmöglich, Ziele der Organisation einigermaßen objektiv zu bewerten.

Wenn aber anspruchsvolle Management-Informationssysteme benötigt werden, dann setzt das eine Integration des Datenbestandes in einer Datenbank voraus, und dies impliziert bislang noch die Verwendung einer größeren, zentralen EDV-Anlage.

Prof. Dr. Wolffried Stucky (36) ist seit Jahresbeginn Inhaber des Lehrstuhles "Angewandte Informatik II mit Stiftung Mittlere Datentechnik" an der Universität Karlsruhe. Vorher hatte er - seit 1971 - den "Stiftungslehrstuhl" für Organisationstheorie und Datenverarbeitung nebenamtlich inne, den die fünf MDT-Firmen Kienzle, Hohner, Philips, Ruf und Taylorix finanzierten. Stucky studierte Mathematik in Saarbrücken und war nach seiner Promotion 1970 fünf Jahre lang in der wissenschaftlichen Datenverarbeitung bei der Pharmaindustrie tätig. Jetzt ist er hauptberuflich Hochschullehrer und befaßt sich schwerpunktartig mit Informationssystemen und Datenbanken, wobei er sich bemüht, "immer wieder den Bezug zur MDT herzustellen" - denn "MDT allein ist kein Forschungsgebiet".