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27.02.1987 - 

Sun Microsystems sieht keine Gefahr für ihr Windowing-System:

Standard für Fenstertechnik steht vor der Tür

FRANKFURT (cp) - Die Einführung eines Fenstertechnik-Standards für grafische Rechnersysteme kündigten jetzt elf DV-Hersteller an. Das Produkt mit der Bezeichnung "X-Window" erlaubt die Nutzung der Fenstertechnik auf verschiedenen Rechner-Architekturen und virtuell über Netzwerke. Entwickelt wurde X-Window bei der Anwenderforschung für Hochleistungs-Workstations vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) und dem Laboratory of Computer Science.

An der Einführung dieses Standards sind Adobe Systems Inc., Apollo Computer Inc., Aplix Inc., Dana Computers Inc., Data General Corp., Digital Equipment Corp. Hewlett-Packard Co., MassComp, Siemens AG, Sony Corp. und Stellar Computer beteiligt. Das MIT betrachtet X-Window als öffentlichen Standard, dessen Source-codes ohne Lizenzgebühr oder sonstige Restriktionen frei zur Verfügung gestellt werden. Daher sei das Produkt offen für weitere Hersteller grafischer Rechner und für die Einbindung in Applikationen.

X-Window wurde speziell zu dem Zweck entwickelt, unterschiedliche Hardware zu unterstützen und rechnerunabhängige Schnittstellen zu bieten. Somit könnten grafische Anwendungen netzwerktransparent in unterschiedlichen Fenstern verschiedener Workstations dargestellt werden. Ein spezielles Protokoll, das unabhängig von Hardware und Betriebssystem ist, soll dabei die Kommunikation unterschiedlicher Architekturen und die Portabilität grafischer Darstellungen sicherstellen. Dieses Protokoll weist Erweiterungsmöglichkeiten auf, die es X-Window erleichtern, Applikationen, grafische Bibliotheken wie "Phigs" und Sprachen für die Dokumentenbeschreibung zu unterstützen.

Sun Microsystems indes gibt sich völlig unbekümmert angesichts der Konkurrenz, die ihr Windowing-System" News" für Unix-Rechner jetzt erhalten hat. Schließlich handele es sich bei "News" nicht um eine einfache Windowing-Umgebung, sondern um ein Werkzeug, mit dem Fenstertechnik-Systeme entwickelt werden können, teilte das Unternehmen mit. Außerdem unterstütze News den neuen Standard. Allerdings möchte Sun Microsystems nicht zu den Herstellern gezählt werden, die X-Window als Standard fördern, da das Produkt zu starr sei. Sun appelliert daher an die Kunden, sich nicht mit X-Window abzugeben, sondern News einzusetzen. Denn falls X-Window sich als Standard etabliere, entstünden für den Anwender keine Kosten für die Softwarekonvertierung, argumentiert der Workstation-Hersteller. Sun befindet sich nach Ansicht des Londoner Nachrichtendienstes Computergram jedoch mit News in einer ungünstigen Position. Der Verkaufsschlager für ihr Produkt sei die Unterstützung der Druckersprache Postscript gewesen - und der Entwickler von Postscript Adobe Systems, fördert als eines der elf Unternehmen den Standard für Fenstertechnik.

In der DV-Branche wird auch vermutet, daß IBM die Neuentwicklung unterstützen könnte. Die Entwickler des Andrew Systems an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh haben sowohl X-Window als auch News auf dem IBM RT getestet. Obwohl Big Blue nicht bereit gewesen sei, das Produkt offiziell zu unterstützen, werde es vom Branchenführer eingesetzt, hieß es.