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22.07.1977

Standard-Software: Abgeblockt vom Profi

Nach wie vor ist unter EDV-Anwendern die Meinung über Standard-Software geteilt. Obwohl inzwischen fast so viele Programmpakete angeboten werden, wie Universalrechner installiert sind, ist der Umsatz auf dem Softwaremarkt - verglichen mit den Gesamterlösen der Hardwarehersteller - minimal. Doch jetzt setzen die Beratungsfirmen auf eine neue Zielgruppe: Sachbearbeiter in den Fachabteilungen von Groß- und Mittelbetrieben sollen ihre Anforderungen mit einfachen und handlichen Software-Systemen selbst lösen. Daß die Neigung, Standard-Software einzusetzen, bei der harten Kerntruppe von EDV-Profis gering war und ist, deuten Software-Verkäufer als Schutzreaktion: EDV-Leiter fürchten, die mit dem Einsatz von Fremdsoftware verbundene Einsparung hauseigener Manpower würde mittel- und langfristig zu einer Reduzierung des Programmierstabes führen. Gegenargument der Anbieter: Wenn eine EDV-Abteilung selber programmieren kann, dann arbeitet sie letztlich nicht wirtschaftlich. Solcherart mit dem Rücken an der Wand, haben gewiefte EDV-Leiter einen genialen Ausweg gefunden. Man täuscht Interesse vor, prüft ein Paket auf Herz und Nieren, zerredet alles, will im Grunde aber gar nicht kaufen. Dies vermuten jedenfalls frustrierte Software-Verkäufer und beklagen das leidige Auswahlproblem. Solange es keine verbindlichen Funktionsstandards für Software gibt, ist es nun einmal leicht, über die Beschaffenheit eines Programms zu mäkeln. Was (für den Anbieter) erschwerend hinzukommt: Je tiefer ein Anwender in der Programmierung drinsteckt, um so besser kann er die Programme anderer beurteilen je größer das Know-how, desto tiefer das Mißtrauen. Das kann so weit gehen, daß ein "alter Hase" überhaupt nicht mehr in der Lage ist, eine gradlinige Lösung zu akzeptieren: Was einfach ist, kann nicht gut sein. Da muß es der Verkäufer von Standardprodukten schwer haben.

Unter diesem Aspekt ist es verständlich, daß neuerdings versucht wird, den EDV-Leiter als "Auftragsverhinderer" zu umgehen. Der EDV-Laie in der Fachabteilung wird - so hoffen die Softwarehäuser - an die Programmauswahl viel unbefangener herangehen. Ihn interessiert weniger, ob ein Programm vom Design her optimal ist, als vielmehr, welche Auswertungen herauskommen und wie einfach das System zu handhaben ist. Das ist es ja gerade, was den Endbenutzer verprellt! Daß die EDV seine Wünsche nur widerwillig entgegennimmt und nur zögernd befriedigt. Daß allein die Verständigung mit dem Spezialisten zum Problem wird. Daß das Rechenzentrum viel zu weit weg ist. So und ähnlich wurden und werden die Vorwürfe gegen die EDV als "Staat im Staat" artikuliert. Nicht, daß die meisten Computeure diese Tatsache wegleugneten - im Dreischicht-Streß wird man jedoch den besten Vorsätzen untreu. Bleibt als Konsequenz, daß sich die EDV-Leiter gegenüber den Autarkiebestrebungen der Fachabteilungen aufgeschlossen zeigen Konten. Denn nirgends kann so viel gespart werden wie bei der Programmierung. Begrüßenswert also, wenn die in den sonstigen Abteilungen brachliegenden Kapazitäten genutzt werden. Wobei es sich von selbst versteht, daß die Programmierwerkzeuge, mit denen vor Ort gearbeitet wird, so einfach wie möglich sein müssen. Das macht ja den Rationalisierungeffekt aus, daß EDV-Laien nicht erst zu Spezialisten verbildet werden.