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16.09.1977

Standard - Software für die Fachabteilung?

Mehr und mehr zeigt sich in den Verkaufsstrategien mancher EDV - Anbieter der Trend, als Ansprechpartner nicht mehr den EDV - Chef zu sehen, sondern Absatzmöglichkeiten in den Fachabteilungen zu suchen. Bekannt sind Fälle, wo MDT -Computer durch die "Hintertür" verkauft wurden; nun soll es auch Standard - Software -Pakete geben, die über diesen Vertriebsweg angeboten werden. Daß die Fachabteilung bei der Implementierung ihrer Anwendungen dabeisein sollte, steht außer Diskussion. Aber die Entscheidung, was letztendlich installiert wird, sollte doch da fallen, wo das meiste Know -how steckt: in der EDV - Abteilung. Und genau das bestätigen die nachfolgenden vier Statements. hö

Gustav Adolf Grimme, Leiter des Rechnungswesens, BAT Zigaretten - Fabriken GmbH, Hamburg

Nach unserer Kenntnis gibt es auf dem Markt für Fachabteilungen nur in sehr begrenztem Umfang unmittelbar und ohne Änderung durch die Datenverarbeitung einsetzbare Standardsoftware, weil in der Regel die unternehmensspezifischen Bedürfnisse nicht in befriedigender Weise abgedeckt werden. Außerdem kann die angebotene Software aus Kompatibilitätsgründen oft nicht universell eingesetzt werden. Sofern wir Standardsoftware erwerben, erfolgt die Analyse und der Ankauf in Zusammenarbeit zwischen der Datenverarbeitung und der Fachabteilung.

Grundsätzlich reichen uns - also der Fachabteilung - die von der Datenverarbeitung erstellten Informationen aus.

Größere Änderungen an bestehenden Verfahren, beziehungsweise neue EDV -Projekte, unterliegen einem formalen Antragsverfahren. Hierüber entscheidet ein von der Unternehmensleitung eingesetztes Gremium. Dieses Gremium vergibt auch Durchführungsprioritäten. Nach Projektierung werden die Aufgaben in enger Zusammenarbeit zwischen Fachabteilung und Datenverarbeitung gelöst und die geschaffenen Systeme gemeinsam implementiert.

lm Rahmen dieser Zusammenarbeit und auch schon im Antragsverfahren hat die Fachabteilung maßgeblichen Einfluß auf lnput und Output.

Bernd Hentschel, Leiter der Lohn - und Gehaltsabteilung, Fordwerke AG, Köln

Daß heute viele Verkäufer versuchen, die EDV zu umgehen und der Fachabteilung etwas verkaufen zu wollen, ist bekannt. Speziell im Bereich der Anwendungssoftware aber halte ich diesen Weg für ungangbar, schon gar nicht bei einem Großunternehmen, das eine gutfunktionierende Systemabteilung hat. Bei uns im Hause ist derartiges ausgeschlossen. Die meisten Pakete werden bei uns selbst erstellt, zum anderen würde eine Fachabteilung nie alleine eine Entscheidung über Softwareerstellung oder -ankauf treffen. Sie ist zwar verantwortlich für die rechnerischen und sachlichen Ergebnisse, die Verantwortung der technischen Realisierung jedoch liegt bei der EDV - Abteilung.

Außerdem ist eine Fachabteilung nicht in der Lage zu beurteilen, ob das angebotene Software - Paket den technischen Anforderungen entspricht. Ein Beispiel: Am 1. 1. 78 tritt das Steueränderungsgesetz in Kraft. Um diese Änderung durchgeführt zu bekommen, tritt die Fachabteilung an die EDV heran mit einer spezifizierten Anforderung auf Anpassung oder Neuprogrammierung des Moduls (vergleiche Hentschel/Klement/Gliss: Leitfaden-Ablauf in der Lohn- und Gehaltsberechnung - Systematik des Abrechnungsverfahrens - Bachem-Verlag, Köln). Ist die EDV dazu - aus bestimmten Gründen - nicht in der Lage, wird sie Angebote von Software-Anbietern einholen. Liegen diese dann vor, wird gemeinsam mit der Fachabteilung entschieden, welches dieser Pakete die Anforderung beider Bereiche erfüllt. Zudem muß beurteilt werden, ob der Einsatz eines Fremd-Paketes nicht einen unvertretbaren technischen Mehraufwand mit sich bringt, und das kann wiederum nur die EDV beurteilen.

Grundsatz unseres Hauses ist also: Derartige Entscheidungen zu fällen.

Beim Einsatz von sogenannten "Datei-Auswertungsprogrammen" in der Fachabteilung möchte ich noch auf einen wichtigen Punkt hinweisen, der meiner Meinung nach noch nicht im richtigen Licht gesehen wurde. Die Möglichkeit der Listen-Generierung - und nichts anderes tun letztlich diese Pakete - beinhaltet im Hinblick auf das Bundes-Datenschutzgesetz unkontrollierbare und damit gefährliche Auswirkungen: Der Datenschutzbeauftragte hat - nach Paragraph 29, Nr. 3 - -die Ordnungsmäßigkeit der DV-Programme zu überwachen. Er muß also bei seiner Datei-Übersicht, dem Datei-Register, nicht nur wissen, welche Dateien bestehen, sondern auch welche Programme. Da diese Listengenerierung nicht nur laufend, sondern auch sporadisch vorkommen kann, die Listen selbst dem Schutz des BDSG unterliegen (aus Dateien übermittelt), außerdem selbst Dateien sein können, kann sich hier eine Grauzone eröffnen, von deren Existenz der DSB negativ überrascht werden kann; ganz abgesehen von ihren Auswirkungen im Hinblick auf Zulässigkeit der DV, Rechte der betroffenen und Datensicherungsmaßnahmen. Eröffnet man die Möglichkeit der Listengenerierung, muß die Datensicherheit ganz in den Vordergrund gestellt werden, und deshalb möchte ich warnend den Finger heben.

Hans Ufer,

Prokurist, Leiter der Hauptabteilung Zentrale Planung, Deutscher Ring Lebensversicherungs-AG, Hamburg

In unserem Hause sind wir der Meinung, daß grundsätzlich sämtliche Hardware- wie auch Software-Konfigurationen ausschließlich entweder von der Leitung der Datenverarbeitung oder zumindest mit zustimmender Kenntnisnahme der EDV-Leitung bestellt werden sollen und müsse. Sollten sich Situationen ergeben, in denen einzelne Fachabteilungen dringend mittelfristig EDV-Kapazitäten benötigen, welche in diesem Zeitraum nicht von der EDV zur Verfügung gestellt werden kann, so könnte man sich unter der Bedingung damit einverstanden erklären, daß einzelne Abteilungen entweder intelligente Terminals oder kleinere Rechenanlagen mieten, wenn die Kompatibilität softwaremäßig mit der Großanlage gewährleistet ist.

Eine isolierte Bestellung von Software-Paketen durch Fachabteilungen mit dem Ziel, diese über die große Anlage verarbeiten zu lassen, wird von uns strikt abgelehnt.

Bei dezentralen MDT-Anlagen sehen wie die Gefahr, daß diese in den Fachabteilungen eine Eigendynamik und Eigengesetzlichkeit entwickeln, die eine spätere Überprüfung auf die Zentrale EDV, wenn nicht unmöglich machen, so doch außergewöhnlich erschweren. In unserem Hause wird derzeit darüber nachgedacht, im Rahmen der Erweiterung der Hardware-Kapazität den Fachabteilungen über TSO mit Hilfe reduzierter programmiersprachen die Möglichkeit zu geben, Auswertungsprogramme selbst zu erstellen. In diesem Falle könnten die Fachabteilungen im Rahmen der vorhandenen Hard- und Software-Konfiguration selbständig mit vorhandenen Daten operieren.

Gerhard Samter

Leiter Organisationsplanung, E. Merck, Darmstadt

Bei der Frage nach Software-Paketen für die Fachabteilung muß man grundsätzlich unterscheiden zwischen Paketen für den kommerziellen, den technischen und den wissenschaftlichen Bereich sowie Soiftware für Prozeßsteuerung.

Im kommerziellen Bereich gibt es die wenigsten Probleme, bedingt durch unsere Unternehmensstruktur: Merck ist ein sehr zentralisiertes Unternehmen, beinahe die gesamten Produktionsstätten liegen im Darmstädter Raum. Die Abwicklungen erfolgen demzufolge meist zentral. Wir haben also ein zentrales Rechenzentrum; in dem praktisch alles abläuft, was sich auf dem kommerziellen Sektor abspielt. Damit ist eigentlich die Frage ganz klar beantwortet, warum eine Fachabteilung kein Programmpaket in eigener Regie kaufen kann. Es wird zwar des öfteren mit Angeboten an die Fachabteilungen herangetreten - dagegen habe ich auch gar nichts - nur, bei uns weiß die Fachabteilung, daß sie kein Paket kaufen kann, das nicht durch uns akzeptiert ist.

Zur Verdeutlichung möchte ich die Unternehmensgliederung aufzeigen: Einmal gibt es den Bereich Organisationsplanung, der direkt der Geschäftsleitung unterstellt ist. An diesen Bereich angegliedert ist die Abteilung Organisation, zuständig für die Datenverarbeitungs - und allgemeine Organisation, die Abteilung Systemplanung und Programmierung, eine Abteilung wissenschaftliche Datenverarbeitung und das zentrale Rechenzentrum.

Mit dieser Gliederung sind alle Aktivitäten an einer Stelle koordiniert. Da es im Hause Merck die Datenverarbeitung schon seit dem Jahre 1923 gibt, weiß wirklich jeder Mitarbeiter, daß eben nur dieser Bereich entscheiden kann.

Natürlich sind neben der Großrechenanlage eine Reihe von kleineren Systemen in den Fachabteilungen installiert, aber auch dort kann nichts realisiert werden, ohne daß wir zumindest davon informiert wurden und unser O. K. erteilt haben.

Auch Datei - Auswertungsprogramme für die Fachabteilungen werden nicht akzeptiert, teilweise hängt das aber mit unserer sehr eigenwilligen DV - Konzeption zusammen.