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Zu viele inkompatible Treiber

Standardisierungs-Hick-Hack reduziert Umsatzerwartungen

07.12.1990

*Winfried Timmermanns arbeitet bei K + S in Nürnberg

Die Zukunft hat bereits begonnen: 20-MB-Disketten, optische Papiere, 1-Zoll-Festplattenlaufwerke und magneto-optische Laufwerke heißen, die neuen Schlagworte. Auf der Comdex '90 in Las Vegas wurden in der letzten Woche neue Akzente gesetzt. Die Standardisierungsdebatte ist in Gang gekommen.

Die weltweit führenden Mediahersteller für magneto-optische Cartridges, nämlich 3M, Hoechst, PDO und Sony, unterstützen seit geraumer Zeit die Idee, die Vorteile dieser Technologies, mit der sich große Datenmengen leicht und sicher weltweit austauschen lassen durch Standardisierung der Formatierung und Treiber für alle Hardwarehersteller und Systemintegratoren zugänglich zu machen. Historisch bedingt haben vor zwei Jahren weltweit zirka 40 Firmen begonnen, eigene Treiber für Rechner zu schreiben. Zwangsläufig entstanden daraus 40 eigenständige, nichtkompatible Lösungen, da der existierende ISO-Standard für Media nur Eckwerte und Mindestanforderungen enthält, die jedem Entwickler viel Spielraum für eigene Entscheidungen lassen.

Heute gibt es daher allein für MS-DOS mehr als 30 oder weniger gebrauchsfähige Treiber. Gemeinsam ist den meisten nur ihre lnkompatibilität zu anderen Treibern. Die traurige Konsequenz daraus: Alle Hardwarehersteller, Mediaproduzenten und Systemintegratoren erreichten ihre Umsatzvorgaben nicht. Den Ausweg hieraus bietet aller Wahrscheinlichkeit nur die Erstellung eines "Common Device Driver" und eine darauf abgestellte von allen Mediaherstellern angebotene formatierte Cartridge.

Wichtige Voraussetzungen

Folgende Voraussetzungen müssen dafür erfüllt werden (für MS-DOS):

-Alle magneto-optischen Drives nach ISO-Spezifikation sind zulässig.

-Alle werksformatierten Cartridges müssen auf jedem Drive beschrieben und auf jedem anderen Drive weiterbearbeitet, das heißt gelesen und beschrieben werden können.

-Der Treiber hat Host-Adapter-unabhängig zu sein.

-Es muß Raum für spezielle zusätzliche Attribute von einzelnen Systemintegratoren bleiben.

-Mindestvoraussetzung ist DOS mit 16-Bit-FAT-Struktur.

-Alle MS-DOS-Restriktionen sind einzuhalten.

-Die Sicherungsvorkehrungen gegen Staub für die Anlage der Primary- und Secundary-Defectlist müssen beachtet werden.

Auf der Comdex Fall '90 wurde das Für und Wider einer Formatierung durch die Mediahersteller diskutiert. Am Ende stand eine Einigung der Firmen

3M und Hoechst, ab Anfang 1991 für den DOS-Bereich nur noch High-level-formatierte

Cartridges mit beigefügtem Treiber für Compaq-DOS 3.31, DR DOS 3.41, MS DOS 4.01,

OS/2 und PC-MOS 5.0 auszuliefern.

Unabhängigkeit von einem Systemintegrator

Diese Treiber erlauben zu dem den Einsatz unterschiedlicher Host-Adapter (zum Beispiel Future Domain, Adaptec, lnfosys) und sind mit AT-Bus und Microchannel verwendbar. Dadurch wurde die Unabhängigkeit von einem bestimmten Systemintegrator erreicht, so daß erstmals weltweit Cartridges versendet werden können, die mit dem jedermann zugänglichen Treiber der Mediahersteller arbeiten. Großfirmen die überregional tätig sind, werden diese Technologie sicherlich begrüßen.

Die technischen Überlegungen für die Low-level-Formatierung nehmen auf spezifische Probleme der magneto-optischen Technologie, wie sie bis her nur selten von Systemintegratoren beachtet worden sind, Rücksicht: Im Gegensatz zur Winchester-Technologie kann Staub durch den Luftstrom auf die Cartridge-Oberfläche kommen. Staub ist der Feind Nummer eins für die Lesbarkeit von Daten. Aufwendige Untersuchungen, haben ergeben, daß sich neben "normalen Staubpartikeln" auch Eiweißverbindungen, Blut und diverse Schwermetalle auf einer Cartridge-Oberfläche finden lassen.

Besonders Mikrostaub, der nur wenige m groß ist, sorgt dafür, daß beim Lesevorgang aus der Reflexion des Laserstrahls eine Absorption wird. Scheinbar sind dann die Daten verschwunden. Außerdem wurde entdeckt, daß sich der Schmutz nicht gleichmäßig über die Oberfläche verteilt, sondern bedingt durch Luftverwirbelungen, die durch die Umdrehungsgeschwindigkeit und den Aufbau des Innenraums des Laufwerks entstehen, auf Schmutzinseln konzentrieren. Wenn unter einer solchen Schmutzinsel eine Defectliste angelegt ist, ergeben sich vielfältige Probleme. Als Ausweg erlaubt die ISO-Norm das Einrichten mehrerer Userbands mit jeweils 1024 Spare-sectoren an. Die höhere Sicherheit ist augenfällig.

Schmutz täuscht Datenverlust vor

Gleichzeitig erhöht sich die Zugriffszeit auf Daten gegenüber der Cartridge mit einem Userband nach langem Gebrauch deutlich. Die Gesamtkapazität der Cartridge wird dadurch kaum geschmälert. Verschmutzte Cartridges führen nicht nur beim Lesen zu "Datenverlust", auch das Beschreiben einer dreckigen Cartridge verändert die Abmessung des Datenpixels.

Bereitet zunächst schon das Lesen einer verschmutzten Cartridge durch Abnahme der Reflexionsleistung Schwierigkeiten (Erhöhung des Read retry counts), so ist das Lesen eines Bereichs, der im verschmutzten Zustand geschrieben werden ist, da die Pixel kleiner ausgefallen sind, noch schwieriger und es kommt noch schneller zu scheinbarem Datenverlust.

Abhilfe schafft das Reinigen der Cartridge. Der in Zukunft von den Mediaherstellern gelieferte Treiber sieht ein automatisches Mitzählen der Leseversuche vor und unterrichtet den Benutzer von Leseproblemen. Die Universalität des Treibers wird durch einen modularen Aufbau erreicht. Je ein Modul der Funktionen Betriebssystem, Drive und Host-Adapter sind durch offene Schnittstellen vom Benutzer konfigurierbar und für zukünftige Hard- und Software offen.

lm Laufe des nächsten Jahres ist für Unix und Apple mit gleichartigen Lösungen zu rechnen.