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04.09.1987 - 

Nutzen von Grafiknormen hängt vom guten Willen der Hersteller ab:

Standards laufen der Technik hinterher

04.09.1987

FRANKFURT (CW) - Die Normierung von Grafikstandards nahm mit dem Grafischen Kernsystem (GKS) vor zwei Jahren ihren Anfang. Als Standard für ein Metafile-System kam im vergangenen Jahr CGM (Computer Graphics Metafile) hinzu. Gegenwärtig wird an der Formulierung eines Computer-Graphics-Interface (CGI) und an Phigs gearbeitet. Über die Einsatzmöglichkeiten, Trends und Grenzen von Grafiknormen äußerte sich Rolf Dörr, Geschäftsführer der Frankfurter PVI Precision Visuals GmbH.

Eine Normierung erfordert in der Regel ein Referenzmodell, das aus dem gängigen Wissen über den praktischen Einsatz der Technik gebildet wird, erklärte Dörr. Da die noch junge Technik der Computergrafik jedoch einem sehr raschen Wandel unterliege, gerate ein Konsens über das Referenzmodell zu einem langwierigen und schwierigen Prozeß. Hinzu komme, daß die fortschreitende Entwicklung der Hardware-Techniken die Standards ständig veralten lasse.

Nach den Worten des PVI-Geschäftsführers sieht die Realität beim Einsatz von Grafiknormen so aus, daß sich die mit Hilfe genormter Werkzeuge erstellte Software nicht auf allen Zentraleinheiten und grafischen Endgeräten einsetzen lasse. Dies sei nur möglich, wenn das unterste Level des Standards verwendet wurde.

Die Leistungsfähigkeit von Anwendungsprogrammen, die auf der Basis eines Grafikstandards geschrieben wurden, wird sich laut Dörr in dem Maße erhöhen, in dem der Grafikstandard in Firmware implementiert wird. Die Hardwareanbieter versuchen jedoch, sich voneinander zu unterscheiden und zeigen wenig Interesse an Standards, ist die Erfahrung von Dörr. Daher werde es innerhalb der nächsten fünf Jahre keine praktisch einsetzbaren Firmware-Implementationen von Grafikstandards geben.

Die Erfahrungen von PVI hätten gezeigt, daß GKS dann eine gute Basis für Grafikanwendungen darstelle, wenn die Portabilität der zu erstellenden Grafikprogramme sehr wichtig und die Anforderungen an die Funktionalität nicht zu hoch seien, Sofern auch die Ablaufgeschwindigkeit keine oberste Priorität besitze und ein breites Spektrum grafischer Endgeräte unterstützt werden solle, sei der Einsatz von GKS-Software zu empfehlen.

Der Einsatz von Phigs-Software sei im wesentlichen dann angezeigt, so Dörr weiter, wenn es um komplexe 2D- und 3D-Modellierungsaufgaben ginge, bei denen möglicherweise auch eine grafische Datenbank gefordert sei. Jedoch sei die Leistungsfähigkeit von Phigs-Programmen - solange der Standard fein in Software implementiert sei - CPU-abhängig und damit nicht wesentlich besser als etwa GKS- oder DI-3000-Programme. Performance-Gewinne könnten erst dann erwartet werden, wenn Phigs von den Hardwareherstellern in Firmware implementiert werde.

Beim Einsatz von derartiger Software sollte nach den Darstellungen Dörrs weiter beachtet werden, daß der Teil der grafischen Eingabe des Phigs-Standards noch sehr instabil sei und noch einer Reihe von Änderungen unterliegen werde. Zudem könne mit einer offiziellen Verabschiedung der Phigs-Norm nicht vor Ende 1989 gerechnet werden. Auch bei Grafikstandards gilt nach Ansicht des PVI-Chefs die 80:20-Regel: Wenn man auf 20 Prozent der Hardware-Geräte-Unabhängigkeit verzichtet, erreicht man 80 Prozent Leistungsfähigkeit.

Zu den Möglichkeiten und Grenzen von Phigs äußerte sich ferner Klaus Garms, Vertriebsbeauftragter bei PVI. Nach seinen Ausführungen ist Phigs als logische Weiterentwicklung bestehender Normen zu sehen. Die wesentlichen Unterschiede zu GKS seien eine zentrale Datenbasis, in der definierte Objekte abgelegt werden können, des weiteren die Möglichkeit der hierarchischen Strukturierung, Modellierungsfunktionen und dynamisches Editieren.

Diese Inkompatibilitäten wurde Garms zufolge bewußt in Kauf genommen, da andere Standards diesen Anforderungen nicht genügen würden. Eine einfache Portierung von GKS-Programmen auf Phigs-Implementierungen werde damit nur schwer erreichbar sein.

Nach Angaben von Garms gibt es bislang noch keine echte Phigs-Implementierung; erste vernünftige Anwendungen seien erst im nächsten Jahr zu erwarten.