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20.09.1991

Standardsoftware: Angebote a la "Hamburger Fischmarkt" Bernd Hentschel, Alga, Fachforum Lohn- und Gehaltsabrechnung, Köln

Der Standardsoftware-Markt ist wieder in Bewegung geraten. Die glücklichen "Goldgräberzeiten" sind ein für allemal vorbei, damit die fetten Jahre, in denen, getrieben vom Gesetzgeber, die Käufer nur eingesammelt zu werden brauchten, um sie zu Anwendern (Usern) zu machen, die über die zu entrichtenden Wartungsgebühren eine ständige Einnahmequelle sicherten Preiskämpfe, Kaufzugaben sowie Anpassungs-, Installations- und Serviceofferten a la "Hamburger Fischmarkt", zehren die Kapitalbasis auf und führen letztlich zum Anbieter-Exitus. Den Schaden haben die Anwender, die am Markt verbliebenen Anbieter freuen sich, denn ihnen ist ein größerer Anteil vom "Anwenderkuchen" gewiß. Die Verunsicherung der Anwender aber wächst, was Vorurteile aufbaut und folglich für die Softwarebranche nicht gerade von Vorteil sein dürfte.

Das zu hörende Anwender-Bonmot "die beste Standardsoftware ist die Individualsoftwarelösung" hilft der Masse der Anwender nicht, da ihre Entscheidung pro Standardlösung endgültig war beziehungsweise ist. Sie können nicht mehr zurück; die Konsequenz heißt weitermachen und erneut die richtige Wahl treffen, wozu spezielle Pflichtenhefte und Beratungsleistungen die betriebliche Entscheidung herstellerneutral aufbereiten helfen können.

Grundsätzlich wird auf Dauer einer Standard-Systemlösung der Vorzug zu geben sein, da sie gegenüber einer Individuallösung die Vorteile hat, kostengünstiger und frei von betrieblichen Engpässen, wie zu geringe Personalkapazität für Neuentwicklungen etc. zu sein. Nicht zu verkennen ist das Plus, daß bei Standardlösungen eine breite Basis an Erfahrungsträgern zur Verfügung steht, ein Entwicklungsrisiko nicht existent ist und die laufenden Wartungskosten kalkulierbar sind.

Die Orientierung muß für beide Seiten, (das heißt für Anbieter und Anwender) darauf gerichtet sein, Qualität, Zuverlässigkeit und Sicherheit bezogen auf Produkt und Anbieter für den Anwender zu fordern und zu bieten, der sich mit seiner Kaufentscheidung vertraglich auf längere Zeit bindet oder vereinfach ausgedrückt "verheiratet". Produkt- und Dienstleistungshaftung werden für den Anbieter, wenn er sie heute auch noch per Vertrag ausschließt, zukünftig unabdingbar werden, was eine ernstzunehmende und weiter erschwerende Hürde für die Softwarebranche bilden wird, an der sich weiter "Spreu vom Weizen" trennen.

Es ist richtig, wenn die Anbieter sich neu orientieren und nicht nur auf den deutschen Markt konzentrieren, sondern sich dem internationalen Markt zuwenden, speziell aber auf den europäischen Binnenmarkt ausrichten, um den Anwendern, die ebenfalls in den EG-Markt hineinwachsen, mit dem entsprechenden Serviceangebot zu begleiten und damit auch den europäischen Wettbewerbern, die in den deutschen Markt hineindrängen, auf deren eigenem Boden zu begegnen.

SAP, Walldorf, hat als deutscher Anbieter frühzeitig diesen strategisch wichtigen Schritt getan und auf dem europäischen Markt Fuß gefaßt. Die Sema Group, England, hat gehandelt und die ADV/Orga als deutsche.

Tochter übernommen, um sich diesen wichtigen Markt zu sichern. Die französische GSI hat den einmaligen Glücksgriff getan und sich die Lammert GmbH, damit Paisy, einverleibt, die damit zur hundertprozentigen Tochter der französischen Muttergesellschaft geworden ist. Die "Elefantenhochzeit" von Siemens mit Nixdorf war ebenfalls ein deutliches Zeichen des Konzentrationsprozesses im IT-Bereich. Hewlett-Packard hat seine Anwendungssoftware-Aktivitäten und damit auch das "Hppas-Paket" abgestoßen, das von dem Softwarehaus OSG, Stuttgart, weitergepflegt wird. Philips hat seinen Computerbereich an DEC abgetreten und verkauft. OPG Organisations-Partner ist ein debis-Systemhaus geworden, was für die Anwender eine sichere Zukunft unter dem Mercedes-Stern bedeutet. BOIS ist in Liquidation, die Nachfolge tritt die Soft-Line GmbH an. DOS, Wiesbaden ist ebenfalls auf der Strecke geblieben und wird von der neu gegründeten Becker Software GmbH fortgesetzt, die unter anderem das Produkt "Loga" betreut (siehe nebenstehende Tabelle).

Warten wir ab, was uns der Herbst und die Jahreswende bringen; hoffentlich keinen Winterschlußverkauf. Es wäre fatal, wenn die Anwender zum Spielball eines übergreifenden Konzentrationsprozesses würden. Die Anwender sollten sich zusammenschließen zur Wahrung ihrer Interessen.