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26.06.1998 - 

GPS Test '98: Pakete für den Mittelstand

Standardsoftware erfüllt Aufgaben nur zu 60 Prozent

Jede der Standardlösungen inländischer und ausländischer Anbieter mußte einen Test aus 350 Einzelprüfungen absolvieren. Die Produkte reichten von "Alpha 400", der Alpha- Intersoftware, über "KHK Line SQL" bis hin zu "XPPS" von Rembold+ Holzer (siehe Kasten " Die Produkte und ihre Schwächen"). Die Systeme unterstützen sowohl AS/400-, Unix- als auch Windows-Plattformen. "Der Test soll mittelständischen Unternehmen mit zehn bis 500 Mitarbeitern als Orientierungshilfe dienen", erklärt Joachim Urbon, Projektleiter bei GPS. Eine endgültige Entscheidung für ein Paket müßten Anwender anhand ihrer konkreten Unternehmensprozesse treffen.

Zum GPS-Prüfungsszenario gehören typische Anforderungen von Auftrags- und Kleinserienfertigern. Durchleuchtet wurden die Leistungsfähigkeit und der Abdeckungsgrad der Software für die Unternehmensprozesse Produktion, Vertrieb, Einkauf/Logistik, Rechnungswesen und Kundendienst/Service. Ebenfalls auf dem Prüfstand waren Trendthemen wie Anschluß an das Internet als neue Kunden-Schnittstelle oder die Abbildung des Euro (siehe Kasten "GPS-Methode").

Beachtlich ist, daß laut GPS alle Systeme, ob R/3 oder KHK, die Kernprozesse der Anwender zu 80 bis 90 Prozent abdecken. Daneben wurde die Flexibilität der Systeme klassifiziert, also wie starr oder anpassungsfähig Tabellen, Masken, Berichte etc. sind. Je nach Ausprägung in die eine oder andere Richtung können die Einführung, der Einstellungsaufwand und die Projektlaufzeiten massiv beeinflußt werden. Weiterhin flossen die Benutzerergonomie wie etwa die Gestaltung der Menüs, Online-Hilfen und Statusanzeigen in die Bewertung ein.

"Die Prozesse und Anforderungen der Unternehmen haben sich in den letzten Jahren viel schneller entwickelt als die Funktionalität der Software", lautet die Generalschelte der GPS-Tester. Der Wandel von dem reinen produzierenden Betrieb hin zum Dienstleistungsunternehmen findet bis heute keinen Niederschlag in der Standardsoftware. Unternehmen erweiterten heute permanent ihr Angebot.

Zusätzlich zum bisherigen Produktspektrum hätte sich der Service als wichtige Einnahmequelle etabliert. Diese Leistungen müssen vorgehalten, geplant und exakt verrechnet werden, wie früher das Material zur Herstellung von Produkten. Die einfache Umlagerechnung bekannter Art ist hier der falsche Weg. Sinnvoll ist die Prozeßkostenrechung, die in einigen Lösungen jedoch erst ansatzweise sichtbar ist, lautet das Urteil der GPS.

Sehr deutlich zeigten sich, so Urbon, auch Lücken im Bereich Produktion: Viele Systeme arbeiteten noch nach der Idee des Computer Integrated Manufacturing (CIM) der achtziger Jahre. Kein Wunder, denn die Konzepte der meisten Lösungen stammen aus dieser Zeit. Viele Programme planten Ressourcen (Mitarbeiter, Maschinen etc.) getreu der alten Manier im Stunden- oder Minutentakt. Die akribische Personal- und Maschinenplanung der CIM-Ära dagegen sei längst überholt und angesichts der Überkapazitäten von Fertigungseinrichtungen sowie freien Ressourcen am Arbeitsmarkt nicht mehr praktikabel. "Die Marktanforderungen sehen heute ganz anders aus", stellt Urbon fest. Liefertermintreue und Zufriedenheit der Kunden seien Kriterien, die einen Einfluß auf die Unternehmenstrategie und Produktion hätten. Ansätze dafür bieten die Hersteller von Software zur Steuerung von Lieferketten (Supply Chain Management = SCM).

Keine Lösung konnte, so das Testergebnis, ohne Anpassungen oder Customizing die Anforderungen des Testszenarios erfüllen. "Standardsoftware deckt nur zu rund 60 Prozent die Kundenanforderungen ab, die über die notwendigen Kernprozesse hinausgehen. Der Rest muß angepaßt oder hinzuentwickelt werden", lauten die Erfahrungen der Prüfer. Als die GPS vor 15 Jahren mit den Tests begann, lag der Wert noch bei knapp 30 Prozent. Der Abdeckungsgrad habe sich zwar verbessert, gebe aber noch keinen Anlaß zum Jubeln. Schließlich kann der Aufwand für die verbleibenden 40 Prozent für Anpassungen die reinen Lizenzkosten um das Drei- bis Vierfache übersteigen - im Fall von SAP-Projekten ist dies keine Seltenheit.

Etwas außergewöhnlich scheint die Auswahl der GPS-Testteilnehmer. Pakete für den High-end-Markt zum Beispiel von SAP, Baan und Oracle mußten den gleichen Parcours absolvieren wie Low-end-Produkte etwa von KHK und SAM ("Boss Office"). Um so erstaunlicher die Begründung und Einschätzung von Tester Urbon: "Mit der Auswahl wollten wir zeigen, daß die Unterschiede zwischen den Systemen gar nicht so groß sind." 80 bis 90 Prozent der Funktionen, die ein Unternehmen benötige, um seine Kernprozesse steuern zu können, seien in allen Paketen enthalten.

Einschränkend wirke sich da eher die Systemarchitektur der verschiedenen Lösungen aus. Einfache PC-Anwendungen mit File-Server seien nur begrenzt skalierbar: "Bei maximal 200 Anwendern ist bei diesen Paketen Schluß", erklärt Urbon. Flaschenhals dieser Anwendungen seien die Datenbanken. Einige Hersteller setzten zur Entwicklung ihrer Pakete immer noch poprietäre datenbankbasierte Tools ein. "Damit lassen sich jedoch nur Anwendungen für begrenzte Nutzerzahlen bauen", so Urbons Urteil. Zudem könne man die Anwendungslogik dieser Lösungen nicht auf Applikations-Servern separieren und in verteilten Umgebungen verwenden. Größeren Unternehmen empfiehlt er daher den Einsatz zweistufiger Client-Server-Anwendungen mit Fat-Client oder, noch besser, moderner dreistufiger Anwendungen.

Bezugshinweis

Der Testbericht ist für 98 Mark zuzüglich Versandspesen und Mehrwersteuer zu beziehen bei: GPS, Hövelsinger Weg 54, 89081 Ulm, Fax: 0731/96657, Telefon: 0731/966570 oder via Internet: http://www.gps-ulm.de/.

Abb: Die GPS hat die Flexibilität der Systemtechnik von insgesamt 17 Testkandidaten unter die Lupe genommen. Hier abgebildet sind die ersten und letzten für jeden geprüften Bereich. Die Versionsnummern der Produkte sind im Kasten unten aufgeführt. Quelle: CW