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02.12.1983

Standardsoftware gefährdet Programmiererstuhl nur bedingt

"Standardsoftware soll Manpower einsparen" . Mit dieser Kernaussage einer Analyse über den deutschen Softwaremarkt, die von der Gesellschaft für Mathematik und Dateverarbeitung (GMD, Bonn) in Zusammenarbeit mit der Münchener Infratest Kommunikationsforschung erstellt wurde, stimmen nicht alle Softwareexperten überein. Zwar sind auch die von der COMPUTERWOCHE befragten Anwender überzeugt, daß Standardsoftware noch an Bedeutung zunimmt, sie bezweifeln aber, daß dadurch in absehbarer Zeit Arbeitskräfte eingespart werden. Noch kein "Ende der Fahnenstange" sieht denn auch Joachim Schröter vom AOK-Landesverband Württemberg-Baden: "Es wird weiterhin eine Fülle firmenindividueller Problemstellungengeben, für die es keine Standardsoftware gibt."

Joachim Schröter, Stv. Leiter der Abteilung Org./DV des AOK-Landesverbandes Württemberg-Baden, Stuttgart

Standardsoftware ist notwendig und wird noch an Bedeutung zunehmen, um wirtschaftliche Datenverarbeitung betreiben zu können. Wir setzen Standardsoftware vornehmlich im Rechenzentrum zur Automatisierung der Arbeitsabläufe und zur Erhöhung der Produktionssicherheit, aber auch zur Projektsteuerung ein. Für diese Bereiche erhalte ich auch täglich entsprechende Angebote. Ich denke jedoch auch an die Vielzahl komfortabler Softwarepakete für die Lohn- und (..)altsabrechnung, das DUVO- Meldeverfahren, für das wir die Zulassung erteilen, und an die Programm-Entwicklungstools.

Immer handelt es sich um Aufgabenstellungen, bei denen die Arbeitsvorgänge branchenübergreifend deckungsgleich abgewickelt werden. In diesen Gebieten hat die Standardsoftware eine unbestreitbare Berechtigung. Sie wird zum Fortschritt der Datenverareitung insofern beitragen, als sie eine höhere Produktionsqualität ermöglicht.

Ich fürchte jedoch, daß durch den Einsatz von Standardsoftware magere Zeiten für die hauseigenen "Softwerker" anbrechen werden. Einerseits wird es weiterhin eine Fülle von firmenindividuellen Problemstellungen geben, für die niemals Standardsoftware zur Verfügung stehen wird. Hier sehe ich absolut noch kein Ende der "Fahnenstange ". Beispielsweise produziert der Gesetzgeber für die Branche der gesetzlichen Krankenversicherung in jedem Jahr eine Vielzahl grundlegender gesetzlicher Neuregelungen, die ganze Bataillone von Programmierern beschäftigen.

Hier würde sich lediglich eine brancheninterne Arbeitsteilung der Programmentwicklung anbieten. Für den Bereich der AOK wird dies auf Bundesebene seit Jahren praktiziert und hat sich sehr bewährt. So werden die Hauptanwendungsbereiche der AOK arbeitsteilig nur an einer Stelle entwickelt und alle AOK (und damit die Versicherten und Arbeitgeber) partizipieren daran zu kostengünstigsten Bedingungen.

Andererseits stehen wir erst am Beginn der Büroautomatoin mit den Möglichkeiten der integrierten Text-/Datenverarbeitung, der Gewinnung von Führungszahlen und der Geschäftsgrafik. Ich bin überzeugt, daß der Endbenutzer die Möglichkeiten der Datenverarbeitung im Vollmaß erst noch entdecken wird. Hier erwarte ich einen noch nicht absehbaren Evolutionsschub, der in vertretbarer Zeit nur durch eigene Softwerker umgesetzt werden kann.

Standardsoftware wird sich hier auf die Bereitstellung von Werkzeugen beschränken müssen. Insofern ersetzt sie keine internen Programmierer. Es ist vielmehr zu befürchten, daß die verfügbaren Personalkapazitäten gar nicht aus reichen werden, um den vielen Forderungen nachkommen zu können.

Ergänzend wird daher der Einsatz von Endbenutzer- und sogenannten Planungssprachen zunehmend größere Bedeutung erlangen müssen, um einmal die Effizienz des professionellen Programmierens zu steigern und zum anderen, um den Benutzer selbst an der Lösung seiner Probleme aktiv beteiligen zu können.

Ich bezweifle, ob Standardsoftware in diesem Bereich in absehbarer Zeit beim Anwender Manpower einsparen wird:

- Das Angebot ist schier unüberschaubar; die diesbezüglichen Veröffentlichungen für Personal Computer sind ein beredtes Zeugnis.

- Die Applikationen beschränken sich notgedrungen auf enge, in sich abgeschlossene Aufgabenfelder und passen in den seltensten Fällen in die bestehende Gesamtkonzeption.

- Aufgrund der rasanten technologischen Entwicklung mangelt es noch an der Kontinuität der entwickelten Software.

EDV-Anwender, die über e genes Know-how verfügen, werden schneller und sicherer mit den eigenen Kräften vorankommen.

Unbestritten ist jedoch, daß die verfügbare Standardsoftware für DV-Einsteiger und auf dem Hobbymarkt eine große Attraktivität besitzt und zu einer raschen Vermarktung der Hardware in diesem Bereich führen wird.

Rainer Jung, Unternehmensberater, Wiesbaden

Die Führungskräfte im Topmanagement eines in der Regel als letzte in einer lagen Kette, wenn in der EDV-Abteilung ihres Unternehmens etwas schiefläuft.

Ursache hierfür ist die Kontrolle der Abteilung allein über die Höhe der Budgets. Erst wenn Schlüsselbereiche der EDV kurz vor dem Zusammenbruch sind, kommt das böse Erwachen . Ursache für solche Folgen ist sehr oft eine veraltete Software . Es ist in dieser Situation schnell und Kostengünstig zu lösen . Diese Verhaltensweise deckt sich scheinbar mit der Aussage der GMD-Studie "Standardsoftware soll Manpower einsparen" (CW Nr. vom 21. 10. 83).

Meiner Meinung nach muß man jedoch hier Anwendungs und Systemsoftware unterschiedlich betrachten. Bei der Systemsoftware handelt es sich schlechthin um Werkzeuge, und es wäre widersinning, wenn jeder -zunächst sein eigenes Werkzeug entwikkeln würde und sich nicht der guten, vielfach erprobten im Markt befindlichen Werkzeuge bedienen wollte. Das Rad ist einmal erfunden worden und damit genug . Diese Aussage wird übrigens von IDC in der Betrachtung des Softwaremarktvolumens eindeutig unterstützt, in der Systemsoftware von 0,4 Milliarden Mark auf 1,5 Milliarden Mark vorhergesagt wird.

Natürlich kann man auch im Anwendungsbereich viele Dinge standardisieren und man wird es auch tun. Erfahrungsgemäß ist hier jedoch der größte Teil so anwendungsspezifisch, daß er mit Standards nicht abgedeckt werden kann. Auch spielt das betriebsinterne Konw-how in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle, so daß man sicherlich nicht bereit sein wird, Lösungen in diesem Bereich Externen zu überlassen, nur um eigene Softwerker einzusparen.

Dies würde der Konkurrenz das Leben erleichtern und die Rentabilität eines Unternehmens gefährden.

Um die eingangs geschilderte Situation zu vermeiden die zwangsläufig zum Einsatz vermeintlicher Standards mit all seinen Folgen führt, wird ein verantwortlicher EDV-Leiter Maßnahmen ergreifen müssen, um es zu verhindern. So wird er sich zum Beispiel die Frage stellen müssen, ob seine EDV-Spezialisten einen zunehmend größeren Teil ihrer Zeit mit der Pflege der vorhandenen Software verbringen. Hier gilt es Trends aus mehreren Jahren aufzuspüren. Eine zunehmende Beschäftigung mit Instandhaltungsaufgaben kann ein Zeichen dafür sein, daß die Systeme alt und ineffizient werden.

Dies kann nur als ein Beispiel gelten. Weitere Fragen wie beispielsweise

- Entwicklung der EDV-Kosten der letzten fünf Jahre,

- Fluktuationsrate der Systemanalytiker und Programmierer,

- Online-Geschäft,

- Alter von Schlüsselprogrammen und viele andere müssen hier gestellt und beantwortet werden.

Diese Verhaltensweisen werden meiner Meinung nach mittel- und langfristig dazu führen, nicht nur die Arbeitsplätze des bestehenden Anwendungssoftwarepersonals zu sichern, sondern diese auch noch um weitere Spezialisten für neue Technologien zu ergänzen.

Die Aussage eines EDV-Leiters: " Ich brauche keine Anwendungsstandards, mit deren Gebrauchsanweisung ich mich herumzuschlagen habe, sondern Schaffer", mag dies unterstreichen.

Dr. Dietbert Ehresmann, Geschäftsführer,D.O.M. Datenverarbeitung GmbH, Nürnberg

Die Überschrift "Standardsoftware soll Manpower einsparen" über die Studie der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD Bonn) bedauern wir an sich. Hinzu kommt, daß sie der Marktuntersuchung nicht gerecht wird: In der einleitenden Zusammenfassung liest sich die "Manpower-Einsparung " schon anders: Die Anwender wollen trotz des Bedarfs "an neuen und qualitativ verbesserten Applikationen ... kein zusätzliches Softwarepersonal einstellen". Daß die Anwender bei neuen Anwendungen künftig schwerpunktmäßig in Büroautomation und Fertigungsplanung investieren wollen, deckt sich mit unseren Erfahrungen.

Das Verlockendste an der Standardsoftware ist ihr Preis. Der Wunschvorstellung der Großanwender, "daß bis l985 mehr als ein Viertel der insgesamt installierten Anwendungsprogramme Standardpakete sein werden", geben wir wenig Chance. Die prüfens-und empfehlenswerten Standardpakete nehmen zwar in erfreulichem Maße zu, und es lohnt sich in vielen Fällen auf de aufzubauen. Gleichzeitig steigen aber aus verschiedenen bekannten Gründen Komplexität und Integrationsgrad der Aufgaben, und so wächst auch der Bedarf an individueller Anpassungs-, Ergänzungs-und Kommunikationssoftware mit der Implementierung eines jeden Standardpaketes sprunghaft.

Erstanwendern bleibt in aller Regel gar keine andere Wahl, als auf Standardsoftware zu setzen. Aber auch dieses Faktum stützt die These von der Manpower-Einsparung nicht.