Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

02.02.1996 - 

Online-Dienste/Weniger Grafiken erleichtern Modem-Usern den Zugang

Standardwirrwarr erschwert das Erstellen von WWW-Seiten

Damit ein WWW-Engagement nicht zum unkalkulierbaren Risiko oder zum Marketing-Fiasko geraet, ist einiges an Planung zu leisten. Dies beginnt mit der Frage, wer eigentlich den WWW-Server betreiben soll: die DV-Abteilung, die ueber das entsprechende fachliche Know-how verfuegt, oder das Marketing, das moeglicherweise mehr Erfahrung in der Gestaltung ansprechender Inhalte hat. Neben dem Betrieb in eigener Regie bietet sich noch das Outsourcing an einen Provider oder eine Agentur an. Vorteil dabei ist, dass keine Mitarbeiter mit der Server-Installation beschaeftigt werden muessen und der sonst vielleicht noetige Kauf neuer Hardware entfaellt. (Eric Tierling und Ingo Lackerbauer eroetern auf Seite 41 in dieser Ausgabe ausfuehrlich das Fuer und Wider eines eigenen WWW-Servers).

Allerdings kann das Outsourcing ins Geld gehen, wenn vor allem bei komplexen Diensten viel Plattenkapazitaet angemietet werden muss. Die Kosten fuer den Server-Betrieb beim Provider liegen im Schnitt bei etwa 2500 Mark pro Monat. Zusaetzlich werden fuer die Pflege je Stunde etwa 250 Mark berechnet.

Beim Eigenbetrieb bieten sich als Server-Plattform neben PC- basierten Loesungen unter Windows vor allem NT und Unix an. Zwar ist die Windows-Variante relativ preisguenstig, hat aber im Gegensatz zu den groesseren Loesungen den Nachteil, dass die PCs keine "richtigen" Netzrechner sind und deren Performance zu wuenschen uebrig laesst. Mehr Informationen zur Wahl der geeigneten Server- Plattform finden Sie auf Seite 54.

Unabhaengig vom gewaehlten Verfahren sollte bereits im Vorfeld ein Access-Provider gewaehlt werden. Neben dem Preis, dieser schwankt fuer einen 64-Kbit/s-Zugang zwischen 750 und 5000 Mark, sollten Leitungskapazitaet und Anzahl der Zugaenge sowie Bandbreitenbedarf in die Ueberlegungen eingeschlossen werden. Zudem ist auf die Ausfallsicherheit zu achten, da es damit bei guenstigen Angeboten oft nicht zum besten bestellt ist.

Bei der Kalkulation der benoetigten Bandbreite kann laut Joachim Scherer, Scientific Computers GmbH in Aachen, folgende Formel zur Orientierung dienen:((Durchschnittliche Verbindungszahl pro Tag)/ 86 400) X durchschnittlicher Seitengroesse = benoetigte Bandbreite.

Doch die Groesse der Seite ist nicht nur fuer den WWW-Anbieter in Sachen benoetigter Uebertragungskapazitaet von Bedeutung. Sie entscheidet oft ueber Erfolg und Misserfolg eines Servers: Denn was beim schnellen Zugriff ueber ISDN noch zu ertraeglichen Aufrufzeiten fuehrt, kann einen Home-User, der nur ueber ein Modem mit einer Transferrate von 14400 Bit/s verfuegt, zur Verzweiflung treiben. Als unruehmliches Beispiel nennt Scherer Coca-Cola: Das Unternehmen hatte einige Zeit lang eine sehr ansprechende Home-Page. Einziger Nachteil war - der Modem-User wartete geschlagene zehn Minuten auf die Uebertragung der Seite.

Hier raet der WWW-Experte zum Masshalten mit grafischen Elementen, um die WWW-Seiten fuer die durchschnittliche Bandbreite von 14440 Bit/s zu optimieren. Oder, so eine weitere Empfehlung, alternativ Seiten ohne grafische Elemente fuer Benutzer mit langsamen Modems einzurichten.

Geht es um die Gestaltung der entsprechenden WWW-Seiten, fuehrt fast kein Weg an der Seitenbeschreibungssprache Hypertext Markup (HTML) vorbei. Diese legt fest, welche Gestaltungselemente zur Verfuegung stehen. Derzeit ist HTML 2.0 weitverbreitet, doch die Nachfolgeversion 3.0 erfreut sich ebenfalls bereits grosser Beliebtheit, auch wenn ihre erweiterten Funktionen noch nicht von allen Browsern unterstuetzt werden. Features des naechsten Release sind bereits in einigen Tools wie dem "Netscape Navigator" implementiert.

Web-Seiten koennen dabei entweder mit einem einfachen ASCII-Editor oder entsprechenden Tools erstellt werden. Allerdings laesst laut Scherer die WYSIWYG-Funktionalitaet noch zu wuenschen uebrig. Hier setzt der Experte auf die in Kuerze verfuegbaren professionellen Werkzeuge wie "Symposis" von Grif/Inria, "Page Mill" von Ceneca/Adobe, "Netscape Navigator Gold" und andere.

Waehrend die Wahl der Seitenbeschreibungssprache noch einfach ist, bereitet die Ausgestaltung der Seiten aufgrund der verschiedenen Dateiformate Schwierigkeiten. In Sachen Grafik sind derzeit GIF und JPEG die gebraeuchlichen Formate, wobei Scherer aufgrund der wegen Lizenzstreitigkeiten ungewissen Zukunft von GIF eher zur Verwendung von JPEG raet. Schwieriger wird es, wenn eine WWW-Seite zudem einen Hauch von Multimedia vermitteln soll, da fuer Tondateien verschiedene Formate verwendet werden. Weit verbreitet sind hier derzeit U-law fuer Unix, AIFF/AIFFC in der Apple-Welt, Wave auf den PCs sowie das plattformunabhaengige MPEG-Format. In Sachen Video gibt es ebenfalls keinen einheitlichen Standard. Gebraeuchlich sind jedoch Quicktime, MPEG sowie VFW.

Doch damit nicht genug, neben dem Wirrwarr der verschiedenen Formate fuer Bild und Ton droht demnaechst auch in Sachen Seitenbeschreibungssprache das Chaos. Gleich mehrere Anbieter wollen mit ihren Sprachen kuenftig den Funktionsumfang von HTML erweitern. Unter der Bezeichnung Frames arbeitet Netscape an einem Verfahren, das es erlauben soll, zwei Dokumente gleichzeitig anzuzeigen. Sun hingegen moechte mit Hot Java HTML durch ausfuehrbare Programme ergaenzen. Auf Herstellerseite haben mittlerweile alle wichtigen Anbieter inklusive Microsoft angekuendigt, Suns Programmiersprache zur Erstellung von interaktiven Web-Seiten zu unterstuetzen.

Soviel zur Theorie, in der Praxis finden sich aber bei einer Reise durch das Internet bisher wenige Server, die auch wirklich mit Java arbeiten. Unter Experten ist nach wie vor umstritten, ob Java wirklich der neue Standard des Internet ist, zu dem es bereits voreilig von manchen Publikationen gekuert wurde. Mit Blick auf die derzeit verfuegbaren Bandbreiten duerften wohl eher die Skeptiker recht behalten, da die langen Response-Zeiten kaum ein vernuenftiges Arbeiten mit Java-Applikationen erlauben.

Last, but not least hat SGI mit VRML den ersten Versuch gestartet, die Darstellung dreidimensionaler Welten im WWW zu ermoeglichen. Auf diesen Zug ist auch Microsoft aufgesprungen und bietet via Internet bereits eine VRML-Ergaenzung fuer den eigenen Internet Explorer an.

Angesichts des drohenden Standardwirrwarrs koennen die Bemuehungen des World Wide Web Consortium (W3C) um eine einheitliche WWW- Spezifikation nur begruesst werden. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es denn auch am Horizont: Im Dezember einigten sich IBM, Microsoft, Netscape, Spyglass und Sun unter der Schirmherrschaft des W3C darauf, einen gemeinsamen Standard zur Integration von aktiven Objekten in Hypertext-Dokumente zu entwickeln.

Trotz des Hickhacks gibt es mehrere allgemeingueltige Regeln, die bei der Gestaltung von WWW-Seiten zu beruecksichtigen sind. Neben den oben gemachten Ueberlegungen in Sachen Uebertragungsgeschwindigkeit gehoeren dazu einige grundsaetzliche Anforderungen: Struktur der Dokumente, Idee der ueberlappenden Baeume, Dokumentengroesse und Querverweise.

Beim Aufbau des Inhaltes eines WWW-Servers sollte sich der Autor bei der Gestaltung seiner Seiten weniger von den eigenen Gedankengaengen leiten lassen, sondern vielmehr versuchen, die Denkweise der potentiellen Surfer zu beruecksichtigen. Dazu muss der Verfasser in etwa wissen, an welche Zielgruppe (WWW-Neulinge, Consumer, DV-Experten) sich das Angebot wendet. Je nach Klientel empfiehlt sich eine andere Gestaltung der Seiten. Ist der Inhalt fuer zwei Zielgruppen gedacht, kann es durchaus ratsam sein, das gleiche Angebot zweimal zu formulieren um den Neuling als auch den Experten anzusprechen.

Eine andere Moeglichkeit ist, dem unbedarften Datenreisenden mit Links zu anderen Seiten eine Erklaerung zu Fachbegriffen zu liefern. Allerdings sollten die entsprechenden Querverbindungen einen deutlichen Hinweis enthalten, fuer wen sie gedacht sind, denn nichts veraergert die Netzsurfer mehr als lange Ladezeiten fuer WWW- Seiten, deren Inhalte trivial erscheinen.

Ebenfalls schlechter Stil ist, die Besucher eines WWW-Servers mit technischen Dingen wie FTP, NFS oder Uuencode zu ueberfordern. Sowohl der Sinn wie auch der Erfolg des World Wide Web liegen naemlich darin, dass sich die Datenreisenden nicht mit den Tiefen der DV herumquaelen muessen, sondern via Mausklick durch das Netz surfen.

Doch zurueck zu den Querverweisen fuer die jeweilige Klientel. Hier bietet sich die Methode der ueberlappenden Baeume (englisch: overlapping trees) an. Bei diesem Verfahren wird bereits vor der Erstellung der eigentlichen Seiten ein Inhaltsbaum aehnlich einem Programmablaufsplan entworfen, der verschiedene Sprungbretter in die Pages enthaelt. Waehrend der User mit Fachkenntnissen gleich zu den Seiten mit kompliziertem Inhalt springt, kann sich ein Neuling dem Baum entlang immer tiefer in die Materie einarbeiten. Ein anderes Beispiel ist ein Server mit Warenangeboten: Zuerst wird das Produktangebot vorgestellt, und zum Schluss folgt ein Bestellformular. Um nun einem potentiellen Kunden, der bereits weiss was er bestellen will, ein langfristiges Abfragen der Produktseiten zu ersparen, empfiehlt sich eine direkte Sprungadresse zur Bestellseite.

Ein anderes Problem, an dem sich die Geister immer wieder scheiden, ist der Umfang einer WWW-Seite. Ist sie zu gross, passt sie moeglicherweise nicht mehr in den Speicher eines Browsers und fuehrt beim Scrollen zu langen Nachladezeiten. Ebenso stoerend sind aber auch zu kurze Seiten, wenn immer wieder eine neue Seite aufgebaut werden muss. Eine Faustregel, die einen Kompromiss zwischen den beiden widerspruechlichen Anforderungen darstellt, hat das W3C aufgestellt: Online-Hilfen oder Menues, die den Zugang zu anderen Inhalten bereitstellen, sollten nur 24 Zeilen umfassen, damit sie sicher auf eine Bildschirmseite passen. Der Umfang von Textdokumenten kann dabei zwischen einer halben DIN-A4-Seite und fuenf Seiten variieren.

Einfacher zu beantworten ist die Frage nach Querverweisen. Bis auf zwei Ausnahmen empfehlen Experten unisono, Links zu den entsprechenden Dokumenten aufzubauen. Nur so ist fuer den Anwender die Verfuegbarkeit der immer neuesten Version eines Dokumentes zu gewaehrleisten. Die Uebertragung anderer Informationen in ein eigenes Dokument ist dagegen in zwei Faellen ratsam: Sie koennen nicht garantieren, dass Ihr Link langfristig zur Verfuegung steht, oder Sie legen aus Dokumentationsgruenden auf eine spezielle Version Wert.

Soviel zur Gestaltung der Inhalte. Auch in bezug auf das Design der einzelnen Seiten gibt es einige Faustregeln. So gehoert es zum guten Ton, dass am Ende einer Seite der Name des Autors steht sowie das Datum, an dem ein Dokument das letzte Mal geaendert wurde, auch wenn dies oft entlarvend ist und zeigt, wie ernst es einem Unternehmen mit seinem WWW-Engagement ist. Nichts ist naemlich so aergerlich, wie in einem Medium, das fuer den schnellen Informationsaustausch konzipiert ist, auf Preislisten zu stossen, die bereits zwei Jahre alt sind. Aus falscher Scheu wird oft ein weiterer Fehler begangen: Trauen Sie sich und bekennen Sie sich dazu, dass eine Seite noch im Aufbau ist oder ihr Inhalt noch verifiziert werden muss. Die Netzgemeinde verzeiht diese kleine Schwaeche, wenn sie der Aktualitaet des Angebots dient.

Bei der Kreation von WWW-Seiten wird oft vergessen, dass diese nicht wie ein Buch seriell gelesen werden. Da der Autor keinen Einfluss darauf hat, wer einen Link zu seinem Angebot schaltet, sollte jede Seite ein in sich geschlossenes Dokument sein. Floskeln wie "Den naechsten Punkt, den wir eroertern..." oder "Die einzige Loesung fuer dieses Problem..." sind deshalb am Beginn einer Seite zu vermeiden. Empfehlenswert ist dagegen, am Seitenanfang einen Link bereitzustellen, der zu den eventuell notwendigen Hintergrundinformationen fuehrt.

Das Salz in der Suppe der WWW-Seiten sind bekanntlich die grafischen Gestaltungsmittel. Hier bieten sich vor allem Icons an. Doch sie sollten, um fuer den Leser eine echte Hilfe zu sein, nicht wahllos eingesetzt werden. So empfiehlt es sich, eine durchgehende Konsistenz bei der Gestaltung der Icons einzuhalten und nicht innerhalb eines WWW-Angebots verschiedene Icons fuer die gleiche Funktion zu verwenden. Aehnlich den Piktogrammen des oeffentlichen Lebens sollten die Icons selbsterklaerend sein, da ansonsten gleich ein Text-Link eingefuegt werden kann. Zudem gilt es, das wenig informative "Click-here"-Icon zu vermeiden. Besser ist dagegen die Verwendung von: Information zu (ICON:) "Thema" ist nun verfuegbar.

Last, but not least noch ein Wort zur Formatierung des Textes: Denken Sie daran, dass die Besucher Ihrer WWW-Seiten nicht immer die gleichen Fonts wie die Autoren verwenden. Was auf dem eigenen Server noch als uebersichtliches, gut strukturiertes Dokument erscheint, kann sich bei Verwendung eines anderen Browsers mit anderen Schriftarten und -groessen als wirres Chaos entpuppen. Deshalb ist es ratsam, zur Gestaltung von Ueberschriften nur die grafischen Elemente zu benutzen, die HTML bereitstellt. Zudem sollte der Autor einer WWW-Seite auch ein Herz fuer die Benutzer aelterer Browser haben, die die Update-Manie der Software-Industrie nicht mitmachen. Geben Sie diesen eine Chance, Ihre Inhalte lesen zu koennen, selbst wenn dann nicht die neusten grafischen Spielereien auf einer Seite zu finden sind.

Falls Sie obigen Richtlinien folgen, lassen Sie sich nicht vom Ergebnis enttaeuschen: Die fertige Seite mag zwar nicht genau ihren Vorstellungen entsprechen, aber die Mehrzahl der Netz-Surfer wird fuer Ihr lesbares und nutzbares Angebot dankbar sein.

Der letzte Ratschlag versteht sich eigentlich fast von selbst: Das fertige WWW-Angebot ist zu testen. Nach der Ueberpruefung mit einem HTML-Checker, der die Einhaltung der Syntax ueberprueft, empfehlen sich Testlaeufe mit verschiedenen Browsern. Ebenso ist zu verifizieren, ob die Links zu anderen Servern noch aktuell sind. Zu guter Letzt empfiehlt sich ein Test via Modem, denn was im eigenen LAN oder via ISDN-Leitung noch zu ertraeglichen Aufbauzeiten der WWW-Seiten fuehrt, kann einen Modem-User an den Rand der Verzweiflung bringen.

Weiterfuehrende Informationen ueber Editoren und HTML sowie Tips zur Gestaltung der WWW-Seiten sind im Internet unter anderem bei den Adressen "http://www.w3.org" und "http://luff.latrobe.edu.au" zu finden.

Kurz & buendig

Mit der Einfuehrung des World Wide Web und der zugrundeliegenden Seitenbeschreibungssprache HTML trat das Internet seinen Siegeszug als Massenmedium an. So sehr die grafische Benutzeroberflaeche auch das Surfen im Netz vereinfacht, ein Zuviel an Grafik kann schnell zum Frust fuehren. Vor allem die Benutzer langsamer Internet- Zugaenge stehen dem bunten Treiben eher skeptisch gegenueber, da es fuer sie zu extrem langen Uebertragungszeiten fuehrt. Alternativ sollte deshalb das WWW-Angebot auch in Textform abrufbar sein.