Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

07.03.2005

Standort Deutschland: Just do it

Es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung, so der Tenor einer COMPUTERWOCHE-Befragung unter deutschen CIOs.

Die CeBIT gilt als Barometer für das Klima in der deutschen IT-Landschaft. In diesem Jahr haben sich viele hochrangige IT-Manager als CeBIT-interessiert geoutet. Hinsichtlich der Zukunft des heimischen IT-Standorts legen einige verhaltenen Optimismus an den Tag.

Das gilt jedoch nicht für alle. Thomas Ochs beispielsweise sucht den sprichwörtlichen Silberstreif am Horizont vergebens: "Der Druck auf die Unternehmen bleibt stark, eine langfristige Trendwende ist nicht in Sicht", so der CIO des Porzellanspezialisten Villeroy & Boch. Eine Chance, in diesem rauen Klima zu überleben, sieht er in einem bewussten und proaktiven Umgang mit den Möglichkeiten des Nearshoring: "Generell müssen sich alle mit IT betrauten Personen in Anwenderunternehmen und Systemhäusern fragen, wo im direkten Kostenvergleich die Gründe für die drei- bis fünfmal so hohen Niveaus liegen." Wie Ochs einräumt, gibt es auf diese Frage einige Antworten, die für den IT-Standort Deutschland sprechen. Gerade deshalb müsse dieses Problem offensiv angegangen werden.

Vor einer ausschließlichen Konzentration auf den Kostenaspekt warnt hingegen Andreas Dietrich, CIO des Touristikveranstalters Thomas Cook. Als Haupthindernis für die Weiterentwicklung der deutschen IT-Szene hat er den verschärften Sparkurs identifiziert: "Die IT muss aus ihrer reinen Kostensenker-Rolle herauskommen und wieder aufzeigen, wie sie mit Innovationen dem Business einen Mehrwert liefern kann - frei nach dem Ikea-Slogan: Sparst Du noch oder innovierst Du schon?" Der Schweizer lobt Deutschland wegen seiner "hervorragenden Universitäten" und "hochtalentierten Schulabgänger". Diese Talente bräuchten Aufgaben, die Kreatitviät und Innovation fördern. "Sonst kommt der IT-Standort Deutschland aus der Negativspirale Kosten, Personalabbau, Offshoring nicht heraus", warnt Dietrich.

Frank Annuscheit, CIO der Commerzbank AG, kann diese Einschätzung allerdings nicht ganz teilen: "Die speziellen Standortvorteile wie ein gutes Ausbildungsniveau im IT-Bereich nehmen ab und werden durch Offshoring-Möglichkeiten relativiert", mahnt er. Es gelte deshalb, "sich wieder engagiert einen führenden Platz in Schlüsseltechnologien zu sichern".

"Die Talsohle ist sicher noch nicht durchschritten", prophezeit auch Thomas Wenzel, CIO des Chemieproduzenten Allessa, "der allgemeine Kostendruck setzt sich - sogar verschäft - 2005 fort". Aus diesen Niederungen führe nicht die Präsentation des allerneuesten technischen Spielzeugs heraus, so Wenzels kleiner Seitenhieb gegen das Gros der CeBIT-Aussteller, sondern die Frage, "wie ich die Technik vernünftig zur Verbesserung der Geschäftsprozesse nutzen kann". Hier habe die IT-Branche "noch erheblichen Handlungsbedarf".

Thomas Endres, Konzern-CIO der Lufthansa, lokalisiert die Chancen für den IT-Standort Deutschland ebenfalls in der Prozessunterstützung. Der Heimvorteil der deutschen IT-Spezialisten bestehe vor allem "in der Kombination von Technologie- und Methodenkompetenz". Aus der IT lasse sich "deutliches Innovationspotenzial" schöpfen, das sich jedoch keinesfalls auf die Entwicklung neuer Technologien beschränke. Vielmehr gehe es auch "um kluge Prozesse, die die Möglichkeiten der vorhandenen Technologien optimal ausnutzen".

Margit Bauer, Geschäftsführerin der Hypo-Vereinsbank-Tochter HVB-Systems, hat ein Risiko für den IT-Standort-Deutschland "in der Angst vor dem Thema Outsourcing und vor dem Abwandern der eigenen Kernkompetenzen" erkannt. Was andere genauso gut oder besser könnten, lasse sich "beruhigt" nach außen geben, so die IT-Managerin: "Wer frühzeitig eruiert, worin die jeweiligen Kernkompetenzen liegen, und diese stärkt, muss sich um den Verlust von Arbeitsplätzen nicht sorgen."

Mehr Zutrauen zu den eigenen Fähigkeiten empfiehlt Severin Canisius, CIO des Outdoor-Spezialisten Jack Wolfskin, seinen Kollegen: "Ich denke, dass der IT-Standort Deutschland sehr gute Chancen hat, wenn er es schafft, wieder mehr Selbstvertrauen aufzubauen." Die Protagonisten der deutschen IT-Landschaft hätten etwas Entscheidendes verlernt: "die Dinge anpacken - anstatt zu jammern, Leute freizusetzen und so viel wie möglich an Outsourcing- und Offshore-Firmen auszulagern". Jack Wolfskin erledige seine gesamte IT inhouse und habe damit sehr gute Erfahrungen gemacht: "Wir sind sogar dabei, unsere Ressourcen auszubauen, um die wachsenden Anforderungen zu bewältigen." (qua)