Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

06.02.1998 - 

Kompatibilität mit vorhandenen Strukturen erforderlich

Standortübergreifende Netze im Spannungsfeld der Einflüsse

Ob Corporate Network oder "nur" SNA-Backbone: Bei Implementierung eines standortübergreifenden, möglicherweise unternehmensweiten LAN-WAN-Verbundnetzwerks oder Erweiterung existierender WAN-Strukturen sind eine Reihe netz- und betriebstechnischer Bedingungen und Arbeitsschritte zu berücksichtigen. Dazu gehören

- die strategische Ausrichtung des WAN-Verbundnetzwerks,

- die Definition der Dienstgüte,

- die Auswirkungen von Server-Konzepten auf den WAN-Verbund,

- Verfügbarkeit und Markttrends für WAN-Dienste und

- die Wahl eines Dienstanbieters.

Zunächst ist festzulegen, welche Dienstanforderungen für die WAN-Verbindungen bestehen: Sollen mehrere Protokolle geroutet werden oder nur eines? Die Ausrichtung auf ein gemeinsames Basisprotokoll im WAN (meistens TCP) vereinfacht die Struktur, erfordert aber eine Umsetzung aller anderen Protokolle auf das Basisprotokoll. Besteht bereits ein WAN-Backbone mit Brückenfunktion, der auf Routing umgerüstet werden muß, so sind gegebenenfalls Adressen entsprechend umzukonfigurieren.

Außerdem muß der Anwender entscheiden, ob der WAN-Verbund ein reines Datennetzwerk werden oder auch Sprachdaten integrieren soll, um die Telefon- kosten zu senken. Stand der Technik ist die geroutete Datenverbindung im WAN. Die Anforderung gleichzeitiger Sprachintegration bedeutet den Einsatz von Sprach-Daten-Multiplexern oder für mutigere Netzbetreiber ATM-Switches. Für geroutete Verbindungen stellt sich die Frage nach dem eingesetzten Routing: statisch oder dynamisch? Letzteres spart erheblichen Konfigurierungs-Aufwand, erfordert jedoch Overhead im WAN.

Insbesondere bei ISDN ergeben sich Probleme durch unsauber implementierte Spoofing-Verfahren zur Unterdrückung von Routing-Updates, die von einigen Protokollen im Minuten-Intervall gesendet werden (zum Beispiel für RIP, OSPF, Netware RIP, SAP etc.). Kommunikationskosten von 3000 Mark pro Monat für eine einzelne ISDN-Standortverbindung im Bereich von 100 Kilometern Entfernung kommen bei fehlerhaftem Spoofing leicht zustande.

Vier Eckwerte sind bei der Spezifikation der erforderlichen WAN-Dienstgüte mindestens festzulegen: Kapazität, benutzter WAN-Dienst, Antwortzeit und Backup-Anbindungen. Für eine zufriedenstellende Performance muß die Kapazität stets höher als die Durchschnittslast ausgelegt werden, sonst treten zu den für LAN-LAN-Verbundverkehr typischen Lastspitzen Verbindungsabbrüche auf. Der Mix von Transaktions- und Volumendaten-Applikationen führt zur Anforderung nach Priorisierungs-Funktionen im Router, da sonst die Transaktions-Applikationen zu unterschiedliche Antwortzeiten aufweisen und es hier sogar zu Session-Abbrüchen kommen kann.

Ob eine Festverbindung (entfernungsabhängige Tarifierung), Frame Relay (Tarifierung nach Zugangskapazität) oder ISDN (Zeittakt-Tarif) gewählt wird, hängt vom Gesamtvolumen in Verbindung mit der Nutzungszeit, aber auch von der tolerierbaren Antwortzeit ab: Dauert der Wählvorgang bei ISDN zu lange, muß ein anderer Dienst gewählt werden; ist das Frame-Relay-Netz des Dienstanbieters von der Summe der angebundenen Kunden überlastet, kommt es zu erheblich verlängerten Antwortzeiten.

Auch ISDN als Backup-Verbindung zeigt hier seine Tücken: Schaltet die Router-Software nicht schnell genug um, weil der Ausfall der Festverbindung zu spät erkannt wird, kommt es ebenfalls zum Verbindungsabbruch für alle gerade aktiven Endnutzer. Für die meisten Anwendungen hat sich jedoch ISDN aufgrund der extrem günstigen Grundgebühr als Backup-Verfahren der ersten Wahl etabliert, wie die Markt-Entwicklungen zeigen. Bei hohen Verfügbarkeits-Anforderungen ist zusätzlich zur Backup-Strecke im WAN ebenfalls der Zugangsrouter redundant auszulegen, um einen Single Point of Failure zu vermeiden.

Die Gretchenfrage beim WAN-Design lautet stets: Sind die Server vor Ort (in den Außenstandorten) oder in einer übergeordneten Zentrale positioniert? Hier zeigt eine Kostenrechnung oft, daß sich ein Server schon ab fünf Arbeitsplätzen in ein bis eineinhalb Jahren amortisiert. Dabei sind allerdings nicht die Betreuungskosten eingerechnet, die vielfach zentral geleistet werden müssen, da vor Ort kein Know-how zur Störfallbeseitigung und Server-Verwaltung vorhanden ist. Dies gilt gleichermaßen für PC- und Unix-Server.

Auch Domänenkonzepte für NT-Server-Netze sind hinsichtlich der auftretenden WAN-Last zu untersuchen. Jeder Login-Prozeß führt zu einer WAN-Sequenz zwischen Client und Domain Controller, falls kein Backup Domain Controller (BDC) am Client-Standort installiert ist. Einsatz von dynamischen Adreß- und Namens-Servern wie zum Beispiel Dynamic Host Configuration Protocol (DHCP), Domain Name Service (DNS) oder Windows Internet Name Service (WINS) bedeutet WAN-Overhead beim Systemstart oder Login am Server (auch bei lokalen Standort-Servern!), da Adreß- und Namens-Server üblicherweise zentral positioniert sind.

NC-Konzepte scheitern an WAN-Anbindung

Intranet-Server bereiten dem Netzplaner weiteres Kopfzerbrechen: Der wahlfreie Zugriff auf standortübergreifend verteilte Intranet-Server würde ein komplettes Redesign der heute meist stark zentral ausgerichteten WAN-Strukturen erfordern. Natürlich läßt sich auch über rein zentrale Intranet-Server nachdenken, dann ist jedoch die Gesamtkapazität des WANs entsprechend zu erhöhen.

Datensicherungs-Konzepte müssen als Input für die WAN-Dienst- und Kapazitäts-Planung vorliegen: Sichern auf zentral gehaltenen Servern oder Speichermedien erfordert zusätzliche Kapazität. Dasselbe gilt für Datenbanken, die über mehrere Standorte verteilt gefahren werden. Die Idee vom Network Computer (NC) in Außenstandorten zur Reduzierung der Betreuungs-Kapazität stellt sich heute als Alptraum für den Netzbetreiber dar: Die Lasten zwischen NC und Server sind für eine WAN-Anbindung zu hoch.

Während digitale Festverbindungen und ISDN zumindest über die Telekom weitgehend überall im deutschen Markt verfügbar sind, sieht dies mit Frame Relay noch anders aus. Hier steht meist nur in großen und einigen mittleren Städten eine preislich attraktive Infrastruktur zur Verfügung, denn die Zuleitung zum nächsten Point of Presence (POP) wird im Regelfall als Festverbindung gestaltet und ist entfernungsabhängig zu bezahlen.

Entfernte Zugangspunkte erhöhen die monatliche Gebühr daher beträchtlich. Trotzdem steht gerade Frame Relay als Ablösung von X.25 und Festverbindung (X.21) hoch im Kurs und wird von den Telekom-Mitbewerbern verstärkt angeboten (zum Beispiel CNI, Viag).

Geschätztes weltweites Wachstum sowie Umsatzerwartungen sind in den Tabellen dargestellt. Hier zeigt Frame Relay, oft auch als Migrationsstrategie in Richtung ATM betrachtet, das Spitzenwachstum von 107 Prozent für 1997, gefolgt von Schmalband-ISDN mit 99 Prozent und Internet-Diensten mit 98 Prozent. ATM belegt mit "nur" 90 Prozent den vierten Platz.

Wer die Wahl hat, hat die Qual - und das mit lockender Monopol-Aufhebung in zunehmendem Maß. Insbesondere lokale Dienstanbieter, zum Beispiel Energieversorgungsunternehmen (EVUs) und Stadtwerke werben mit preislich attraktiven Angeboten.

Um das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis bei gleichzeitiger Erfüllung der erforderlichen Kapazitäts- und Verfügbarkeits-Eckwerte zu gewährleisten, muß ein WAN-Konzept erstellt werden. Grundregeln hierfür sind:

- Beschränkung auf strategische Prozesse und Protokolle im WAN,

- sorgfältige Kapazitätsplanung mit mindestens 25 bis 40 Prozent Wachstumspuffer für die eingesetzten Koppelgeräte,

- Zusammenführung der Planungsprozesse für Server-Einsatz und WAN-Konzeptionierung sowie

- Auswahl des Dienstanbieters unter Berücksichtigung von Referenzen und Servicegarantien.

*Diplom-Informatikerin Petra Borowka, Unternehmensberatung Netzwerke UBN in Aachen.