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08.04.1988 - 

Informatikwissen in Pflicht und Kür (II)

Standpunkt

Professor Manfred Bues, Fachbereich Wirtschaftsinformatik an der Fachhochschule Furtwangen

Was gehört künftig an Informatikwissen zur Pflicht, was zur Kür? Mehr als nur Technikwissen auf jeden Fall, stimmen Experten aus Lehre und Praxis überein. "Lernen zu lernen ist wichtiger als Schrägstrich/Schrägstrich/Wissen", meint Manfred Bues.

Die Komponente "Management" wird für einen erfolgreichen Berufsweg im DV-Management immer bedeutungsvoller. Der DV-Manager muß in verstärktem Maß unternehmerisches Denken praktizieren. Er muß ein Gespür für die Bedeutung von innovativen Trends entwickeln, damit er Modisches von künftig Unentbehrlichem zu unterscheiden vermag. Denken, Planen in und Realisieren von Gesamtkonzepten werden immer gefragter. Der DV-Manager wird zum Informations-Manager. Fundierte betriebswirtschaftliche Kenntnisse, die sicheres Beurteilungsvermögen in allen Anwendungsbereichen der Informatik begründen, werden lebenswichtig. Pures Technokratie-Denken wird noch ausgeprägter auf die Spezialistenebene delegiert werden müssen. Der erfolgreiche DV-Manager "hält sich seine Spezialisten". Er muß genügend Führungsbefähigungen besitzen, um einen solchen Spezialistenstab künftig steuern zu können. Zur Kür gehören gewiß Spezialisteneigenschaften. Der erfolgreiche DV-Manager wird sich bewußt sein müssen, daß auf einem Gebiet Spezialist zu sein, letztendlich ein Luxus ist. Er muß für sich entscheiden, ob er sich diesen Luxus, der Kraft und Zeit kostet, erlauben kann.

Die Schnittstellenproblematik kann genau mit jenen Fähigkeiten und Eigenschaften bewältigt werden, die ich zuvor angesprochen habe: Denken in Gesamtkonzepten und fundierte Kenntnisse in den wichtigsten Anwendungsgebieten der Informatik. Die Bürokommunikation und der Weg zu CIM verlangen ein Wissen, das über die traditionellen Informatik-Anwendungen hinausgeht. Beispiel aus einem Teilbereich: Nicht allein ein Wissen um PPS-Systeme genügt, sondern die Möglichkeiten und Anforderungen CAD und CAM sowie deren integrative Auswirkungen müssen beurteilt werden. Die Breite des Wissens in Kommunikationstechnik, den CAX-Techniken und den herkömmlichen Informatik-Anwendungen schafft die Voraussetzung, die Schnittstellenproblematik zu bewältigen. Es ist ein kritischer Balanceakt zu vollziehen: Das Wissen des DV-Managers muß so weit detailliert sein, daß er kompetente Entscheidungen fällen kann; ist dies Wissen zu detailliert, besteht die akute Gefahr, sich "technologieverliebt" in Nebensächlichkeiten zu verzetteln.

Es gibt derzeit keinen Studiengang, der die genannten Anforderungen perfekt abdeckt. Mit Sicherheit ist aber kein neuer Studiengang erforderlich. Ich bin überzeugt, daß die Wirtschaftsinformatik am besten die sich stellenden Ausbildungsanforderungen erfüllen kann. Wir haben im Fachbereich Wirtschaftsinformatik der Fachhochschule Furtwangen gerade wegen dieser neuen Anforderungen eine weitgehende Neugestaltung des Studienplanes vorgenommen.

Highlights des neuen Studienplanes: Verstärkung der informatikorientierten BWL, viel Flexibilität für die Behandlung aktueller Themen im Rahmen von Workshops und noch mehr Gewicht auf theoretisch ausgerichtete Lehrveranstaltungen, die ein vielfältig und langfristig nutzbares Anwendungswissen begründen (wie Simulation; Modellbildung, Kommunikationsanalyse). Ganz wichtig: Wir müssen unsere Studenten vor "Ex-und-hopp"-Wissen schützen. Lernen zu lernen ist wichtiger, als spezialisiertes "Schrägstrich-Schrägstrich"-Wissen, das heute zwar topaktuell, aber morgen schon veraltet sein kann.