Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

22.04.1988

Standpunkt

Professor Dr. Wolfgang Janko, Wirtschaftsuniversität Wien, Institut für Informationsverarbeitung und Informationswirtschaft, Abteilung für Angewandte Informatik (Betriebsinformatik)

Was gehört künftig an Informatikwissen zur Kür? Mehr als nur Technikwissen auf jeden Fall, stimmen Experten aus Lehre und Praxis überein. "Das Rüstzeug, mit dem Studenten Probleme in Lösungen konstruktiv umsetzen können, fehlt bisher", beklagt Wolfgang Janko.

Informatikwissen in Pflicht und Kür (IV)

Die notwendige Tiefe der theoretischen und praktischen Ausbildung, die erforderlich ist, um den Studenten das Rüstzeug zur eigenen konstruktiven Umsetzung von Problemlösungen zu vermitteln, fehlt bisher im Studium. Da wir den Studenten nicht über die Gebühr an den Universitäten festhalten wollen noch sollten, ist der einzige Ausweg meiner Meinung nach eine stärkere Diversifizierung, um die notwendige Vertiefung im Studium zu erreichen. Das bringt mit Sicherheit auch Nachteile mit sich, da der Student das Gesamtgebiet nur mehr sehr eingeschränkt zu beurteilen in der Lage ist. Andererseits ist festzustellen, daß es den Studenten bei Informatik im Nebenfach als auch im Hauptfach häufig an praktischer Erfahrung und Erkenntnistiefe mangelt.

Der automatisierten Datenverarbeitung kommt in allen Burufszweigen, in denen der Beherrschung von Information, deren Aufbewahrung, und der Kompression von Daten in Modellen Aufmerksamkeit gewidmet werden muß, eine zunehmende Bedeutung zu.

Als Folge nimmt die Informatik in den Ausbildungen in diesen Berufen, und hierzu gehören praktisch alle akademischen Ausbildungen - vom Musiker über den Wirtschaftswissenschaftler bis zum praktischen Arzt - zumindest die Rolle eines wichtigen Werkzeuges ein. Andererseits soll jene Berufsgruppe, welche sich mit der Entwicklung des Werkzeuges, sei es nun in Hardware- oder in Software-Form befaßt, auch Kenntnisse über die Anforderungen an verschiedene Berufsgruppen besitzen beziehungsweise erwerben können.

Die zur Zeit geltenden Studienordnungen lassen bei Fachstudien an den meisten deutschsprachigen Universitäten die erforderliche Flexibilität zur graduellen und individuellen Wahl der Ausbildungsintensität aus Informatik und bei einem Informatikstudium den Erwerb des Fachzusatzwissens nur sehr beschränkt zu. Es erscheint zweckmäßig, daß die Frage der diversifizierten Ausbildung in den Fächern und vor allem die Frage der Intensivierung verschiedener Schwerpunkte bei gleicher Studienrichtung verstärkt diskutiert und implementiert wird. Die logische Folge eines stark diversifizierten und vertieften Angebots ist natürlich die Förderung einer stärkeren Ausbildungsstättenkonzentration, um die fachliche Kompetenz durch Zentralisierung und Konkurrenzierung zu stärken.

Unabhängig von der fachlichen Ausbildungsrichtung und von dem Umstand, ob nun Informatik im Haupt- oder Nebenfach gewählt oder als Haupt- oder Nebenstudium betrieben wird, erscheint die Notwendigkeit, dem Studierenden die prinzipiellen Grenzen und Möglichkeiten der automatisierten Datenverarbeitung zu vermitteln. Dies bedingt allerdings auch die Notwendigkeit, theoretische Erkenntnisse der Informationsverarbeitung - zum Beispiel Grundlagen der Theorie der Berechenbarkeit und Entscheidbarkeit, Kenntnisse über Komplexitätsklassen und Algorithmen beziehungsweise ihre Korrektheit sowie über Vernetzungsprobleme - zu lehren.

Im weitesten Sinne ist dem Bau von Informationssystemen in fast allen Fachbereichen besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Hier ist es vor allem der Bereich der Systemanalyse, der Softwaretechnologie, des Datenbankwesens, des Information-Retrievals und der Büroautomation, die zur Zeit in diesem Rahmen Schwerpunktcharakter aufweisen.

Je nach Fachbereich ist diese Ausbildung mit verschiedenen Vertiefungsfächern zu versehen. Diese können von der Steuerung von Werkzeugmaschinen über den Entwurf und den Aufbau von CAD/CIM-Systemen, Laborsystemen und ähnlichem bis zur Ausbildung in der Ökonomie der Informationsverarbeitung reichen.

Umgekehrt sollte dem Informatikstudent die Möglichkeit geboten werden, sich mit verschiedenen Fachbereichen intensiver als bisher auseinanderzusetzen - Informatik in der Medizin, im Bereich der Architektur, im Bereich der musikalischen Komposition und ähnlichem. Durch entsprechende Praktika kann schließlich die Bindung von theoretischem mit praktischem Wissen erreicht werden.