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06.05.1988 - 

Informatikwissen in Pflicht und Kür (VI)

Standpunkt

Günter Albert ,Kaufmännische Aus- und Fortbildung, bei der VEBA Oel AG, Gelsenkirchen

Was gehört künftig an Informatikwissen zur Pflicht , was zur Kür? Mehr als nur Technikwissen auf jeden Fall, stimmen Experten aus Lehre und Praxis überein. "An den Grenzbereichen zwischen zentraler DV und den Fachbereichen fehlt häufig der "Wandler zwischen zwei Welten" , meint etwa Günter Albert.

Die Unternehmen fragen heute verstärkt nach dem Generalisten, der in Gesamtzusammenhängen denkt. Vom Informatiknachwuchs wird deshalb erwartet, das komplexe "System Unternehmen" in Teilbereiche zerlegen - und mit DV-Strukturen durchzogen - wieder zusammensetzen zu können. Lösungen orientieren sich immer stärker an den praktischen Problemstellungen der Anwender; dabei wirken sich diese Lösungen immer mehr auf alle Bereiche des Unternehmens aus (zum Beispiel umfassende Systeme wie CIM im Industrie und DV-gesteuerte Logistik im Handelsbetrieb). Die isolierte Betrachtung einzelner Teilbereiche reicht also nicht mehr aus. Zur "Pflicht" gehört heute außerdem die Fähigkeit, teamgerecht zu denken und zu handeln. Die Arbeit in Projektform wird sich für den DV-Nachwuchs weiter verstärken, unabhängig davon, ob diese Projekte im eigenen Haus ausgeführt werden, oder ob mit Softwarehäusern verhandelt werden muß.

DV-Nachwuchs mit großer Überzeugungskraft und der Fähigkeit zur Führung von Mitarbeitern ist in der Lage, seine Partner im eigenen Bereich, in anderen Abteilungen oder außer Haus von der Richtigkeit seiner Vorhaben zu überzeugen. Gerade auf diesem Gebiet scheint mir bisher zu wenig getan worden zu sein; Im Gegenteil, in vielen Betrieben ist durch die mangelnde Fähigkeit aufeinanderzuzugehen, viel Porzellan zerschlagen worden. Wer hier gut vorbereitet ist, hat einiges für einen guten "Kürlauf" getan.

In den Schnittstellenbereichen, also den Grenzbereichen zwischen zentraler DV und den Fachbereichen, fehlt häufig der Übersetzer als ,"Wandler zwischen zwei Weiten". Hier muß gegengesteuert werden, um regelrechte, "Feindbilder" abzubauen. Mitarbeiter an Schnittstellen müssen die Sprache und die Denkweise der Funktionsbereiche erfassen und verarbeiten können. DV-Mitarbeiter werden mit der Erkenntnis konfrontiert, daß sie nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck sind - nicht mehr und nicht weniger. Sie haben enorme Arbeit zu leisten, um für die DV vor Ort Akzeptanz und wohlwollende Zustimmung zu erreichen.

Studiengänge, die den Anforderungen der Zukunft gerecht werden, müssen verstärkt in den betrieblichen Alltag eingebettet sein, also mit betriebswirtschaftlichen und verfahrenstechnischen Betrachtungen angereichert werden. Vielleicht wäre eine ähnliche Verbindung zwischen Informatik und "betrieblicher Realität" denkbar, wie sie in der Ausbildung zum Wirtschaftsingenieur zwischen Betriebswirtschaft und Technik erreicht wurde. Außerdem halte ich Kenntnisse der Organisationspsychologie für unabdingbar.