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14.09.2005

Star Office bleibt Microsoft auf den Fersen

Die nächste Version von Star Office bringt einen Konkurrenten zu Access und Migrationswerkzeuge.

Sun Microsystems bereitet mit Star Office 8 das nächste größere Update seiner Büroanwendungen vor. Wie schon die Vorgängerversion beruht es auf dem Open-Source-Paket "Open Office" und ergänzt dieses um technischen Support sowie einige Tools. Dazu zählen Filter für zusätzliche Dateiformate, Schriftarten und Wörterbücher. Die neueste Ausführung basiert auf Open Office 2.0, das kürzlich in einer zweiten Betaversion freigegeben wurde.

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www.computerwoche.de/go/

*80748: US-Bundesstaat will OpenDocument-Format zur Pflicht machen;

*75727: MS-Office soll Mysap-Frontend ersetzen;

*80819: Word: Textpassagen sicher verbergen.

Neu in Star Office 8

• Open Document als Standarddateiformat für alle Anwendungen;

• Integration der Datenbank HSQL;

• erweiterte Optionen für den PDF-Export;

• digitale Signaturen für XML-Dokumente;

• Unterstützung für elektronische Formulare nach dem XForms-Standard;

• Migrationswerkzeuge für Microsoft-Umsteiger;

• optische Angleichung von Impress an Powerpoint.

Die Neuerungen von Star Office bezwecken zum wesentlichen Teil die weitere Angleichung an den dominierenden Konkurrenten aus Redmond. Laut Sun wurde der Importfilter für Dokumente, die mit Microsoft Office erstellt wurden, verbessert. Einige Änderungen in der Bedienerführung sollen den Umstieg für Microsoft-Anwender erleichtern. Dazu zählt etwa, dass das Präsentationsprogramm durch die Aufteilung in mehrere Rahmen an Powerpoint angeglichen wurde.

Viele der neuen Funktionen wirken marginal, dienen aber in erster Linie dem verbesserten Datenaustausch mit MS Office. So dürften zusätzliche Symbole, weitere Effekte und Animationen oder verschachtelte Tabellen in der Textverarbeitung bei den Anwendern nicht ganz oben auf der Wunschliste gestanden haben. Wenn aber Word-Dokumente oder Powerpoint-Präsentationen derartige Features nutzen, dann konnten sie bisher nicht verlustfrei nach Open Office übernommen werden.

Zu den wesentlichen Neuerungen von Open Office 2.0 und damit von Star Office 8 zählt, dass es das von Oasis verabschiedete "Open Document Format for Office Applications" als Standardformat nutzt. Star Office 8 kann Dokumente, die in dieser Form gespeichert werden, digital signieren. Open Document repräsentiert eine Weiterentwicklung des schon bisher von Open Office benutzten XML-Formats und kann von jedem Hersteller uneingeschränkt implementiert werden. Bisher tun das neben Sun vor allem kleinere Anbieter und Open-Source-Projekte wie "KOffice", "Abiword" oder "Textmaker". Microsoft hingegen will Open Document auch in Office 2006 nicht berücksichtigen. Im öffentlichen Sektor könnte das jedoch zu einem wesentlichen Entscheidungskriterium werden, wenn der amerikanische Bundesstaat Massachusetts als Vorbild dient. Dieser will nur mehr solche Office-Applikationen anschaffen, die das offene Dateiformat unterstützen.

Bei weiteren gängigen Ausgabeformaten macht Star Office 8 einige Fortschritte. Dies betrifft insbesondere den PDF-Export, der nun über diverse Optionen gesteuert werden kann und beispielsweise jetzt auf Wunsch auch Lesezeichen für jede Seite erstellt. Er erlaubt zudem die Ausgabe von Inhaltsverzeichnissen, Thumbnails, Formularelementen und Hyperlinks. Weitgehend unverändert blieb die Konvertierung von Impress-Präsentationen in das Flash-Format.

Keine großen Verbesserungen bringt die neue Version in punkto XML. Es ist weiterhin unter Star Office und Open Office nicht möglich, Dokumente auf Basis benutzerdefinierter Schemata zu verfassen, wie das in MS Office 2003 geht. Wie schon in vorherigen Ausführungen bieten die Büroanwendungen die Möglichkeit, die eingebauten XML-Formate beim Speichern mittels XSLT zu transformieren und beispielsweise nach XHTML zu überführen. Allerdings kann die Software den Benutzer nicht zwingen, sich an eine vorgegebene Struktur zu halten und so die Erstellung von validen XML-Dokumenten gewährleisten. Das gilt auch für die weiterhin rudimentäre Unterstützung von Docbook, einen XML-Standard für technische Dokumentationen und Bücher. Im Test konnte die Betaversion von Open Office mehrere Beispieltexte nicht fehlerfrei öffnen.

Stagnation bei XML

Die Stagnation bei XML-Funktionen äußert sich zudem darin, dass auch die aktuelle Ausführung des Pakets keine Web-Services nutzen kann. Bei Microsoft spielen diese eine wesentliche Rolle bei der Neupositionierung von Office als Frontend für kaufmännische Anwendungen. Das gilt etwa für das gemeinsame Projekt mit der SAP namens "Mendocino", das Office als Alternative für das SAP-GUI vorsieht. Verglichen damit nimmt Star Office weiterhin die klassischen Aufgaben eines Büropakets wahr. Eine Ausnahme bildet dabei lediglich die neu hinzukommende Unterstützung für XForms, einer Empfehlung des W3-Consortiums für elektronische Formulare.

Dieser Standard beruht ebenfalls auf XML und wird von vielen Herstellern unterstützt. Open Office bietet im Unterschied zu anderen freien Implementierungen wie jener von Mozilla diese Funktionen im Rahmen eines Rich Client. Damit hebt sich Suns Büropaket auch von der Microsoft-Konkurrenz ab, weil dort die zuständige Anwendung "Infopath" den W3C-Standard nicht berücksichtigt und stattdessen auf ein proprietäres Format setzt. Derartige Formulare lassen sich bei Star Office nicht in beliebige Texte oder Kalkulationstabellen einbetten, sondern müssen in der Textverarbeitung "Writer" mit Hilfe des neuen Typs "XML Formulardokument" erstellt werden. Angesichts der Komplexität dieser Aufgabe bietet die marginale Online-Hilfe kaum Unterstützung, so dass Anwender für die erfolgreiche Realisierung ihres ersten XML-Fomulars eine harte Nuss knacken müssen.

Neue Datenbank

Im Vergleich zu Microsofts Büropaket fehlt es Open Office an zwei Anwendungen, einer Desktop-Datenbank und einem Groupware-Client wie Outlook. Beim kommerziellen Star Office kompensierte Sun das erste Defizit durch Beigabe von "Adabas D", einem relationalen System der Software AG. Diese soll auch in der Version 8 zum Lieferumfang gehören. Zusätzlich enthält das Paket die mit Open Office 2.0 eingeführte und vollständig in Java geschriebene Open-Source-Datenbank "HSQL". Star Office muss sich daher nicht mehr wie bisher darauf beschränken, Zugriffsmöglichkeiten auf externe Datenquellen zu bieten. Die neuen Möglichkeiten zum Entwerfen von Datenbankformularen sind im Vergleich zu Microsoft Access jedoch mager.

Bei Funktionen für Mail, Kalender und Aufgabenverwaltung bleibt in Suns Office-Angebot auch weiterhin eine Lücke. Unter Linux bietet sich der freie Groupware-Client "Evolution" als Ergänzung an, unter Windows gibt es dazu jedoch kein Gegenstück. "Thunderbird" von Mozilla beschränkt sich auf E-Mail. Für beide gilt zudem dass sie nicht mit dem Office-Paket integriert sind. Das betrifft sowohl die Benutzerführung, die Programmierbarkeit als auch die Systemverwaltung.

Extras für Enterprise-Kunden

Die Enterprise-Edition von Star Office 8 enthält wie die Vorgängerversion ein Tool, mit dem sich die Installation der Anwendungen abhängig von Benutzerprofilen steuern lässt. Dieser " Configuration Manager" läuft unter Suns Linux-Distribution "Java Desktop System" und hinterlegt die Einstellungen für einzelne oder Gruppen von Anwendern in einem LDAP-Verzeichnis. Den dafür nötigen Server liefert Sun mit den Büro-Applikationen aus, alternativ können auch Microsofts Active Directory oder Novells e-Directory herangezogen werden. Für professionelle Anwender, die in der Regel größere Dokumentenbestände und Makros aus MS Office haben, enthält Star Office zwei Migrationswerkzeuge. Eines der beiden kann Dokumente analysieren, die mit den Microsoft-Anwendungen verfasst wurden, und prognostizieren, ob eine Konvertierung nach Star Office erfolgreich sein wird. Das zweite Tool soll VBA-Makros in den Basic-Dialekt von Star Office umwandeln. Aufgrund der unterschiedlichen Objektmodelle der konkurrierenden Office-Pakete dämpft Sun zu hohe Erwartungen. Das Werkzeug kann Anwender bei der Umstellung von Scriptcode nur helfen, die meiste Arbeit bei einer Umstellung bleibt auch weiterhin an Entwicklern hängen. Für die Programmierung kommt mit Star Office 8 zusätzlich die Unterstützung für Javascript hinzu, außerdem wurde die freie Beanshell für das Scripting in Java integriert.

Nach einer längeren Verspätung soll Star Office 8 im September auf den Markt kommen. Der Preis und die Lizenzbedingungen sollen weitgehend gleich bleiben. Das gilt indes nicht für Open Office, das zukünftig nur mehr unter der GNU Lesser General Public License (LGPL) verfügbar sein wird. (ws)