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16.05.1975

START hat Startschwierigkeiten

FRANKFURT - Die Bundesbahn prüft zur Zeit, ob und wann Start starten kann. Der "Studienkreis für Automatisierung in Reisebüros und Tourismus" hat seinen Gesellschaftern schon vor einiger Zeit einen kompletten Plan vorgelegt, wie die Reservierungssysteme von Lufthansa, Bundesbahn und Touristik Union International (TUI) verknüpft und um weitere Funktionen ergänzt werden könnten.

Geplant sind Bildschirmgeräte mit "Dokumentendrucker" (Bedrucken von Einzelbelegen) für die Reisebüros, die über Leitungen und ein Konzentratorennetz an einen Verteilungsrechner angeschlossen sind - dieser Rechner spricht die zuständige Reservierungszentrale an. Außer der Platzbuchung soll über das System auch die Ausstellung der Reisedokumente (beispielsweise Flugtickets oder Fahrkarten) und eine Datenerfassung für Abrechnungszwecke ermöglicht werden.

1200 Mark pro Terminal

Vor zwei Jahren ergab eine Umfrage, daß bei monatlichen Kosten zwischen 1200 und 2000 Mark Interesse an 700 Terminals in der Bundesrepublik bestände. Inzwischen hat man kalkuliert: es gibt 1100 Reisebüros, die mindestens eine Lizenz (DER, IATA oder TUI) haben und daher für einen Anschluß in Frage kämen. Groß genug, um Terminals lohnend einzusetzen, ist jedoch nur die Hälfte davon. Bei 550 Teilnehmern mit durchschnittlich 2 Terminals würden die Gesamtkosten pro Datenstation bei 2000 Mark liegen. Wenn die "Leistungsträger" TUI, Bundesbahn und Lufthansa 40 Prozent der Kosten übernähmen, würde ein Terminal das Reisebüro noch 1200 Mark kosten. Dieser Betrag ist aufgrund einer Nutzenanalyse zumutbar.

Bundesbahn muß ja sagen

Ob wirklich 1100 Terminals in der Bundesrepublik zu diesem Preis aufgestellt werden können, ist bisher nicht geprüft worden. Das ganze Projekt hängt nämlich zunächst einmal von der Bundesbahn ab: sie muß ja sagen - und ob sie das tun soll, wird zur Zeit noch geprüft. Zunächst hatte die Bundesbahn abgewinkt - wegen mangelnder finanzieller und technischer Möglichkeiten. Das technische Problem, nämlich die Einführung von Start vor der Einführung eines allgemeinen rechnergesteuerten Fahrkartendrucks bei der Bundesbahn, ließe sich lösen: der Verteilungsrechner könnte zwischenzeitlich diese Aufgaben übernehmen.

Einer beruft sich auf den anderen

Die Lufthansa will nur mitmachen, wenn die Bundesbahn mitmacht - und für TUI allein lohnt sich der ganze Aufwand nicht. Die Reisebüroumsätze verteilen sich nämlich ziemlich genau zu je einem Drittel auf diese drei Leistungsträger - allerdings sind die "Auftrags"-Stückzahlen sehr unterschiedlich: pro Vorgang werden mit der Bundesbahn durchschnittlich 70 Mark, mit Luftfahrtgesellschaften (man würde über das Start-System nicht nur Lufthansa buchen können) 300 bis 400 Mark und mit TUI 600 bis 900 Mark umgesetzt.

Zusammen mit Zimmerreservierung

"Wenn unser Projekt realisiert wird, werden wir bestimmt mit der Allgemeinen Deutschen Zimmerreservierung (ADZ) zusammenarbeiten", sagt Start-Geschäftsführer Dr. Bommer. "Entweder kann ADZ auf den Verteilungsrechner übernommen werden oder aber die Buchungen werden über diesen Rechner einem ADZ-System zugewiesen." Die ADZ arbeitet zur Zeit beim deutschen Fremdenverkehrsverband noch rein manuell - Bestellungen der Reisebüros erfolgen telefonisch oder per Telex.

Hintergrund der Kooperationsbereitschaft: Start wurde vom Bundesministerium für Forschung und Technologie, ADZ vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert - jeder versprach seinem Förderer, daß sein System nicht isoliert dastehen werde.

Warten auf den Startschuß

Die Vorschläge für das System-Design wurden von Softlab München ausgearbeitet, - bei der Hardware ist Siemens im Gespräch. Aufträge gibt's erst, wenn die Gesellschafter das Startzeichen für Start gegeben haben.

Datenbank-Träume

Im Gespräch sind im Tourismus-Gewerbe große Datenbanken: kein Reisebüro-Kaufmann kann im Kopf, nur ganz wenige können zum Nachschlagen im Regal haben, was es alles an Angeboten, Preisen und Einrichtungen für den gibt, der Urlaub machen oder nur verreisen will.

Allein die Programme der verschiedenen Reiseveranstalter füllen pro Saison mehrere tausend Seiten. So forderte Horst E. Scholz vom deutschen Reisebüroverband kürzlich in Berlin bei der "Internationalen Börse des Tourismus" das Reisebürogewerbe auf, in einer gemeinsamen Anstrengung eine große Datenbank zu schaffen, bevor etwa ein Ölscheich in das Auskunfts-Geschäft einsteigt und damit eine marktbeherrschende Informationsstellung erlangt."

Auch die neue Welt-Tourismus-Organisation WTO wünscht sich eine Datenbank: In Manila bei einer Tagung zusammen mit der Internationalen Luft-Transport-Vereinigung IATA beschloß sie die Schaffung einer solchen Einrichtung, um alle Informationen zu erfassen, die dem Studium und der Entwicklung des internationalen Fremdenverkehrs nützlich sind.