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Newcomer in Deutschland: Lamaqq GmbH

Startup nimmt nach Crash wieder Fahrt auf

23.02.2001
MÜNCHEN - Firmengründer brauchen in der Aufbauphase vor allem drei Dinge: ein dickes Fell, Phantasie und Glück. Denn die für den Anfang typischen Turbulenzen können einem Startup aufgrund seiner Instabilität ein schnelles Ende bereiten. Michael Dietz, Gründer und CEO der 1999 aus der Taufe gehobenen Lamaqq GmbH, kann davon gleich mehrere Lieder singen. Von Beate Kneuse*

Wie bringt man Internet-Neulinge ins Netz und animiert sie dazu, regelmäßig online zu gehen? Diese Frage stellte sich Michael Dietz vor rund zwei Jahren und gab sich gleich selbst die Anwort: indem man für einfachen Zugang und Handhabung sorgt und für den Nutzer Anreize schafft, nahezu gebührenfrei zu surfen. Schnell war die Idee geboren, genau dies mit Hilfe von Hard- und Software, Internet-Service-Providern (ISP) und anderen Geschäftspartnern zu realisieren. Dietz gründete die Lamaqq GmbH mit Sitz in Kochel bei München, holte seine Frau sowie den Softwarespezialisten Ashot Terterian mit ins Boot und heuerte einen pfiffigen Hardware- und Softwareentwickler nach dem anderen an.

Vorteile für Kunden und Geschäftspartner

Sein Geschäftsmodell basiert auf einer Softwareplattform, die den Kunden durch das Anklicken von Windows-ähnlichen Icons, die mit Shop-Sites von Werbepartnern verlinkt sind, über angeschlossene ISPs ins Internet bringt. Auf diese Weise erhalten auch PC-Anwender Zugang zum Web, die bislang mit keinem Provider verbandelt sind. Der Clou: Mit dem Klicken auf die verschiedenen Shops und den Ticker, der aktuelle Nachrichten, Gewinnspiele sowie Sonderangebote von Werbepartnern ohne eigenen Shop liefert, kann der User Minuten sammeln und damit seinen Aufenthalt im Web im Idealfall kostenfrei gestalten. Der Ticker hält ihn über seinen Zeitkontostand auf dem Laufenden.

Damit der ungeübte Anwender nicht vergisst, online zu gehen, um sein Zeitkonto wieder aufzufüllen, taucht im Offline-Betrieb in unregelmäßigen Abständen die Comic-Figur "Laqqai" auf. Der dienstbare Geist aus der Flasche erinnert den User nicht nur ans Surfen, er promotet auch die von den Werbepartnern gekauften oder gemieteten Shops - ein Service, den sich Lamaqq mit einer Provision vergüten lässt. Die Vorteile für die Provider und Web-Shop-Betreiber laut Lamaqq-Chef Dietz: "Die ISPs gewinnen Kunden ohne nervende Vertragsabschlüsse." Die Werbepartner wiederum profitierten davon, den Konsumenten bereits anzusprechen, bevor er ins Internet geht.

Zudem bundelt Lamaqq seine Plattform mit Hardware. Die Münchner beauftragten einen asiatischen Assemblierer mit der Produktion eines schicken PCs, der zusammen mit einem Modem verkauft wird und dessen Preis mit knapp 800 Mark weit unter dem Handelsüblichen liegt. Das Unternehmen peilte bis Ende des letzten Jahres inklusive Weihnachtsgeschäft einen Absatz von 200000 Rechnern an, die mit dem zusätzlichen Verkauf von Modems und Werbeprovisionen einen Umsatz von rund 200 Millionen Mark in die Kasse spülen sollten. Anschließend wollte Lamaqq auch einen MP3-Player anbieten.

Das Business-Modell kam an. Im März 2000 engagierte sich der Venture Capitalist Technologieholding/3i bei Lamaqq. Erste Allianzen mit der First-E-Bank als Shop-Partner, einem ISP sowie dem Distributor Computer 2000 wurden im Frühsommer unter Dach und Fach gebracht. Beim PC-Assemblierer in Taiwan liefen indessen die Bänder warm - der Produktionsstart stand unmittelbar bevor. Am 29. August 2000 sollte der Lamaqq-PC bei BP Express und diversen Elektronikmärkten erstmals im Regal stehen. Kein Wunder, dass die Vorfreude für Dietz und seine Mannschaft mit jedem Tag größer wurde. Am Erfolg zweifelte bei Lamaqq niemand - zumal das Startup kurz zuvor bei einem Gründerwettbewerb für seine außergewöhnliche Geschäftsidee 50000 Mark eingestrichen hatte.

Dann kam der große Crash. Ein letzter Produkttest brachte ans Tageslicht, dass entgegen allen Rückmeldungen des Chefentwicklers wichtige Software-Features nicht funktionierten und der PC-Launch abgeblasen werden musste. Ein Alptraum. "Das ist, als ob man mit 200 Stundenkilometern gegen einen Baum fährt", konstatierte Dietz. "Mir schoss durch den Kopf: Die Software ist nicht fertig, die Verträge platzen, der Umsatz fällt hinten runter, die Firma ist kaputt. Wie bringe ich das meinem VC bei?" Der aber behielt die Ruhe, und Dietz machte sich sofort an die Schadensbegrenzung. Da die Trennung vom Entwicklungschef und seinen Mitarbeitern nach dieser Panne unvermeidlich war, brauchte er vor allem neue Leute - und hatte Glück im Unglück. Ein guter Freund vermittelte ihm ein sechsköpfiges Entwicklungsteam. Innerhalb von zwei Tagen war die neue Mannschaft an Bord, ebenso schnell wurde ein neuer Chief Technical Officer gefunden. Bereits wenige Wochen später war die Software fertig gestellt.

Allerdings bekam Lamaqq die PC-Produktion nicht mehr in den Griff, die Fertigung hinkte drei Monate hinterher. "Das war uns zu heiß", so Dietz. Auch der asiatische Assemblierer riet von einem PC-Launch in den verbleibenden Monaten des Jahres ab. Die Lösung: Man verschob den Verkaufsstart der gebundelten PCs und Modems auf das erste Halbjahr 2001 und zog dafür den Verkauf der MP3-Player vor. "Wir haben einfach den Business-Plan umgedreht", so Dietz.

Das Vertriebskonzept für die MP3-Player lehnt sich stark an das PC-Modell an - nur dass die Werbung den Endkunden nicht visuell, sondern audial erreicht: Der Käufer des Lamaqq-Players - geplanter Preis: 149 Mark - kann sich über einen Online-Kiosk Musik aus dem Internet herunterladen. Ruft der Benutzer seine Lieblingstitel ab, werden ihm Werbe-Jingles vorgespielt - und dafür erhält er Geld: Die Software zählt, wie oft er einen Jingle hört, und speichert diese Informationen auf seinem Konto. Am Monatsende wird ihm der entsprechende Betrag ausgezahlt. Laut Dietz kann der Anwender bis zu 50 Mark im Monat auf diese Weise verdienen - je nachdem, was die Werbepartner springen lassen. Für diese sei das Angebot von hohem Wert, da durch die Anmeldung bei Lamaqq ein Profil des Empfängers entstehe, das gezielte Werbung ermögliche: "Wenn man seine Werbebotschaft täglich durch den Äther an acht Millionen Radiohörer schickt, ist der Streuverlust hoch. Wir dagegen schicken die Werbung direkt ins Ohr des Kunden", so Dietz.

Durch den Umbau der Produktstrategie kam Lamaqq nicht umhin, auch andere Pläne zu revidieren. Zum einen mussten die Münchner ihr Umsatzziel den neuen Gegebenheiten anpassen. Zum anderen musste der Newcomer seine zweite Finanzierungsrunde verschieben. Ursprünglich war geplant gewesen, bereits im Oktober weitere Investoren ins Boot zu holen. Dieser Schritt soll nun in den kommenden Monaten erfolgen. Entsprechende Verhandlungen liefen bereits. Auch die geplanten Kooperationen in Großbritannien, Skandinavien und Italien wurden wegen der geplatzten PC-Einführung auf das zweite Quartal 2001 verschoben.

Allen Rückschlägen zum Trotz gibt sich Dietz optimistisch. Wer eine Firma gründe, müsse flexibel bleiben und Steher-Mentalitätbeweisen. "Wenn man vorne rausgeschmissen wird, muss man zum Hintereingang wieder rein."

*Beate Kneuse ist freie Journalistin in München.

Abb: Das Geschäftsmodell von Lamaqq

Das Geschäftsmodell von Lamaqq basiert auf der Kooperation mit ISPs, Hardwareherstellern und werbetreibenden Unternehmen. (Quelle: Lamaqq GmbH)