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27.11.1974 - 

Wenig On-line-Terminals in Ingenieur-Büros

Statiker bevorzugen eigene Rechner

Die Baustatik war eines der ersten Gebiete, für die es Programme gab und für die Computer eingesetzt wurden - weil es sich im Anfangsstadium "nur" um Rechnungen handelte. Dieses Stadium ist inzwischen zwar verfeinert, zum Leidwesen anspruchsvoller Statiker im Prinzip immer noch erhalten. Software-Pakete zu Preisen von 26 000 bis 115 000 Mark sind selbst mittelgroßen Statikbüros zu teuer. Die theoretische Überlegung, daß jedes Problem ganz einfach dadurch gelöst werden kann, daß beim Statiker ein Terminal steht und er seine Probleme nur einem weisen Großcomputer irgendwo hinschreiben muß, um umgehend von dort das richtige Ergebnis zu erhalten, blieb weitgehend Theorie. Keiner der von uns befragten Statiker möchte auf den eigenen Rechner verzichten.

Baldur Umfahrer, der in Stuttgart ein mittleres Statikerbüro mit 18 Mitarbeitern hat, kaufte 1969 den ersten Rechner, eine Olivetti gamma 101. Zwei Jahre später kam eine MAEL 4000 und Anfang 1974 eine Olivetti P 652 hinzu. Ein Terminal halt er für "hervorragend, wenn es einer benötigt". Keinesfalls, so meint Umfahrer, sei es überall geeignet. Sonderprobleme, die rationell mit den kleinen Rechnern nicht zu lösen sind, machen bei ihm höchstens zehn Prozent der Arbeit aus. "Da entscheiden wir von Fall zu Fall, wohin wir so etwas - beispielsweise ein Flächentragwerk - geben. Kleine Rechner eignen sich aber nur für spezielle Gebiete. Wir machen viel Fertigteilbau und haben uns Spezialprogramme erstellt, die ständig laufen. Nur deshalb sind sie wertvoll - sonst wären sie ein teures Spielzeug."

"Die Software ist entsetzlich mangelhaft. Wir können nicht ein halbes Jahr lang Programme schreiben, wenn wie jetzt die DIN-Normen umgestellt werden. Der Hersteller muß so etwas pünktlich liefern. Bei MAEL erklärte man uns beispielsweise, die entsprechende Software werde es zwar geben - aber nur für das neue Modell. Als wir einen Programmierer von der Firma wollten, der nach unseren Angaben die Programme erneuert, verlangte man 20 000 Mark dafür - und meinte, wir könnten Æs dann ja weiterverkaufen. So etwas ist doch indiskutabel." Als Ausnahme bezeichnete Umfahrer die Firma Olivetti, die sich um Software tatsächlich bemühe.

Ingo Kiesel, selbständiger Statiker, Büros in Weingarten und Bad Kissingen, hat seit drei Jahren eine Olivetti P 602. "Ich war schwer enttäuscht, weil kurz nach dem Kauf die bessere P 652 herauskam - aber momentan reicht sie mir. Bei meiner unregelmäßigen Arbeitszeit muß ich einen eigenen Rechner haben - Samstag und Sonntag arbeitet kein Rechenzentrum. Ich habe normale Aufträge - da ist die Zusammenarbeit mit einem Rechenzentrum nicht interessant. Ich rechne auch schwierige Sachen mit der Maschine. So habe ich beispielsweise 300 Seiten Statik für einen 14 000-cbm-Bau in Essen in einer Woche komplett neu gerechnet, weil das Haus gegenüber dem ursprünglichen Plan gedreht wurde." Wichtig sind auch nach Ansicht von Kiesel brauchbare Programme vom Hersteller - "man kommt nicht dazu, Programme zu schreiben ", meint er.

RZ-Leiter Wellmann vom Ingenieurbüro Bartels in Berlin arbeitet mit einer gekauften Zuse Z 22, die 1975 durch eine Siemens 4004/45 ersetzt wird. Große Batch-Aufgaben wurden ohne Online-Aufgaben im CDC-Rechenzentrum gelöst - beispielsweise für die Statik des neuen Berliner Kongreßzentrums, die von dem 250-Mann-Büro gemacht wird. "Das Preis/Leistungsverhältnis ist sehr gut bei CDC; die Programme laufen sehr schnell - das sind die Vorteile. Allerdings handelt es sich um US-Programme und da in Amerika anders gerechnet wird als bei uns und weil die Programme straff standardisiert sind, können wir nicht alles rechnen und müssen zu Hause ergänzen", sagt Wellmann.

"Wir müßten neue Möglichkeiten haben. Die Statikprogramme aus der Anfangszeit sind zwar verfeinert, aber nicht grundlegend erweitert worden. Die Statikprogramme müßten in den Konstruktionsbereich hinein erweitert werden. Ausgegeben werden müßten über Plotter auch Zeichnungen. Bisher gibt es Koordinierungsschwierigkeiten - wir setzen alle unsere Hoffnung auf eine neue Programmiersprache für die Bauwirtschaft."

H. Nowak vom CDC-Rechenzentrum in Frankfurt hat für den vor einem Vierteljahr aufgenommenen Time-sharing-Betrieb jetzt ein Dutzend Statiker-Büros als Kunden; außerdem zwei Dutzend, die im Batch-Verfahren mit CDC arbeiten. Für kleinere Arbeiten kommt seiner Ansicht nach das Time-sharing, für größere mit mehreren Stunden Großrechnerzeit das Batch-Verfahren in Betracht. "Die Grenze, von der an die Zusammenarbeit mit dem Rechenzentrum interessant ist, liegt da, wo die Technik finiter Elemente benötigt wird. Darum herum liegt eine gewisse Grauzone. Wichtig ist, daß die Großrechner bei Bedarf auch grafische Darstellungen ausgeben können, was schwierige Probleme leichter beurteilen läßt."