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19.12.1980 - 

Strukturwandel der Rechenzentren folgt US-Tendenzen:

Statt Batch wächst das Turnkey-Geschäft

MÜNCHEN - Wie üblich auf dem Gebiet der neuen Techniken und ihrer Anwendung sind die USA auch im Strukturwandel ihrer Dienstleistungsrechenzentren der Bundesrepublik voraus. In den USA zeichnet sich - ähnlich wie in der Bundesrepublik - nicht nur eine Spezialisierung der Dienstleistung auf bestimmte Branchen ab. Dort, im Gegensatz zum RZ-Geschäft hier bei uns, nimmt auch das Turnkey-Geschäft ab.

US-Rechenzentren versuchten in der letzten Zeit zunehmend, sich von den weniger gewinnbringenden Leistungsbereichen zu trennen. So stieß nach einem Bericht der Computerworld unlängst die STSC Inc. Ihre Kommunikationsdienste ab, die die Finanzanwendungen als Hauptbetätigungsgebiet nur am Rande berührten. Andere Service-Rechenzentren begannen, sich auf nur ein Marktsegment zu konzentrieren. Diesen Entwicklungspfad schlugen auch in der Bundesrepublik einige Unternehmen ein. Als Beispiel kann die Datev, Datenverarbeitungsorganisation des steuerberatenden Berufes in der BRD, e. G., Nürnberg, dienen, die zu den größten Rechenzentren in der Bundesrepublik zählt. Die Konzeption heißt, wie der Name sagt, steuerberatende Berufe. Ihren Erfolg demonstriert die Genossenschaft mit der steigenden Mitgliederzahl. Nach Angaben von Peter Willig, verantwortlich für die Datev-Pressearbeit, zählt sie heute rund 18 200 Mitglieder gegenüber 16 380 Genossen Ende vergangenen Jahres .

Auch bei diesem Service-Datenspezialisten deutet sich ein Strukturwandel an. Die Anzahl der Online-Anschlüsse steigt, Informationen aus der Datenbank für die betreuten Steuerberater werden zunehmend genutzt.

Auch das nach eigenen Angaben zweitgrößte Dienstleistungsrechenzentrum in der Bundesrepublik, die Taylorix-Organisation Stiegler, Haußer GmbH & Co., Stuttgart, hat sich ihre Nische gesucht. Nach Angaben von Freimut Allmoslechner, verantwortlich für die Pressearbeit, stehen an der Spitze der Zielgruppen Kleinbetriebe, die bisher noch mit traditionellen Verfahren arbeiten, aber bessere Zahlen und wirtschaftlichere Verfahren für ihre Entscheidungsfindung brauchen. Heute wie auch in den nächsten Jahren wird die Batch-Verarbeitung Hauptumsatzträger bleiben. Wegen der vorwiegend im Bereich Klein- und Mittelbetriebe angesiedelten Kundenstruktur sei die Nachfrage nach Online-Leistungen sehr gering. Sie trage weniger als zehn Prozent zum RZ-Dienstleistungsumsatz, der heute insgesamt bei rund 55 Millionen Mark liegt, bei. Der Absatz von Bürocomputern, Terminals und Datenerfassungsgeräten bringe etwa 65 Millionen Mark. Die Unternehmensstrategie beinhalte, für den zeitkritischen Bereich, wie er bei Steuerberatern oder in der Auftragsberatung auftritt, dem Kunden einen eigenen Bürocomputer oder einen Online-Anschluß ans Rechenzentrum zu empfehlen. Massendaten und Auswertungen, die nicht zeitgebunden sind, sollte der Kunde dagegen im Rechenzentrum verarbeiten lassen.

Vom Stapel weg kommt auch nicht die Rhein-Main Rechenzentrum GmbH & Co. KG, Frankfurt. Die Zuwächse verringern sich nach Angaben von Hans-Ulrich Kokoska zwar von Jahr zu Jahr, doch bleibt die Batch Verarbeitung der Hauptumsatzbringer. Eine Diversifikation finde allerdings - und hier ist ein Gegensatz zu den USA zu verzeichnen - in dem Turnkey-Bereich statt. Die erfolgreichste Software des Hauses ist nach Aussagen des Pressesprechers das Kartonagen- und Faltschachtel-Paket. Zu den Spezialgebieten gehörten außerdem die Bekleidung, Textil-Reinigung und der Handel mit Kfz-Zubehör. Rund 15 Prozent des Gesamtumsatzes, der in der Größenordnung von 23 Millionen Mark liegt, werde mit schlüsselfertigen Lösungen gemacht. Davon wiederum erbringe der Verkauf von Hardware allein 80 Prozent. Der Bereich "hin zur eigenen EDV" aus dem Rechenzentrum zeige eine wachsende Tendenz.

Betreuungsgedanke wichtig

Für die Bundesrepublik ist eine Abkehr vom Turnkey als Geschäftszweig der Service-Rechenzentren noch nicht festzustellen", erklärte Peter Lange-Hellwig, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Rechenzentren e. V. (VDRZ), Hannover. Während die US-Rechenzentren, wie die Computerworld schreibt, den Bereich "Schlüsselfertige Lösungen" zunehmend aufgeben, stünde in der Bundesrepublik nicht wie dort der Gewinngedanke, sondern die Betreuungsmotivation im Vordergrund. Noch würden bei den Mitgliedern nur rund fünf bis acht Prozent des Umsatzes mit Turnkey-Systemen realisiert.

Etwa fünf Prozent brächte allein die Hardware. Doch käme gerade in Rechenzentren mittlerer Größe diesem Geschäftszweig eine wachsende Bedeutung zu. Gerade den kleinsten Rechenzentren im Verband empfehle er, sich auf eine bestimmte Branche oder Applikation zu spezialisieren.

Fusionswelle

Dennoch grassiert in der Bundesrepublik nach Angaben von Lange-Hellwig seit geraumer Zeit die Fusionswelle unter den Rechenzentren. Unterschieden werden zwei Richtungen. Eine Gruppe von Rechenzentren tut sich zusammen, um die Verwaltung zu teilen und gemeinsam Spezialisten einzukaufen. Gewöhnlich stünden die einzelnen Unternehmen vorher nicht in Konkurrenz, sondern ergänzten sich vielmehr in ihren Spezialgebieten. Bei ihnen dominiere der Sicherheitsgedanke. Es gelte gegen die Konkurrenz aus Frankreich oder den USA, die durch den grenzüberschreitenden Datex-P-Verkehr bald Wirklichkeit wird, gerüstet zu sein.

Auf der anderen Seite sei eine Einkaufswelle des Auslandes zu verzeichnen, auf dem bundesdeutschen Markt Fuß zu fassen. Doch braucht es auch zur Spezialisierung der Service-Leistung Kapital. Wie Allmoslechner betont, ist die Entwicklung einer speziellen Software kapitalintensiv. Deshalb müßten sich die kleineren Rechenzentren bereits zusammenschließen, um ihre Marktnische vorfinanzieren und einnehmen zu können.

In der Fusionslust unter den Rechenzentren kann eine ähnliche Bedeutung zwischen USA und Bundesrepublik festgestellt werden. In beiden Ländern erwarten die Fachleute, daß der Trend sich fortsetzt. Ein Zusammengehen von Hardware-Unternehmen und RZ in der Bundesrepublik ist Lange-Hellwig nicht bekannt. In den USA jedoch, so berichtet die Computerworld, zählte die International Data Corp. im letzten Jahr allein 33.