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Europa-Premiere für Supermarkt-POS-System IBM 3660

Statt Preisen jetzt Artikelnummer

21.11.1975

Im Südmarkt an der Berliner Allee in Augsburg, einem von elf Verbrauchermärkten der Lebensmittelfirma Carl Doderer KC (100 Millionen Umsatz im Jahr), muß sich der Kunde seit kurzem auf einige Überraschungen gefaßt machen: Er findet die Preise zwar am Regal, jedoch nicht mehr an der Ware. Und nach dem Bezahlen an der Kasse wird ihm an Stelle des üblichen Quittungsstreifens ein "sprechender" Kassenbon ausgehändigt, auf dem schwarz auf weiß in Klartext steht, wofür er sein Geld ausgegeben hat - wer wäre über eine derartige Hilfe bei der Haushaltsbuchführung nicht dankbar?

AUGSBURG - Seit dem 12. Oktober 1975 ist der Südmarkt als erster Verbrauchermarkt in Europa mit dem vor Jahresfrist angekündigten Kommunikations- und Service-System IBM 3660 ausgerüstet, das speziell für Supermärkte, SB-Warenhäuser und Lebensmittel-Abteilungen von Kaufhäusern entwickelt wurde. (Das Schwestermodell IBM 3650 ist als Magnetstreifen-Etiketten lesende Kasse für Warenhäuser vorgesehen )

Das Doderer-System besteht aus drei Einheiten: der programmierbaren Leitzentrale IBM 3651 - 60 (64 KB) mit einer fest eingebauten Magnetplatte (9,3 MB), zehn über eine Ringleitung an die Leitzentrale angeschlossenen Kassen IBM 3663 (insgesamt können das zu 24 Kassen an einer Leitzentrale arbeiten) sowie der Fernübertragungs-Steuereinheit IBM 3669. Bei Ausfall der Leitzentrale kann über diese Einheit auf eine andere Leitzentrale in einem benachbarten Markt umgeschaltet werden (Back-Up-Betrieb), um einen ununterbrochenen Kassenbetrieb zu gewährleisten.

Auf dem Plattenspeicher sind für jeden der 12 000 Artikel des Südmarkt-Sortiments - insgesamt können rund 20 000 Artikel erfaßt werden - Bezeichnung, Preis und weitere Daten gespeichert, die beim Verkaufsvorgang benötigt werden.

Ein wesentlicher Unterschied zum bisherigen Kassierverfahren besteht darin, daß an Stelle des Preises über die Zehnertastatur der Kasse nur die ArtikeI-Nummer eingegeben wird und in Dialogtechnik die Bezeichnung und der Preis aus der Leitzentrale abgerufen werden (Price-Look-Up-Verfahren). In der Vergabe der Artikel-Nummer wird die Umschlagshäufigkeit berücksichtigt: "Renner" bekommen niedrige (zweistellige) Nummern, "Ladenhüter" hohe (bis zu sechsstellige) (Velocity-Code). Dadurch wird das Eintippen und damit der Kassier-Vorgang beschleunigt. In der Leitzentrale werden automatisch die Umsätze der einzelnen Artikel gespeichert und stehen für weitere betriebswirtschaftliche Auswertungen wie Filialvergleiche und Soll/ Ist-Analysen abrufbereit. Die Datenübertragung zum zentralen Rechner (370/115) im Doderer-Rechenzentrum in der Augsburger Hauptverwaltung erfolgt nach Geschäftsschluß über das öffentliche Fernsprechnetz.

Artikelumsatz ohne Mehraufwand

Die DFÜ-Fähigkeit war - wie Firmenchef Albert Daiberl auf einer Pressekonferenz in Augsburg erklärte - unabdingbare Forderung an das System: "Was wir im Lebensmittel-Einzelhandel zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit brauchen, ist ein aktuelles Kontroll- und Steuerungsinstrumtent, um alle Transaktionen in den Griff zu bekommen."

Mit dem neuen System sei es erstmals möglich, den Umsatz artikelmäßig ohne Mehraufwand an der Kasse zu erfassen und die Erfolgsübersicht als Basis der Sortimentspolitik und der Disposition bis in den Bereich des einzelnen Artikels auszudehnen.

Juniorchef Bert Daiberl nannte weitere Gründe, die für den Einsatz der IBM 3660 (Einzelpreis 15 000 Mark) sprechen: Da die Leitzentrale mit genügender Intelligenz ausgestattet ist und autonom vom Zentralrechner arbeitet, können wichtige Führungszahlen für den Supermarktleiter jederzeit ausgedruckt werden. Des weiteren seien Falschauszeichnungen jetzt nicht mehr möglich, Preisänderungen könnten sehr schnell durchgeführt werden, da ja eine Umzeichnung der einzelnen Artikel nicht mehr erforderlich ist. Der Clou des Systems: Durch die Verkaufsdaten wird in der Zentrale eine automatische Bestellung ausgelöst, so daß ohne zusätzliche Eingriffe für die Filiale die optimale Warenmenge disponiert wird. Daiberl senior: "Man soll es nicht glauben, was da sonst so bestellt wird, wenn ein Starverkäufer am Werke ist."