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16.06.1995

Stell Dir vor, es ist Multimedia ...

Dieter Eckbauer

Der Kolumnist steckt in einem Dilemma. Beteiligt er sich an der Fachdiskussion ueber die Multimedia-Moderne im Inter- oder Wer- weiss-wie-net, dann traegt er - gewollt oder ungewollt - zu einem Informationsangebot bei, in dessen Einseitigkeit neutrale Beobachter das eigentliche Problem sehen: Es werde im Grunde zu sehr auf den vermeintlichen Fortschritt durch das technisch Machbare abgestellt. Dieser Ansatz sei falsch. Selbstverstaendlich benoetigten wir eine Kommunikations-Infrastruktur. Und dass die Anbieter die Chance nutzen wollen, mit Multimedia neue Kunden zu gewinnen, koenne man ihnen nicht verdenken. Doch das sei nur die eine Seite der Medaille.

Richtig, aber damit ist unsereiner nicht aus dem Schneider. Wer Verstaendnis fuer die Skeptiker bekundet, wird von Brancheninsidern schnell als Kulturpessimist abgestempelt. Auch das ist auszuhalten, wenn man die Herkunft der Online-Szenarien kennt: Sind diejenigen der Herstellermarketiers unschwer als Wunschdenkengebilde zu entlarven, so haben die Was-der-Bauer- nicht-kennt-Menetekel immerhin fuer sich, dass sie sich belegen lassen.

Das liest sich dann so: Auf die technische Infrastruktur komme es letztlich nicht an. Entscheidend sei, was von den Menschen angenommen und genutzt werde. Hier haetten nun juengste Umfragen ergeben, dass es mit der Akzeptanz der neuen Techniken in der Bevoelkerung noch nicht weit her sei. Beweise gefaellig? Ein Fuenftel der Kunden, so eine Studie des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB), holt grundsaetzlich kein Geld aus dem Bankomaten: persoenliche Beratung, ja bitte! Hiesse doch erst recht: Null Bock auf Cyber-Cash!

Na und, kontert die Gegenseite, haetten sich beispielsweise Gutenberg und vor ihm andere Innovatoren davon beeindrucken lassen, wir waeren immer noch bei den Steintafeln. Damit wird zwar das Null-Bock-Alibi erschuettert, die Frage aber nicht beantwortet: Wo ist der Markt fuer Online-Dienste und Multimedia? Der Redeschwall der Anbieter geraet darueber ins Stocken - dies immerhin ein Fortschritt in einer Zeit, in der immer seltener gefragt wird: Warum soll ich mich fuer etwas interessieren? Das hat nichts mit Technikfeindlichkeit zu tun. Die Multimedia-Matadore werden, wie peinlich, mit Problemen aus dem Marketingalltag konfrontiert, mit gar nicht so neuen Aufgaben, wenn man es genau besieht. Akquise bleibt Akquise, daran aendert auch das schoenste und schnellste Netz nichts.

Markt ist immer noch, wenn der Kunde auch nein sagen kann, ohne hoeren zu muessen, dass er sich in ideologische Widersprueche verwickelt. Nicht das Medium muss man moegen, sondern die Message - so einfach ist das. Oder sollte sich eine bestimmte Schokoladenmarke besser verkaufen lassen, wenn sie online angeboten wird? Muss der Werbetexter einen Internet-Schnupperkurs absolviert haben? Sind die schoensten Hypertext-Links lila? Kann sein, muss aber nicht sein. Am Wie, an der Kommunikations- Infrastruktur, wird es nicht scheitern. "Bleib cool, man", koennen wir dem Online-Marketier nur raten.